Nach 10 Jahren schwebt in Bad Kötzting entscheidendes Stück Kanal an seinen Platz

Es ist geschafft: Mit viel Präzision und fast schon spielerischer Leichtigkeit hebt der Bagger der Baufirma Zankl das gebogene Kanalrohr aus Beton mit seinem Durchmesser von einem Meter in die Baugrube, die vier Meter tief zwischen der Schullerer-Kreuzung und dem Anwesen Staudinger an der Lamerstraße in Bad Kötzting klafft. Noch eine Woche zuvor hatte diese Stelle den Arbeitern so einiges an Kopfzerbrechen bereitet, und das gerade an dieser letzten und entscheidenden Stelle.
Begonnen hatten die Arbeiten, die nun kurz vor ihrem Abschluss stehen und Millionen Euro gekostet haben, bereits vor gut zehn Jahren unter dem Oberbegriff „Entlastungs-Kanal“. So wurden bereits am AQACUR, an der Pfingstreiterstraße und an der Bahnhofstraße größere Maßnahmen umgesetzt. Grundlage waren die Berechnungen der EBB Ingenieursgesellschaft aus Zeitlarn.
160 Meter bis zum Regen
Es ging darum, Gebäude und Flächen, die besonders bei Starkregen-Ereignissen immer wieder in Mitleidenschaft gezogen worden waren, künftig zu schützen. Als letzte größere Maßnahme stand nun noch die sogenannte „Schullerer-Kreuzung“ an der Schnittstelle Lamerstraße und der Staatsstraße 2140 an. Die Kreuzung wurde auch zuletzt immer wieder überflutet.
Nachdem in den vergangenen Wochen rund 160 Meter neue Kanalleitung zusätzlich zur bestehenden durch das Grundstück der Familie Staudinger bis zum Regen an der Jahnhalle verlegt worden waren, erfolgte nun der Anschluss an das bestehende Kanalnetz, das bei der Sanierung der Kreuzung vor einigen Jahren bereits mit verlegt worden war.
Es liegt viel im Untergrund
Arbeiten, die im Detail eben immer wieder Tücken hatten, wie Stadtbauamtsleiter Christian Kopf und Zankl-Oberbauleiter Richard Sixt wissen. Telefon- und Stromleitungen, bestehende Kanäle und Gasleitungen – das alles seien Dinge, auf die bei Arbeiten in diesen Tiefen besonders zu achten sei. Mit dem Anschluss an das bestehende Netz seien die schwierigsten Etappen nun aber gemeistert, wissen die beiden.
Die größten von der EBB empfohlenen Maßnahmen seien damit abgeschlossen. In den kommenden Wochen nach Pfingsten werde aber noch weiter gebaut, so etwa in Richtung Reitenstein. Und auch an der Lamerstraße werde es noch zu Sperrungen kommen im Verlauf des Jahres. Außerdem nutzt die Stadt die Gelegenheit und verlegt von Beckendorf aus eine Leitung in Richtung Innenstadt (siehe Info).
Doch im Großen und Ganzen seien die Arbeiten am Entlastungs-Kanal damit abschlossen, die die Stadt in Summe nicht weniger als vier Millionen Euro im vergangenen Jahrzehnt gekostet hat, wie Kopf schätzt. Viel Geld, das im Untergrund „vergraben“ wurde, von dem niemand mehr etwas sehen wird. Das aber für viele Hochwasser-Geplagte und die Stadt insgesamt sehr gut angelegt sei.
Arbeiten dauern noch bis in den Herbst
■ Schullerer-Kreuzung: Mit dem Abschluss der Arbeiten sollte eine überschwemmte Kreuzung der Vergangenheit angehören – allerdings gibt es bis Jahresende noch weitere kleinere Arbeiten.
■ Reitensteinerstraße: So wird die Straße hinauf nach Reitenberg nach Pfingsten für bis zu vier Wochen ab der Abzweigung Schullerer-Kreuzung gesperrt werden. Hier stehen noch weitere notwendige Arbeiten am Kanalnetz in diesem Bereich an.
■ Lamerstraße: In den Sommerferien – um den Schulbusverkehr nicht zu behindern – wird die Wasserleitung der ehemaligen Trinkwasserquelle in Beckendorf (die qualitativ ohne Beanstandung ist, aber in keinem Schutzgebiet liegt) zum AQACUR verlegt, um hier die Becken zu befüllen. Dabei wird die Straße auch saniert. wf