Bayerischer Wald: Von der Problemregion zur Aufsteigerdestination

Von Alexander Frimberger · 4. Juni 2025 um 11:00

Das werden alle rund 200 Teilnehmer des 16. Tourismustages Bayerischer Wald gern gehört haben: „Der Bayerische Wald hat sich von der Problemregion zur Aufsteigerdestination gemausert.“

Kein Geringerer als Dr. Michael Braun, Vorstand des Tourismusverband Ostbayern, rief die Worte den Delegierten von der Bühne aus zu. Das sei auch schon anderen Destinationen aufgefallen, die sich nach dem Erfolgsrezept erkundigen würden. In seinem Vortrag ging er auf die Hintergründe ein. Startpunkt war eine Zäsur im Jahr 2007. Damals standen alle, die mit Tourismus beschäftigt waren, mit dem Rücken zur Wand. In der Euphorie der Wende waren Bettenburgen entstanden, die nach dem ersten Hype, mehr und mehr leer gestanden haben, die Auslastung sank auf unter 25 Prozent.

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Kein Kirchturmdenken mehr

Der Bayerische Wald hatte ein schlechtes Image. „Hier fährst du hin, wenn du Urlaub machen willst und kein Geld hast“, erinnert sich Braun. Es herrschte Kirchturmdenken, jede Gemeinde machte nur für sich Werbung. Braun erinnerte an eine, wie er sagte, „legendäre“ Sitzung in Deggendorf, in der von allen Seiten beschlossen wurde, einen neuen Weg der Zusammenarbeit einzuschlagen. Der Erfolg der Anstrengungen der letzten 15 Jahre ist laut Braun nicht ausgeblieben. Die Auslastung liegt inzwischen bei fast 40 Prozent, die Zahl der Ankünfte pro Jahr wurde um mehr als 325 000 auf 1 852 872 erhöht und auch das Preisniveau konnte gesteigert werden. Es gibt einen großen Anteil an Spitzenbetrieben, die viel investiert haben. Auch eines der Erfolgsgeheimnisse. Die Investitionen wurden nicht von Hotelketten sondern von Familienbetrieben unternommen. Inzwischen ist auch die Sternegastronomie von keiner vorher auf insgesamt acht gestiegen.

Qualität muss auch in den Augen von Landrat Franz Löffler ein Hauptaugenmerk für den Tourismus der Zukunft sein. Der Einzelne werde sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen überlegen müssen, wo er noch Geld ausgibt. „Die Phase wird kommen.“ Das bedeute, auch im Tourismus müssen die richtigen Weichen gestellt werden. „Billiger Tourismus wird es nicht mehr werden, die Menschen achten auf Wertigkeit.“ Deshalb müsse auf Höhe der Zeit gehandelt und in Qualität investiert werden.

Wir haben viel erreicht aber wir dürfen nicht stehen bleiben, es wird in Zukunft schwieriger, und wir müssen vielleicht noch mehr um Gäste kämpfen.

Dr. Michael Braun, Vorstand Tourismusverband Ostbayern

Über die Sinnhaftigkeit von Kooperationen bestand bei der Tagung Einigkeit. „Der Gast kennt keine Grenzen und einzelne Kommunen, er sieht die ganze Region“, bekräftigte zum Beispiel Furths Bürgermeister Sandro Bauer. Einen deutlichen Sprung nach vorne hat auch das Image des Bayerischen Waldes gemacht. Früher als Armenhaus verschrien, kennen laut Braun inzwischen 82 Prozent der Befragten den Bayerischen Wald, der unter den Top 10 der Deutschen Urlaubsgebiete liegt. Im Ranking der 39 Mittelgebirgslandschaften belegt die Region Platz vier hinter Destinationen wie Allgäu und Schwarzwald.

Neues Bayerwald-Logo

Weiter am Erfolg schraubt man natürlich auch im Bereich des Marketings. Leiterin Daniela Schilling stellte das neue Logo für den Bayerischen Wald vor, das die Marke in Zukunft noch stärker stützen soll. Es vereinigt in seinem Erscheinungsbild alles, was den Bayerwald repräsentiert: Baum und Natur, Berge, die Raute für Heimat und Tradition, die Sonne und das Wasser. Auf der Freizeitmesse free in München eingeführt, wird es bereits vielfach eingesetzt.

Alle bisherigen Anstrengungen haben auch dazu geführt, dass man in allen selbst gestellten Themen einen der ersten drei Plätze belegt. Dazu gehören: Nachhaltigkeit, Wandern, Mountainbike, Wellness und Familienurlaub. Außerdem wurden Leuchttürme, wie die Goldsteig-Wanderwege, etabliert, die die ganze Region voranbringen. „Wir haben viel erreicht aber wir dürfen nicht stehen bleiben, es wird in Zukunft schwieriger, und wir müssen vielleicht noch mehr um Gäste kämpfen.“