Er wollte ein Flugzeug für sich allein: Also baut sich Christian Graßmann selbst eins

Der Vorsitzende des AC Nittenau, Christian Graßmann, fliegt für sein Leben gerne. Weil ihm aber nicht immer ein Flieger zur Verfügung steht und ihm kein Bausatz so recht gefiel, fasste er einen Entschluss: Er baut sich einfach sein eigenes Flugzeug. Aber wie funktioniert das eigentlich? Es ist gar nicht so einfach.
Christian Graßmann ist seit 2019 als Vorsitzender des AC Nittenau eine der tragenden Säulen des örtlichen Vereinslebens. Mit der jährlichen Fahrzeugweihe, der Oldtimerausfahrt, dem Oldtimertreffen und der Ausrichtung des Flugplatzslaloms sorgt er mit seinem Motorsportverein regelmäßig für überregionale und beliebte Events. Technische Dinge sind eben seine Vorliebe. Hat er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt, lässt es den 64-Jährigen nicht mehr los.
So war es auch, als der passionierte Motorsportler das erste Mal ans Steuer der Chartermaschine Breezer B400/6a seinem Heimatflugplatz Bruck/Nittenau gelotst wurde und ihm dabei schnell klar wurde, dass er Pilot werden wollte. Das setzte er 2018 erfolgreich in die Tat um, denn schon als Kind war er von der Aerodynamik seines Modellflugzeuges „Kleiner Uhu“ fasziniert.
Was ihm allerdings nicht so gefiel, war der Umstand, dass die Breezer bei schönem Wetter nicht nur einen Liebhaber hatte und damit meist ausgebucht war. Das ließ in Graßmann die Idee reifen, unabhängig zu werden. Irgendwie gefielen ihm aber kein Flugzeug und kein Bausatz so richtig – oder es war unbezahlbar. Also traf Graßmann eine folgenschwere Entscheidung. Der Selbstbau eines Flugzeuges in kompletter Eigenkonstruktion sollte es sein. Das ist zwar in Deutschland grundsätzlich möglich, aber an sehr hohe Hürden gebunden. Wer nur mal seine Alufelgen beim TÜV eintragen lassen wolle, könne sich laut Graßmann annähernd vorstellen, was erst eine Flugzeugabnahme bedeutet.
Christian Graßmann entwickelte schließlich vor drei Jahren eine Idee und taufte seinen Flieger „Phönix 400“. Die Zahl steht dabei für die angepeilte Geschwindigkeit, welche das Ultraleichtflugzeug einmal erreichen soll. Wer in Deutschland ein zugelassenes Flugzeug bauen will, muss mit seiner Konstruktion drei Baugutachten bestehen und schon von Anfang an den Nachweis bringen, dass die Konstruktion auch fliegen wird.
Dabei ist man nicht allein und wird von der „Oskar Ursinus Vereinigung (OUV)“ von Spezialisten begleitet. Um die Hürden hier zu verdeutlichen, nennt Graßmann ein paar Zahlen. In den letzten 15 Jahren seien 197 Flugzeugbauten bei der OUV beantragt worden, davon nur drei Eigenkonstruktionen. Die wenigsten davon wurden auch erfolgreich beendet. Graßmanns Phönix 400 nimmt deshalb eine absolute Ausnahmestellung bei den Eigenbauten ein, da die meisten Eigenbauer auf Baukastenlösungen setzten.

In die Bewertung der Machbarkeitsstudie flossen nicht nur die Konstruktion selbst ein, sondern auch die technischen Möglichkeiten und -fähigkeiten des Erbauers. Da kam dem gelernten Betriebsschlosser, Industriemeister und Maschinenbautechniker zugute, dass er sich seit 25 Jahren mit der Carbontechnik gut auskennt und seit vier Jahren eine eigene Firma für individuelle CFK-Lösungen in Obertraubling gegründet hat.
Dazu kommt die veranschlagte Bauzeit von etwa 5000 Stunden für die Flugzeugzelle und noch einmal 5000 Stunden für den Motor, was eine enorme zeitliche Zusatzbelastung über viele Jahre bedeutet. Doch der 64-Jährige empfindet den Bau keineswegs als Belastung. Er findet eben seine Erfüllung darin, etwas zu erschaffen und daraus Lebensfreude und Zufriedenheit zu schöpfen. Daher wurde sein Projekt auch mit den Worten genehmigt: „Es ist ein unglaublicher Aufwand, aber es macht keinen Sinn, ihm das ausreden zu wollen.“
Es ist ein unglaublicher Aufwand, aber es macht keinen Sinn, ihm das ausreden zu wollen.
Begründung für die Genehmigung des Flugzeugprojekts
Mittlerweile nimmt sein Flieger schon Gestalt an. In seinem „Hangar“, eigentlich eine kleine Halle in Leichtbauweise, liegt das Negativ einer 3,6 Meter langen Tragfläche, welche er schon gebaut hat, daneben ein elektrisch verstellbarer Propeller von MT aus Straubing. In seiner Werkstatt hängt ein Automotor der Marke Subaru auf einem Motorträger, welchen er mit einem angepassten Garrett-Turbolader kombiniert. Irgendwann wird das Flugzeug flugfertig sein und zusätzlich zum zweiten Baugutachten auch einem Belastungstest unterzogen.
Dort kommt es in die „Folterkammer“ und wird einer mechanischen Kraft-Belastung von +6 G und -4 G ausgesetzt, danach folgt die Flugerprobung durch einen Testpiloten. Christian Graßmann peilt an, zum Ende des Jahres 2027 die sogenannte „vorläufige Verkehrsfreigabe“ in den Händen zu halten und dann selbst mit seiner Phönix 400 den Jungfernflug antreten zu können. Zweifel hat er daran hat der Tüftler keine.
Technische Details
Details: Graßmann stellte seinen Phönix 400 bei der Oskar Ursinus Vereinigung in Speyer in einem Gastbeitrag vor, den er nunmehr auf YouTube in zwei Teilen veröffentlicht hat, um Interessierten Detaileinblicke in seinen Lebenstraum zu gewähren.
Videos: Die Videos sind auf der Online-Plattform YouTube abrufbar – unter dem Kanal der Oskar Ursinus Vereinigung. Der Titel lautet Projekt Phoenix 400.