Schluss mit nachhaltig? Klinikum Neumarkt will keinen jährlichen Bericht mehr vorlegen

Von Peter Romir · 27. Mai 2025 um 15:00

Ist es sinnvoller Bürokratieabbau oder eine Aktion gegen die Nachhaltigkeit? Diese Frage beschäftigte den Kreistag, als das Klinikum Neumarkt darum bat, künftig keine Nachhaltigkeitsberichte mehr anzufertigen zu müssen.

Der Hintergrund: Als Kommunalunternehmen ist das Klinikum Neumarkt verpflichtet, jedes Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht vorzulegen, der detailliert beschreibt, wie sich um die Schonung von Ressourcen gekümmert wird.

„Das ist ein riesiger Aufwand“, sagt Kliniksprecher Oliver Schwindl. Jedes Jahr würden viele hundert Seiten Bericht anfallen – und Kosten in mittlerer fünfstelliger Höhe. Diese würde das Klinikum gerne einsparen. „Es bedeutet aber nicht, dass wir nicht mehr nachhaltig arbeiten wollen, im Gegenteil!“, sagt Schwindl.

Bei der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen sorgte das für Stirnrunzeln: „Wie wollen sie dann die Nachhaltigkeit gewährleisten?“, wollte Kreisrat Stefan Haas wissen. Schwindl erklärte daraufhin, dass das Klinikum gerade dabei sei, sich im Punkt Nachhaltigkeit zertifizieren zu lassen. „Das ist ein wirksames Instrument, das auch in Zukunft gelten wird.“ Auch bei den Neubauten in Parsberg würde nach den höchsten Standards gearbeitet. All diese Vorgaben würden weiter gelten – es entfalle nur der Aufwand für den jährlichen Bericht.

EU-Vorschrift zur Nachhaltigkeit: Bayern geht eigene Wege

Er beruft sich dabei auf eine Entscheidung des Bayerischen Landtages von 2024, die es erlaubt, kommunale Unternehmen von der EU-Vorschrift auszunehmen.

Die meisten Kreisräte ließen sich von dieser Argumentation überzeugen und stimmten für eine Satzungsänderung, so dass es dem Klinikum künftig erlaubt sein wird, ohne den Bericht auszukommen.

Die einzige Gegenstimme kam von Grünen-Kreisrätin Sigrid Steinbauer-Erler: „Ich vertraue dem aktuellen Team des Klinikums, dass sie ihre Sache gut machen“, begründet sie ihre Entscheidung. „Aber man weiß ja nicht, wer da in den kommenden Jahren das Sagen hat und wie viel Wert dann auf Nachhaltigkeit gelegt wird.“