Neumarkter Innenstadt blüht auf – bei den Grünflächen allein soll es nicht bleiben

Wie kann die Neumarkter Innenstadt attraktiv bleiben? Ein Puzzleteil dafür ist es, sie so ansprechend zu gestalten, dass man gerne dort verweilt – seit gut vier Wochen gibt es in Neumarkt Rollrasen, wo zuvor Parkplätze waren und jede Menge Sitzgelegenheiten. Die erste Bilanz der Verantwortlichen fällt gut aus – und weiteres ist geplant.
Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn beobachtet es bei schönem Wetter täglich, wenn er aus seinem Dienstzimmer blickt: „Die Menschen halten sich länger in der Stadt auf. Das ist ein großer Vorteil, ich sehe das als Aufwertung für unsere Altstadt. Es macht richtig Spaß zu sehen, wie die Leute das nutzen.“ Auch auf der Straße werde er regelmäßig von begeisterten Bürgerinnen und Bürgern auf das Grün angesprochen.
In der Stadtverwaltung gingen „unglaublich viele positive Reaktionen“ ein, die aber nicht in einer Statistik geführt würden, heißt es aus der Pressestelle. Nach Auskunft der Experten im städtischen Umweltamt sehe man auch an den Nutzungsspuren im Rasen, dass die Parklets „extrem gut angenommen werden“.

Ein Eindruck, den Citymanger Christian Eisner teilt. In Gesprächen gebe es viel positive Resonanz auf die Neuerungen, sagt er – diese beinhalteten nicht nur lapidare Bekundungen, sondern ein richtiges Aufatmen darüber, dass die Stadt das Thema Aufenthaltsqualität angehe. „Es ist die Gesamtentwicklung, die geschätzt wird.“
Wie wichtig sind Parkplätze für die Neumarkter?
Natürlich gebe es auch Menschen, die eine „andere Gewichtung“ hätten, sagt Eisner und denkt dabei etwa an das Dauerstreitthema Parkplätze. „Wir müssen einen Weg finden, um die Bedürfnisse aller zu befriedigen – also sowohl derer, die gern im Schatten sitzen wollen, als auch die derer, die sehr nah an die Geschäfte ranfahren wollen.“
UPW-Stadtrat und Bäcker Franz Düring hatte nämlich in der letzten Stadtratssitzung beklagt, dass am Unteren Markt sechs Parkplätze weggefallen seien. Dies schade den Geschäftsleuten dort – also denen, die Arbeitsplätze schafften und kostenlos Toiletten anbieten würden. Etwa 15 Meter entfernt hätte man diese Grünflächen ebenfalls erstellen können, ohne Parkplätze zu streichen. Er fühle sich drangsaliert, sagte Düring.
Die Grünflächen seien „nicht leichtfertig“ platziert worden, argumentiert hingegen Eisner. „Ich finde es auch schrecklich, wenn ein Parkplatz wegfällt und es keinen Mehrwert gibt.“ In diesem Fall sei es aber anders. Außerdem gebe es rein quantitativ immer noch eine fast vierstellige Zahl an Parkplätzen für die Innenstadt.
Auch die Stadt verweist darauf, dass neue Parkplätze in der Tiefgarage am Residenzplatz geschaffen worden seien. Beschwerden, weil durch die Parklets Stellplätze weggefallen seien, seien in der Verwaltung nicht eingegangen.

Das Thema mit den Parkplätzen beschäftigt stets auch die Einzelhändler. „Es wird etwas für die Innenstadt getan, das ist gut – aber es werden weniger Parkplätze“, sagt Thomas Wittl. Der künftige Inhaber der Konditorei Wittl plädiert dafür, dass die Parkplätze in der Marktstraße „unbedingt“ erhalten werden. Wenn die Menschen deswegen nicht mehr in die Innenstadt kämen, bringe die ganze Begrünung nichts. Er wünsche sich eine Begrenzung der Begrünung auf Flächen, die sowieso keine Parkplätze seien. Dass etwas getan wird, „das finden wir hervorragend“.
Geschäftsleute hören viel Positives von Kunden
Nina Holzammer von „vom Fass“ findet: „Die Leute müssen wieder in die Innenstädte gezogen werden zum Einkaufen.“ Die Begrünung empfindet sie als gelungen, andererseits wollten die Kunden in der Regel vor dem Laden parken. Aber es sei wichtig, die Innenstadt so attraktiv zu machen, „dass die Leute auch verweilen wollen“. Wichtig sei, für alle Altersgruppen etwas zu bieten.

Karin Bögerl, Inhaberin der Metzgerei Bögerl, hat von ihren Kunden bisher überwiegend Positives über die Parklets und die Begrünung gehört. Auch sie selbst findet die Neuerungen schön. „Ob es was bringt, weiß ich nicht.“ Die Parkplätze fehlen ihr nicht, es gebe die neuen 80 Tiefgaragenplätze für alle, die länger bleiben wollten. Eine komplette Fußgängerzone lehne sie aber ab und auch die Semmeltaste sei wichtig.

Die Stadt will den eingeschlagenen Weg auch künftig beschreiten. „Wir werden sehen müssen, wie wir das in den nächsten Jahren verfestigen“, so Ochsenkühn. Ein Teil dieses Wegs ist der begehbare Spielbrunnen, der im Juli für vier Wochen vor dem Rathausplatz aufgebaut wird. Außerdem soll in Kürze eine weitere Neuerung geschaffen werden: Zwei trapezförmige Sonnensegel am Fischerbrunnen vor dem Rathaus und auf der bisherigen Grünfläche sollen für Schatten sorgen. Mit einer Fläche von je 40 Quadratmetern eigneten sich diese ideal als Wartebereich an den Haltestellen für die Stadtbusse.