Kelheims Lehrer arbeiten am Limit - Personalmangel und weitere Themen fordern Schulamt wie Pädagogen

Mehr Schüler, zu wenig Lehrer: Im Landkreis Kelheim fehlt es vor allem an Mittelschullehrern. Laut Schulaufsichtsverband dürfte sich die Lage in den kommenden Jahren noch verschärfen.
Neben Stadt und Landkreis Landshut zählt der Kreis Kelheim zu Niederbayerns Zuzugs- und Wachstumsregionen. Das macht sich auch in den Schulen bemerkbar. Mehr Schüler bedeuten aber auch, dass es mehr Lehrer braucht. Doch die sind Mangelware, vor allem in den Mittelschulen. Das wurde bei einem Info-Besuch der Landtagsabgeordneten Petra Högl im Kelheimer Schulamt deutlich.
Michael Kugler und Brigitte Schönhofer-Bohrer leiten diese Behörde und sind damit zuständig für die 24 Grund- und zehn Mittelschulen im Landkreis. Derzeit lernen 7456 Mädchen und Jungen in 343 Klassen von Bad Abbach bis Volkenschwand, von Riedenburg bis Sandsbach.
Knapp 60 Prozent in Teilzeit
Knapp 540 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten und betreuen die Kinder und Jugendlichen. Mehr als die Hälfte der Pädagogen arbeitet in Teilzeit. Konkret sind dies 322 Kolleginnen und Kollegen. Ein Umstand, an dem Bayerns Schulaufsichtsverband seit Längerem ansetzen will, um dem Lehrermangel zu begegnen.
„Das Prinzip, auf die Freiwilligkeit der Lehrkräfte zu setzen, wenn es darum geht, die individuelle Teilzeit abzusenken und das Maß an Arbeitsstunden zu erhöhen, verfängt leider nur sehr eingeschränkt“, kritisierte Landesverbandsvorsitzender Jürgen Heiß vor einigen Wochen in einem Brief an das Kultusministerium. Die Idee seines Verbands: „Das Mindestmaß an familienpolitischer Teilzeit – gestaffelt nach dem Alter der Kinder und unter Berücksichtigung von Härtefällen – anzuheben, um so Personalressourcen zu gewinnen.“
Heiß geht davon aus, dass sich der Personalmangel in den kommenden Jahren „voraussichtlich über alle Schularten hinweg noch verschärfen“ wird, vor allem aber an den Mittelschulen. Auch diese Sorge formulierte er an das Kultusministerium. Dessen Maßnahmen zur Behebung bzw. Abmilderung der Lage enttäuschten.
Wie die Situation im kommenden Schuljahr im Landkreis Kelheim konkret aussehen werde, stehe erst Mitte bis Ende Juli fest, sagt Michael Kugler. Dann erst kenne er die „endgültige Personalversorgung“ und die tatsächlich vorhandenen Budgets. Von den Lehrer-Stunden her sei die Zahl exakt so wie im vergangenen Jahr.
Aktuell kann das Kelheimer Schulamt neben den regulären Lehrkräften auf 98 Köpfe aus der „mobile Reserve“ zählen. Die Frauen und Männer springen an Grund- wie Mittelschulen ein, wenn Pädagogen ausfallen. Bei dieser Zahl müsse man aber genau hinschauen. Während in Voll- bzw. Teilzeit arbeitende Lehrer im Schnitt auf 22 bis 25 Schulstunden pro Woche kommen, haben Pensionisten oder sogenannte Ein-Fach-Lehrer, die Musik oder Englisch unterrichten, oftmals Verträge über vier bis fünf Stunden die Woche. Hinzu kommen Lehramts-Studenten und sonstige Aushilfen, die im Gros ebenfalls in ähnlicher Größenordnung einspringen, andere übernehmen maximal 15 Stunden pro Woche.
