Für die überzähligen Paviane im Nürnberger Tiergarten ist keine Rettung in Sicht

Das Pavian-Gehege des Nürnberger Tiergartens hat zu wenig Platz, denn es gibt zu viele Tiere. Zur Lösung des Problems hatte Zoodirektor Dag Encke im vergangenen Jahr die Tötung der überzähligen Affen ins Spiel gebracht. Nachdem sich alle Pläne, die Paviane an andere Zoos abzugeben, zerschlagen haben, ist Enckes Lösung aktueller denn je.
Immer wieder rasen die Affen durch das Gehege im Nürnberger Tiergarten. Zwischen Kletterbäumen und Wassergraben kommen sich die streitlustigen Paviane schon aus Platzgründen ziemlich häufig in die Quere. „Wir haben zurzeit 43 Paviane unterschiedlichen Alters“, sagt Zoodirektor Dag Encke. Allerdings sei die Anlage nur für 25 erwachsene Tiere plus Heranwachsende ausgelegt und genehmigt. Unter dem Strich seien also etwa 30 Tiere die Obergrenze. „Demnach sind ungefähr 13 Tiere überzählig“, beschreibt Encke das Dilemma, in dem der Tiergarten steckt.
Im vergangenen Jahr hatte Encke zur Lösung des Platzproblems die Tötung der überzähligen Tiere ins Spiel gebracht und damit eine bundesweite Debatte ausgelöst, ob Menschen den verwandten Primaten das Leben nehmen dürfen. Schnell hatten Tierfreunde für einen Aufschrei gesorgt und Alternativen gefordert.
Nach den weltweiten Berichten hatte sich ein Zoo aus Indien gemeldet und scheinbar Aufnahmebereitschaft signalisiert. Diese Umzugspläne scheinen sich jetzt allerdings in Luft aufgelöst zu haben. Es sei laut Tiergartendirektor Encke schlicht und ergreifend zu keiner Vereinbarung gekommen.
Nürnberger Tiergarten legt Kriterien für Todesliste fest
Deshalb stünde nun wieder die gewaltsame Dezimierung der Affenherde auf der Tagesordnung. „Zurzeit liegt kein weiteres konkretes Angebot vor. Insofern steht nach wie vor die Tötung im Raum“, teilt Encke weiter mit.
Der Handlungsdruck ist offensichtlich enorm. Auch die Zeitfrage spielt wohl bereits eine Rolle. „Der Zeitpunkt ist arbiträr, da wir der Gruppe die Überzahl ja aufgrund erhoffter Alternativen schon lange zumuten“, sagt Encke und meint damit wohl, dass die Uhr längst tickt. Selbst für die Zusammenstellung der Todesliste gibt es bereits Kriterien. „Trächtige Weibchen werden nicht getötet. Das Geschlechterverhältnis muss in den Alterskohorten möglichst ausgeglichen sein.“ Genaue Kandidaten und Zahlen seien aber noch offen. „Daraus ergibt sich dann eine Zahl, die wir jetzt noch nicht kennen können.“
Derweil regt sich neuerlicher Protest gegen die geplante Tötung. Tierschützer hatten nach Demonstrationen angekündigt, Strafanzeige stellen zu wollen. Rechtlich soll das Vorgehen allerdings zulässig sein. Der Umweltausschuss der Stadt Nürnberg hatte dem Tiergarten grundsätzlich bereits vor über einem Jahr „grünes Licht“ für die Tötung gegeben. Der Tiergarten vereidigt das geplante Vorgehen damit, dass die Überpopulation schon zu handfesten Konflikten in der Affengruppe geführt habe.
Nach gescheiterten Verhütungsversuchen sei die Population auf die aktuelle Größe angestiegen. Andere Tiergärten wären trotz internationaler Bemühungen bislang nicht bereit gewesen, überzähligen Pavianen ein neues Zuhause zu geben.
Dem Nürnberger Zoodirektor geht es auch um Glaubwürdigkeit
Sorgen um sinkende Beliebtheitswerte macht sich Encke trotz kontroverser Debatten nicht. „Es geht nicht um Popularität, sondern um Glaubwürdigkeit“, ist sich der Nürnberger Tiergartendirektor sicher. Auch bei anderen Streitthemen wie der Zoohaltung von Delfinen hat sich Encke zum Ärger von Tierschützen im Sinne des Artenschutzes mit großem Einsatz dafür ausgesprochen.
Ungeachtet der wieder aufgeflammten Affen-Diskussion bereitet man sich im Tiergarten derweil auf einen großen Sommerevent vor. Am nächsten Samstag haben Besucher die einmalige Gelegenheit, bis kurz vor Sonnenuntergang durch den Tiergarten spazieren und neben Nashorn, Löwe und Tiger picknicken zu können. Auf vier Wiesen dürfen die Besucher bis 21 Uhr die Picknick-Decken ausbreiten und den längsten Tag des Jahres genießen. Für das Mittsommer-Picknick sind weder Anmeldung noch separates Ticket erforderlich. Besucher zahlen laut Tiergarten den normalen Eintritt und können sich 90 Minuten länger als üblich im Tiergarten aufhalten.
Die Paviane werden das bunte Picknick-Treiben wohl allerdings nicht miterleben können. Die Tierhäuser schließen auch an Mittsommer bereits pünktlich kurz nach Kassenschluss rund zwei Stunden vorher.