Trotz schwerer Prognosen: Warum die Unwetter in Bayern weitgehend glimpflich verlaufen sind

Von Annabell Frankenfeld · 5. Juni 2025 um 17:05

Schwere Gewitter, Wind und Hagel waren am Mittwochabend in der Region vorhergesagt. Zwar gab es Vorfälle, größtenteils ist Bayern aber glimpflich davongekommen. Dirk Mewes vom Deutschen Wetterdienst (DWD) erklärt auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern, warum nur vereinzelt schwerere Unwetter auftraten.

Der Experte des Deutschen Wetterdienstes erklärt, dass es sich bei den Ankündigungen zunächst um Vorabinformationen gehandelt hat, die auf das Unwetterpotenzial in größeren Gebiete hinweisen. Auch am Mittwochnachmittag sagte Jürgen Schmidt, Meteorologe bei Wetterkontor, noch schwere Gewitter und starke Böen – vor allem zwischen Schwaben und dem Bayerwald – voraus. Voraussichtlich zwischen 20 und 22 Uhr solle die Gewitterfront im südlichen Oberbayern, also im Chiemgau und Berchtesgadener Land, aber auch in Niederbayern ankommen, sagte Schmidt gegenüber der Mediengruppe Bayern. „Hagel wird von den Wettermodellen ganz klar angezeigt“, warnte er.

In den Landkreisen und Orten, die letztlich betroffen waren, veröffentlichte der DWD schließlich im Laufe des späten Mittwochabends entsprechende Wetterwarnungen. Die ersten Warnungen im Gebiet der Mediengruppe Bayern gegen 19.45 Uhr betrafen unter anderem die Landkreise Landshut, Kelheim und Regensburg.

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„Eine Vorabinformation ist ein Hinweis auf eine Wetterlage mit hohem Unwetterpotenzial“, schreibt der DWD auf seiner Website. Mewes erklärt, dass die Vorabinformationen frühzeitig und für größere Flächen ausgegeben werden. Das bedeutet aber nicht, dass es in dem betroffenen Gebiet flächendeckend zu den möglichen Unwettern kommen wird. Vorabinformationen sollen die Bevölkerung vorab dafür sensibilisieren, dass sich beispielsweise ein schweres Gewitter ereignen könnte.

Wetterwarnungen werden erst kurzfristig herausgegeben

Wetterwarnungen dagegen werden meist erst sehr kurzfristig veröffentlicht – bei Gewittern teils erst zwei Stunden oder gar erst Minuten, bevor es den betroffenen Raum erreicht, erklärt der DWD-Meteorologe. Auch am Mittwoch gab der DWD amtliche Unwetterwarnungen aus, zum Beispiel in den Landkreisen Regen, Dingolfing-Landau, Straubing-Bogen und Landshut.

Die Wetterwarnungen kommen zustande, indem unter anderem die Informationen von Radargeräten ausgewertet werden und diese mittels Algorithmen verarbeitet werden. Auch Berater vor Ort werden hinzugezogen. Unwetterwarnungen betreffen oft nur einzelne Landkreise, während Vorabinformationen größere Regionen abdecken.

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Die Vorabinformationen basieren nicht auf Radarmessungen, sondern auf sogenannten Modell-Vorhersagen. Dabei werden die physikalischen Prozesse in der Atmosphäre nachvollzogen und auf die weitere Wetterentwicklung angewandt. Dafür braucht es so viele Daten wie möglich. Zwar gibt es eine weitestgehend flächendeckende Satellitenmessung und europaweit Radarmessungen, allerdings ist die Überwachung beispielsweise im Bereich des Atlantiks lückenhafter. „Wir haben nicht überall konkrete Informationen über den Zustand der Atmosphäre“, so Mewes. Durch dieses Fehlen von Daten kann es zu fehlerhaften Prognosen kommen.

Vorabwarnungen bei möglichen Unwettern in Regionen

Die Zuverlässigkeit der Vorabinformationen hängt von Eingangsdaten, mit denen gearbeitet wird, sowie von dem verwendeten Modell ab, erklärt der Experte weiter. Dabei arbeitet der DWD mit mehreren Modellen und leicht veränderten Daten. Besteht eine hohe Übereinstimmung der Ergebnisse, so ist auch absehbarer, wie wahrscheinlich eine Wetterlage eintrifft. Entsprechend wurde beispielsweise für Mittwoch eine großflächige Vorabinformation veröffentlicht, da das Potenzial für eine Unwetterlage gesehen wurde.

„Einerseits wollen wir nicht zu viel warnen“, gibt Mewes zu. Andererseits sei es ungünstig, ein schweres Unwetter zu verpassen. Mit Blick auf Mittwochabend ist alles glimpflich ausgegangen. An dem Abend hat mancherorts aber auch Vorfälle gegeben – etwa musste in Memmingen ein Ryanair-Flugzeug wegen Unwetter-Turbulenzen landen oder in Plattling wurden Straßen überschwemmt. Wenn eine Vorabinformation ausgegeben wird, empfiehlt es sich durchaus, sich zu informieren, ob eine amtliche Warnung darauf folgt.