Experte für Heimatliebe geht: Chams Kreisheimatpfleger Hans Wrba tritt ab

Von Christoph Klöckner · 10. Juni 2025 um 11:00

Große Fußstapfen erwarteten ihn, als er das Amt im Jahr 2000 antrat – sein Vorgänger hatte um jeden Zentimeter Heimatgeschichte in Cham und Umgebung gerungen. Mit Leidenschaft und viel Wissen hat Hans Wrba den Posten des Kreisheimatpflegers im Sinne Willy Straßers weitergeführt. Nach gut 25 Jahren nimmt er zum Jahresende den Hut.

Nicht ganz so laut wie Straßer, doch ausgerüstet mit viel Begeisterungsfähigkeit und Widerstandskraft füllte Hans Wrba die Lücke und erarbeitete sich schnell das nötige Gehör in Politik und Gesellschaft. Er sei als Mitarbeiter im Arbeitskreis für Heimatforschung im Landkreis Cham kein Unbekannter gewesen, sagt der heute 73-Jährige.

Erhaltenswert oder nicht?

Dabei geht es letztlich immer um die Frage: Ist das erhaltenswert oder nicht? Lange Jahre verband sich mit dem Wegreißen etwa von Waidlerhäusern auch ein gewollter Abschied vom armen Leben vergangener Zeiten. Das hat viele historische Gebäude das Dasein gekostet und Toskanahäuser sowie andere zweifelhafte Dinge in den Dörfern wachsen lassen.

Noch heute sei es immer ein Ringen und Überzeugen der Menschen, sagt Wrba: „Hat man den Besitzer nicht auf seiner Seite, ist alles vergebens!“ Dennoch zieht er eine positive Bilanz seiner Arbeit über ein Vierteljahrhundert. Dank vieler Unterstützer und guter Zusammenarbeit etwa mit dem Kulturreferat am Landratsamt habe er einiges bewegen können. Seine Vorträge, Ausstellungen und Veranstaltungen, die er in fünf dicken Ordnern mit Zeitungsausschnitten dokumentiert hat, sind überaus gut besucht. Er weiß Geschichte und Geschichten aus der Region, die immer wieder Spannendes und Überraschendes zu bieten haben.

Herausragendes Beispiel für seinen und den Einsatz weiterer Denkmalschützer ist das Blaue Haus am Rindermarkt 10. Auch hier war der Abriss des Stadthauses mit viel Geschichte mehr oder weniger schon beschlossene Sache, bevor sich das Blatt wendete und die Stadt das Gebäude kaufte und sanierte. Der größte Verlust ist vom Wohnort Wrbas in Ried nicht weit entfernt – in Pemfling wurde lange um den mittelalterlichen Zehentstadel, der Wiege der Hofmark, gestritten. Doch ohne ein Zutun des Inhabers war hier nichts möglich – am Ende unterzeichnete der Landrat die Abrissgenehmigung – entgegen des Votums des Kreisheimatpflegers, der zu solchen Fragen gehört werden muss. Ein langes Hin und Her, bei dem er mitmischte, war auch die Auseinandersetzung ums Wirtshaus am Lamberg – als das Bistum die Annahme von 1600 Unterschriften für den Erhalt ablehnte. Es gibt auch Überraschungen – beim Wasserschloss in Arnschwang etwa hatte Wrba nach Gesprächen mit dem damaligen Besitzer den Abriss schon akzeptiert. Dann sei die Gemeinde eingesprungen, lobt er – das Schloss hat überlebt. Ähnlich sei es bei Gut Hötzing gewesen, wo die Gemeinde Schorndorf dankenswerterweise gegen den Abriss gestimmt habe.

Die Ehrenkachel der Altstadtfreunde hängt bei Hans Wrba an der Scheunenwand.

Hans Wrba, der manches Steckenpferd verfolgt, wie etwa das Totenbrauchtum, die allgemeine Volksfrömmigkeit oder auch das Sammeln von Amuletten oder Spitzenbildchen und eine umfassende Sammlung hat, ist auch schon einmal Aufklärer über Irrtümer. So hat er jetzt erst mit dem Kirchenpfleger und zweitem Bürgermeister Chams, Walter Dendorfer, gesprochen, um ein Märchen aus der Welt zuräumen, das immer noch um die Wallfahrtskirche Streicherröhren erzählt wird und ihre Datierung viel zu früh ansetzt.

Als Postler auf Tour

Hans Wrba hat sich von klein auf für Heimatgeschichte und deren Zeugnisse begeistern lassen. So steht es bereits 1966 in seinem Abschlusszeugnis der achten Klasse der Volksschule. „Sein Interesse galt immer der Geschichte, insbesondere der Heimatgeschichte“, hielt sein Klassenlehrer die Begeisterung seines Schülers fest. Der ging dann zur Post, als Landbriefträger. Und zwar dort, wo er aufwuchs – in Chammünster, der Wiege des Landkreises. Und war damals im Job schon für die damaligen Heimatforscher unterwegs, um Altes zu entdecken und den Menschen bei ihren Erzählungen zuzuhören.

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„Auch wenn manches zersiedelt ist – wir haben doch noch mehr tolle, wunderschöne Flecken. Da werde ich nicht müde, darauf hinzuweisen“, sagt er. Und als Tipp für einen Nachfolger, der hoffentlich gefunden wird, rät er, sich nicht zu verstecken und die Finger in die Wunden zu legen, wenn es darauf ankommt, und nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen, wenn es anders ausgeht, als gewünscht.

Aktuelle Fragen der Chamer Heimatpflege

■ Bahnwärterhäuschen: In Cham seien aktuell einige Themen zu klären. Da seien etwa die Bahnarbeiterhäuschen oberhalb des Krankenhauses. Auch, wenn von manchem anders gewollt, lehne hier die Denkmalbehörde eine Einstufung als Denkmal ab, da zu wenig Altes in den Häuschen stecke oder zu viel verändert worden sei.

■ Marktplatz: Das hier nichts weitergehe, Denkmäler verfallen, sei bitter. Beim Denkmalschutz gehe hier nichts vorwärts, viel mehr sei etwa der Ensembleschutz am Rindermarkt aufgehoben worden.

■ Chammünster: Die Sanierung der dortigen Heimatkirche steht an – was sehr schwierig und teuer werde. Zudem wird eine Sanierung und Neunutzung des Hinteredergeländes mit Brau- und Wirtshaus und des gesamten Ortskerns durch die Stadt geplant. Er habe dazu bereits eine Stellungnahme abgegeben. Keines der Gebäude sei auf der Denkmalliste. Er bitte, hier Rücksicht zunehmen, auch wegen des Ensembles nebenan, der Kirche und der Annakapelle. Auch wegen des Gasthauses, das wie das Brauhaus bis 1859 in Kirchenbesitz war, uralt sei und noch romanische Fenster habe. Auch die drei Häuser gegenüber am Berg hoch gehörten zum Altbestand des Dorfes.

■ Weißbierbrauerei: Die Gebäude der ehemaligen Weißbierbrauerei neben dem Biertor machen ihm Sorgen: „Wir müssen aufpassen, dass wir dort nicht den größten Schutthaufen der Oberpfalz bekommen!“ Der Besitzer wollte investieren, doch sei das durch unbewiesene Behauptungen, dort sei das Stadtschloss gestanden, bislang verhindert worden. ck