Besucher des Botanischen Gartens können zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen

In Botanischen Gärten sind Besucher normalerweise nur passive Betrachter der natürlichen Vielfalt. In Erlangen fordern die Botaniker die Gäste dagegen jetzt bewusst zum Mitmachen auf.
Naturbegeisterte Besucher des Gartenparadieses beim Schlossgarten haben noch bis zum 22. Juni die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. Unter der Überschrift „BioBlitz“ sollen sich die Teilnehmer zwischen Blumenbeeten und Gewächshäusern bewusst auf die Spur von wilden Pflanzen, Pilzen und Tieren begeben. Mit Hilfe von Handykamera und Smartphone können die Beobachtungen der Foto-Safari über die kostenlose Plattform „iNaturalist“ festgehalten werden.
Anschließend werden die Entdeckungen der Hobby-Botaniker von Fachleuten wie Katrin Simon vom Botanischen Garten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in der Loschgestraße geprüft.
„Das Ganze ist nicht nur ein spielerischer Wettbewerb, sondern soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die Vielzahl an Lebewesen zu schärfen, die mit uns den städtischen Raum teilen, aber oft übersehen werden“, erklärt Simon die Idee des Wettbewerbs, der auch einen ernsten Hintergrund habe. „Die biologische Vielfalt und das Klima sind eng miteinander verbunden und beeinflussen einander gegenseitig“, betont die Biologin und unterstreicht den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Artenvielfalt.
Vielzahl an Lebewesen
Ein fortschreitender Klimawandel verringere die Biodiversität. Gleichzeitig führe eine Abnahme der Vielfalt in Flora und Fauna zu einem schnelleren Fortschreiten des Klimawandels. Um mehr über den Rückgang vieler Pflanzen- und Tierarten herauszufinden zu können, seien umfassende Datenerhebungen zur Biodiversität von großer Bedeutung, sagt Simon.
Um diesen Teufelskreis besser stoppen zu können, müssten zuerst alle wildlebende Pflanzen und Tiere wissenschaftlich erfasst werden. Und hier kommen die Teilnehmer des „BioBlitz“ ins Spiel. Mit den Daten der Artenvielfalt-Spürnasen soll die Forschung verbessert werden. Insgesamt beteiligen sich über 30 Botanische Gärten in Deutschland, Österreich und der Schweiz an der Mitmach-Aktion zur besseren Dokumentation urbaner Biodiversität.

Simon ist sich sicher, dass sich der Einsatz lohnt. Ehrenamtliche Pflanzenliebhaber würden mit rund 95 Prozent bereits schon heute den Löwenanteil bei der Erfassung des Bestandes leisten. Gerade auch in wissenschaftlichen Gartenparadiesen wie in Erlangen, mit ihren bewussten Mischungen aus exotischen und einheimischen Pflanzenarten und umfassenden dokumentierten Sammlungen, würde sich zwischen den angepflanzten Arten das wilde Leben tummeln.
Neuer Blickwinkel
Wer Botanische Gärten genauer erkundet, in Hecken und Sträuchern nachsieht, an Wegrändern unter Steine schaut oder Mauerritzen beobachtet, wird laut Simon zahlreiche Entdeckungen machen können. Nebenbei können die Teilnehmer die eigene Umwelt aus einem neuen Blickwinkel erleben und dabei zusätzlich mit Hilfe der kostenlosen App die Artenkenntnisse vertiefen.
„Je mehr Beobachtungen zusammenkommen, desto genauer lässt sich die Vielfalt erfassen“, hofft Simon auf zahlreiche Teilnehmer, die am Ende sogar einen Preis gewinnen können. Denn die erfolgreichsten Artendetektive und begabtesten Naturfotografen sollen vom Verband Botanischer Gärten ausgezeichnet werden.