Lehramtsanwärter, die in Bayern ihr Examen mit einem Notendurchschnitt von „3,5 oder besser“ machen, werden eingestellt. Vor vier bis fünf Jahren gab es noch Wartelisten, so Kugler. Doch die Zeiten sind vorbei. Es herrscht Lehrermangel an Grund- und Mittelschulen.
Im Grundschulbereich ist Michael Kugler optimistisch, dass das Schulamt ab September auf mehr Lehrkräfte hoffen kann als 2024. „Bald werden wir hier wieder volle Auslastung haben.“ An Mittelschulen hingegen klafft die Lücke bekanntlich deutlicher. Auch weil weniger Studenten eingeschrieben sind, als nötig wären, heißt es.
Deshalb gibt es auch, etwa von der Regierung von Niederbayern, bestimmte Programme, um für den Lehrerberuf zu werben, sagt Brigitte Schönhofer-Bohrer. Niederbayernweit seien sogenannte Lehramts-Botschafter an den Gymnasien unterwegs und an jeder Schule gebe es einen Ansprechpartner für Praktikanten.
Doch nicht nur die Personal-Frage treibt Schulamt und Schulen um. Sie meistern eine weitere große Herausforderung. Grund- und Mittelschulen kümmern sich auch um Kinder, die teils kein Wort Deutsch können. Die Rede ist von Zugewanderten. Sie können aus dem europäischen Ausland stammen, wie auch aus der Ukraine oder Syrien, so Kugler. Im nun zweiten Jahr gibt es für ältere Kinder ein Sonderprojekt. Die schulartunabhängigen Deutsch-Klassen. Sie wurden für alle Schüler ab der 5. Jahrgangsstufe eingerichtet.
Auch Abensberg macht mit
Aktuell gibt es eine Klasse an der Mittelschule in Saal sowie am Mainburger Gymnasium. Ab September komme an der Abensberger Realschule eine weitere hinzu, freut sich Kugler über die Zusage des dortigen Rektors Peter Spateneder.
In diesen Klassen sei Platz für maximal 20 Schülerinnen und Schüler. Bereits jetzt seien für Mainburg zwölf vorangemeldet, für Saal acht und für Abensberg zwölf. Die Zuordnung erfolgt nicht nach Leistung. Wer wohin kommt, entscheide eine Steuerungsgruppe. Ausgerichtet ist der Besuch dieser Klassen auf mindestens ein Jahr.
Für die Jahrgangsstufen 7 bis 9 werden die Deutsch-Klassen ausschließlich an den Mittelschulen gestemmt, sagt Schulrätin Brigitte Schönhofer-Bohrer. Nämlich in Saal, Siegenburg und Mainburg. Auch wenn die Zahlen der betroffenen Schüler seit 2015 geringer geworden sind. Für die Schulen sei dies weiterhin eine „Herausforderung auf hohem Niveau“. Im Grundschulbereich gebe es diese Aufteilung nicht. Hier werden alle Kinder vor Ort unterrichtet und betreut.
Von Einschulung bis Zukunftstechnologie
• Plan-Zahlen Erstklässler: Im Gegensatz zu anderen Regionen Niederbayerns, wo die Schülerzahlen rückläufig sind, sind sie im Landkreis Kelheim stabil bzw. steigen leicht an, sagt Schulamtsleiter Michael Kugler. Laut dem Staatlichen Schulamt Kelheim sahen die Planzahlen bezüglich Erstklässlern (zum 1. August) in den vergangenen Jahren folgender Maßen aus: Vor dem Schuljahresstart 2022/23 waren es 1262 Kinder, 2023/24 1207, 2024/25 1204. Für 2025/26 geht Kugler von 1279 Abc-Schützen aus.
• Weitere Schul-Themen: Beim MdL-Besuch informierte die Schulamtsleitung des Weiteren über die vielfältigen Schulprofile im Landkreis – von Flex-Klassen an den Grundschulen über Praxisklassen an den Mittelschulen in Kelheim und Mainburg bis hin zu den Profilschulen für Informatik und Zukunftstechnologien in Offenstetten, Langquaid (beides GS) und Neustadt (MS).