E-Carsharing kommt in Kallmünz: Marktrat stimmt für zeitlich befristete Einführung

„Mehr Sharing – weniger Car“ war der Slogan, mit dem Geschäftsführer Josef Weigl von der Gesellschaft zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis Regensburg (GFN) im Marktrat für die Idee des E-Carsharings in Kallmünz warb. Letztlich mit Erfolg: Der Marktrat beschloss mit knapper Mehrheit, zeitlich begrenzt am E-Carsharing teilzunehmen. Die Verwaltung und der Betrieb werden der Zukunftswerkstatt übertragen.
Zunächst hatte es Weigl allerdings schwer, die Räte für die Idee zu gewinnen. Manchen war die Kostenbeteiligung von 3600 Euro im Jahr zu viel. Weigl zählte Gründe für das Gelingen des Vorhabens auf: Es sei innovativ, umweltfreundlich und die Bevölkerung würde dann unter Umständen auf das Zweit- oder Drittauto verzichten. Junge Erwachsene und ältere Mitbürger könnten sich günstig fortbewegen. Die GFN hat nach den Worten von Weigl ihr Carsharing mit einer neuen Software versehen, die von der Buchung bis zur Abrechnung nutzerfreundlich für den Anwender sei . Man könne per Smartphone-App, Web-App oder Desktop-App buchen. Die neue Software ermögliche eine einfache Bedienung. Demnach zeigt die App die Verfügbarkeit der Fahrzeuge an und sie dient als digitaler Schlüssel für das Fahrzeug.
Weigl: Lücke schließen
Finanziert wir das Ganze durch die Nutzerentgelte sowie über Werbung an den Fahrzeugen und eine finanzielle Beteiligung der Standortgemeinden. Die Sparkasse Regensburg unterstützt das Projekt als Hauptsponsor. Obwohl die Gemeinde Kallmünz mit den Linien 15 und 42 sowie über die Schülerfahrten der Linien 110 und 116 und das Rufbus-System Elma als ergänzende Bedienung im westlichen Landkreis gut aufgestellt sei, sieht die GFN nach den Worten von Weigl noch eine Lücke, die das Carsharing schließen könnte. Demnach könnte der ÖPNV mit dem E-Car-Angebot verknüpft und eingebunden werden in die RVV-App.
Die Kostenbeteiligung des Marktes von höchstens 300 Euro im Monat gelte laut Weigl als Anschubfinanzierung. Das Risiko liege bei maximal 3600 Euro. Die Zukunftswerkstatt unter Maria Wolf hatte bereits im Januar dem Marktrat das Carsharing vorgestellt. In der Sitzung war Andreas Fogy als Vertreter der Zukunftswerkstatt anwesend und erklärte sich bereit, als Kümmerer für das E-Auto bereit zu stehen.
Ergänzung für ÖPNV-Angebot?
Johann Rinner (CSU) zeigte sich wenig angetan von der Idee: „Man muss sich anschauen, auf wie viel Anfragen von Elma tatsächlich eine Fahrt zustande kommt“, erklärte er. Primär ist das Carsharing seiner Meinung nach etwas für die Kallmünzer. Die Bürger aus den Ortsteilen müssten erst mit Rad oder Elma zum E-Car kommen. Das Angebot sei keine Aufgabe der Gemeinde. Dies sollten Privatanbieter machen.
„Warum brauchen sie die Gemeinde dazu?“, wollte er von Weigl wissen. Der GFN-Geschäftsführer entgegnete, dass das Fahrzeug bei einer gewissen Planung leicht zu reservieren sei und das ÖPNV-Angebot ergänze. Er glaubt, dass es etliche Menschen in Kallmünz gibt, die das Angebot annehmen. „Sie haben sogar jemand, der sich ehrenamtlich darum kümmert. Der Markt Kallmünz kann sich glücklich schätzen“, ergänzte der GFN-Geschäftsführer.
Josef Wein (SPD) fand die Idee „positiv“. Das Umland sei zwar nicht unmittelbar angebunden, man könne es aber zwei bis drei Jahre laufen lassen und dann Bilanz ziehen. Weigl versprach dem Gremium, dass ein Betreuer vor Ort alles erklären und die Einweisung machen werde. Es käme auch ein Mitarbeiter zum Mobilitätstag. Eine der zwei Ladesäulen am Neuen Rathaus müsste dann allerdings für das Carsharing gesperrt werden.
Viele Fragezeichen
Bernhard Hübl (FW) hatte ebenfalls Zweifel, ob das Fahrzeug angenommen wird: „Ich weiß nicht, ob ältere Personen das verstehen und da jeder mit dem Handy aufsperren kann?“ Nach seiner Meinung gibt es viele Fragezeichen dazu. „Für mich ist das praktisch nicht nachvollziehbar“, betonte Hübl. Richard Brettern (CWG) war der Meinung, dass das Vorhaben kostenneutral für die Gemeinde sein müsse. „Mir fehlen die Sponsoren“, sagte er, und fand das Konzept für die Ortsteile uninteressant. Eva Schropp (Bündnis 90) wollte wissen, ob der Markt auch einen Gewinn machen könne. Dies wurde von Weigl verneint.