Kallmünz ringt um Platz für die Ganztagsschule

Von Andrea Leopold · 3. Juni 2025 um 19:00

Das Gesetz zur ganztägigen Förderung von Kindern im Grundschulalter regelt die stufenweise Einführung von Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in Deutschland. Dieser Anspruch wird ab dem Schuljahr 2026/27 eingeführt, zunächst für Erstklässler, bis zum Schuljahr 2029/30 für alle Kinder der Klassenstufen 1 bis 4. Das hat auch folgen für Kallmünz.

Schulverbandsvorsitzender Thomas Eichenseher informierte den Marktrat in seiner letzten Sitzung über den Planungsstand im Hinblick auf fehlende Räume und ein Verbleiben der Marktbibliothek.

Ein Klassenzimmer zu wenig

Im neuen Schuljahr 2025/2026 gibt es erstmals wieder die Jahrgänge fünf bis neun der Mittelschule. Eichenseher konstatierte: „Nach derzeitigem Stand fehlt also mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Klassenzimmer.“ Nun gibt es verschiedene Lösungen für den Platzmangel. Da die Bibliothek augenblicklich zwei Räume belegt, könnte diese westlich des Schulgebäudes als Anbau Richtung Sebastianberg ausgelagert werden. Die Ausführung wäre in Modulbauweise möglich, es ist keine Bodenplatte erforderlich. Es müsste ein frei stehendes Gebäude sein – das erfordert der Brandschutz. Voraussichtlich gibt es bei Bestellung etwa 16 Wochen Lieferzeit. Es könnten 140 Quadratmeter Fläche für die Bibliothek dort entstehen. Die Kosten liegen je nach Modulausstattung zwischen 250 000 Euro und 300 000 Euro. Der Markt Kallmünz müsste die Kosten der Bibliothek aufteilen – 75 Prozent trüge der Markt Kallmünz und 25 Prozent der Schulverband.

Im Gespräch war auch die Auslagerung in das ehemalige Raiffeisenlagerhaus. Die Fläche wäre kurzfristig verfügbar. Stellbereiche seien nach Abgleich mit der Bestandslösung mehr als ausreichend vorhanden. Eichenseher sagte: „Man würde Schul- und Marktbibliothek dort unterbringen, es ist groß genug.“ Laut Fachauskunft entspricht der Standort den aktuellen Anforderungen. Das Mietpreisangebot entsprach aber wohl nicht den Vorstellungen des Marktes.

Eine weitere Option ist die Auslagerung auf den neuen Essensbereich an der Schule, indem man einen Stock für die Bibliothek oben draufstellt. Es wären nur ergänzende Module notwendig , die Barrierefreiheit bleibe allerdings unklar. Die Kosten dafür belaufen sich je nach Modulausstattung auf rund 200 000 Euro. Als letzte Option stellte der Referent eine vorübergehende Aufstellung externer Container in den Raum, die Bibliothek könnte dann bleiben. Die Ausführung würde in Modulbauweise erfolgen, es sei keine Bodenplatte erforderlich. Der Zugang zum Hauptgebäude sei problematisch. Nach Bestellung ist eine Lieferzeit von zehn bis 16 Wochen angesetzt. Die Mietkosten lägen geschätzt bei 1500 bis 2500 Euro monatlich. Der Nachteil: Die Kosten muss der Markt zu 100 Prozent tragen.

Essensbereich erforderlich

Eichenseher berichtete überdies, dass für eine förderfähige Essensausgabe für 173 Kinder in einer Schicht, inklusive normgerechter Aufwärmküche, 240 Quadratmeter notwendig seien. „Für die Erfüllung des Rechtsanspruches ist der Anbau eines Essenbereiches zwingend erforderlich. Bisher haben wir noch gar nix. Aus finanzieller Sicht ist deshalb ein Neubau zu empfehlen.“ Dieser würde von Bund und Land gefördert mit 6000 Euro pro Platz und 1500 Euro pro Ausstattung. Maximal werden demnach 90 Prozent der tatsächlichen Kosten gefördert.

Im weiteren Vorgehen wird es nun ein Abstimmungsgespräch mit Schulamt und der Regierung der Oberpfalz geben. Es bedarf eines Grundsatzbeschlusses des Schulverbands, ein Planungsauftrag muss an ein Ingenieurbüro vergeben, die Lösung für die Bibliothek zeitnah gefunden werden.

Noch zwei Jahre Zeit

Die gute Nachricht von Eichenseher war: Es gibt eine Fristverlängerung seitens des Bundes zum Ausbau der Ganztagsschule. „Wir haben zwei Jahre Zeit gewonnen.“ Das Gremium beschloss einstimmig, dass Bürgermeister Schmid zeitnah ein Gespräch mit dem Schulverband und der Rektorin führen solle, um die Marktbibliothek am Standort zu behalten. Ebenso sichert der Marktrat dem Schulverband die Kostenübernahme bei der Aufstellung eines Modules zu, alternativ die Prüfung der Anmietung von Räumlichkeiten zur Unterbringung der Bibliothek.

Herausfordernde Schülerzahlen

• Anstieg: Die Schülerzahl in Kallmünz stieg von 120 Schülern im Jahr 2020 auf 150 in 2025. Die Gesamtschülerzahl des Schulverbandes legte von 238 Schüler auf 289 zu. Aktuell sind es 301 Schüler.

• Planung: Laut dem Vorsitzenden gibt es bei einer 100 -prozentigen Übertrittsquote in Wolfsegg wieder einige Rückkehrer. Auch sind im Kinderheim zum Meldezeitpunkt weniger Kinder angegeben, die Zahl wächst aber im Laufe des Schuljahres.

• 2026/27 besteht das Risiko, dass die zweiten Klassen dreizügig bleiben. Bei so großen Klassen bleibt eine Teilung abzuwarten. „So große erste Klassen sind pädagogisch nicht sinnvoll“, sagt Thomas Eichenseher.