Zwischen Unfall und Unsinn: Feuerwehren im Landkreis Cham rücken zu oft umsonst aus

Die 190 Feuerwehren im Landkreis Cham sind zur Stelle wenn es im Haus brennt, auf der Straße kracht oder die Katze nicht mehr vom Baum runterkommt. Doch immer öfter wird die Feuerwehr alarmiert, obwohl es gar keinen Notfall gibt. Stattdessen machen defekte Rauchmelder oder versehentlich gedrückte Auto-Notrufe den Rettern zu schaffen.
„Im besten Fall ist das nur ärgerlich, im schlechtesten wird die Feuerwehr eigentlich ganz woanders gebraucht, wo es wirklich um Leben und Tod geht“, erklärt Kreisbrandrat Michael Stahl. Die Feuerwehr wird immer öfter umsonst gerufen. „Das kann aus Versehen passieren, oder, weil jemand eine vermeintliche Gefahrenlage beobachtet, die gar keine ist“, so Stahl. Seine Feuerwehren sind im Vorjahr 153 Mal umsonst ausgerückt. Das sei zwar ärgerlich, aber gehöre ein Stück weit zum Beruf dazu. „Lieber rufen die Leute einmal zu viel den Notruf, als einmal zu wenig.“
Fünf Mal in einer Woche
Doch vor ein paar Wochen haben sich die Fälle von sogenannten E-Call Notrufen laut Stahl dermaßen gehäuft, dass die Feuerwehren sich zum Handeln gezwungen sahen: „In einer Woche musste unsere Feuerwehr fünf Mal umsonst ausrücken und jetzt muss sich was ändern.“ Seine Mission sei es, die Gesellschaft für das Problem zu sensibilisieren und darauf aufmerksam zu machen.

Die häufigste Ursache zurzeit ist laut Stahl der bereits erwähnte E-Call. Ein kleiner Knopf im Auto, soll bei Unfällen oder Gefahrensituationen einen schnelle Alarmierung des Notrufs ermöglichen. Zumindest in der Theorie. „Wir beobachten, dass dieser Knopf immer wieder aus Versehen oder unbemerkt gedrückt wird“, erzählt Stahl. Dies habe zur Folge, dass die Leitstelle kontaktiert wird. „Ein Einsatz wird erst dann ausgelöst, wenn die Person den Notruf bestätigt, oder sich nicht mehr meldet, und wir davon ausgehen, dass etwas Schlimmeres passiert ist.“
Vor allem Letzteres passiere trotz fehlender Gefahrenlage immer wieder. Für den Brandrat ein Rätsel: „Manch einer traut sich wohl nicht zu antworten, oder ignoriert unseren Rückruf.“ Für die Feuerwehr und den Notarzt, die jeden Notruf natürlich Ernst nehmen müssen, wird dann ein unnötiger Einsatz ausgelöst.
Für die Kollegen ist es ärgerlich, wenn die vor Ort ankommen und keiner da ist.
Michael Stahl, Kreisbrandrat
„Für die Kollegen ist es ärgerlich, wenn die vor Ort ankommen und keiner da ist“, so Stahl und ergänzt: „Da sinkt die Moral mit der Zeit natürlich.“ Dabei gibt es nach seinen Worten eine einfache Lösung für das Problem: „Einfach uns antworten und Bescheid geben, dass wir nicht ausrücken müssen.“ Auch Strafen oder Bußgelder habe keiner zu befürchten, der „mal auf den falschen Knopf drückt“.
Auch die Handys alarmieren die Feuerwehren zunehmend umsonst, meint der Brandrat. Zum Beispiel bei Stürzen, oder versehentlicher Auslösung. „Das hat in den vergangenen Jahren natürlich zugenommen seit der Notruf nur noch einen Klick entfernt ist.“ Oftmals werde der Alarm unbemerkt ausgelöst und habe dann, bei fehlender Rückmeldung, einen Einsatz zur Folge.
Schlechte Wartung
Ein weiteres Problemkind sind die Rauchmelder, die inzwischen in jeder Wohnung hängen und von denen manche direkten Alarm auslösen können. „Schlechte Wartung oder Defekte sorgen auch da oft für Einsätze“, sagt Stahl.
Noch öfters als die E-Calls machen die Brandmeldeanlagen in geschützten Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Altenheimen Probleme. Laut Stahl gehen 85 der 153 Fehlalarmierungen auf ihr Konto. „Dabei handelt es sich um Brandmelder, die oftmals direkt mit der Leitstelle verbunden sind“, so Stahl. Diese seien aber technisch anfällig und würden oft ohne ersichtlichen Grund den Alarm auslösen. „Hier ist die richtige Wartung ganz wichtig, wenn ein Unternehmen oder eine Einrichtung das wiederholt vernachlässigt, dann kann es auch finanzielle Sanktionen geben.“
Für Kreisbrandrat Stahl ist es nach eigenen Worten ein Anliegen, die unnötigen Einsätze zu minimieren. „Bei jedem Einsatz müssen ehrenamtliche Feuerwehrleute ihr Büro oder die Familienfeier verlassen“, sagt er und ergänzt: „Wenn das umsonst passiert, und zwar immer wieder, dann ist das sehr anstrengend.“ Außerdem könne keiner wollen, dass die Helfer dann bei den wirklich wichtigen Einsätzen fehlen.