Der neue Hoffnungsträger: So will Trainer Michael Wimmer den Jahn wieder in die Erfolgsspur führen

Von Felix Kronawitter · 26. Mai 2025 um 16:09

Lediglich eine Dreiviertelstunde hat er nach eigenen Angaben gebraucht, um von daheim zu seiner neuen Arbeitsstätte im Jahnstadion Regensburg zu kommen. „Ich freue mich tierisch auf die Aufgabe jetzt“, sagte Michael Wimmer bei seiner offiziellen Vorstellung am Montag.

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Das hätte der 44-Jährige gar nicht so deutlich aussprechen müssen, es war ihm sowieso anzusehen. Bei seinem ersten offiziellen Auftritt gab der Dingolfinger, der aus der schottischen Stahlstadt Motherwell kommt, den Strahlemann – und Einblick, wie er den Jahn nach dem Abstieg wieder in die Erfolgsspur führen will.

Ich freue mich tierisch auf die Aufgabe jetzt.

Michael Wimmer

Sport-Geschäftsführer Achim Beierlorzer erklärte, dass es auch aus energetischer Sicht wichtig sei, trainertechnisch in der 3. Liga einen Neuanfang zu starten. Andreas Patz ist weg, Munier Raychouni, der nach dem überraschenden vorzeitigen Abschied von Patz als Interimschef eingesprungen war, kehrt als Co-Trainer in die zweite Reihe zurück. Mit Simon Hecht steigt ein Athletiktrainer aus den eigenen Reihen auf. Christoph Rezler verabschiedet sich.

Lesen Sie hier: Einen Kommentar von Felix Kronawitter zum neuen Coach

Schon früher angebandelt mit Wimmer

Wimmer und der Jahn – diese Beziehung hätte auch schon früher starten können. „Als wir uns im Oktober leider Gottes von Joe trennen mussten, habe ich auch schon mit Michael telefoniert, weil da stand ja auch im Raum, eine externe Lösung zu suchen oder bei einer internen Lösung zu bleiben, für die wir uns ja dann auch entschieden haben. Und deshalb ist dieser Kontakt dann jetzt auch wieder aufgelebt“, verriet Beierlorzer, den es zudem freut, dass Wimmer aus der Region kommt. Der Sportchef unterstrich, dass er unbedingt auch einen Trainer wollte, der bereits Erfahrung in den ersten drei Ligen vorzuweisen hat.

Beierlorzer kennt Wimmer schon länger. Einst standen sie sich bei fränkischen Derbys mit der U17 Fürths und des 1. FC Nürnberg gegenüber. Nun arbeiten sie zusammen. Der Jahn hat Wimmer aus Schottland losgeeist. Zu einer offenbar verschmerzbaren Ablösesumme. „Also jeder, der den SSV Jahn Regensburg kennt, weiß, dass es möglich war. Ansonsten hätten wir es nicht gemacht“, erklärte Beierlorzer.

Wimmers Zeit beim Erstligisten endete nach lediglich zwölf Spielen. „Ich habe aus sportlicher Sicht eine super Zeit gehabt in Schottland. Wir haben vier Spiele vor Schluss den Klassenerhalt gefeiert und sogar bei den Rangers im Ibrox gewonnen. Also wirklich sportlich top“, blickte der 44-Jährige zurück. „Aber neben dem Sport gibt es auch eine andere Facette und das ist die Familie. Und die Familie ist bei mir an oberster Stelle. Es hat sich so entwickelt, dass wir gesagt haben, dass ich gerne wieder zurück nach Deutschland würde, am besten heimatnah. Dass es so heimatnah ist, das ist natürlich Weltklasse. Heimatnaher geht es nicht.“

Wimmer war am Montag nicht zum ersten Mal im Jahnstadion. In der vergangenen Zweitliga-Saison war der Niederbayer, der über Stuttgart, Wien und Motherwell den Weg nach Regensburg fand, mehrmals dort zu Gast. Gefragt nach seinen Eindrücken wiegelt er aber galant ab. „Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir nicht nach hinten schauen, sondern dass wir nach vorne schauen, dass wir mit Energie und mit Positivität nach vorne gehen“, fordert Wimmer.

Ein Ostbayer für Ostbayern

Der neue Coach kennt auch das alte Jahnstadion noch, wo er früher bereits den SSV erfolgte. „Es ist eine Riesen-Ehre für mich, hier Trainer sein zu dürfen.“ Beierlorzer merkte zudem mit einem Schmunzeln an: „Ein Ostbayer für Ostbayern, das klingt eigentlich auch gar nicht schlecht.“

Die gute Laune in Regensburg soll länger anhalten. Dafür braucht es aber Ergebnisse auf dem Platz. Wimmer skizzierte, mit welchem Spielstil er die einfahren will. „Ich will ein mutiges, intensives und aktives Spiel. Ich will, dass wir den Gegner stressen. Was mir natürlich auch wichtig ist, ist, im eigenen Ballbesitz intensiv zu spielen, auch im eigenen Ballbesitz Spiele dominieren zu können und mutig aktiv zu sein, einfach eine Klarheit im Spiel zu haben, in allen vier Phasen. Dass es klar ist: Wann wollen wir angreifen, wann wollen wir pressen, und dass wir alles zusammen machen. Dass wir eine Kompaktheit haben auf dem Platz, eine Kompaktheit haben neben dem Platz.“ Das Motto: „Unsere Identität soll unsere Intensität sein“. Für die Umsetzung werden bald viele neue Spieler zuständig sein. Wimmer ist bereits voll eingebunden in die Zusammenstellung des Kaders.

Ein Ostbayer für Ostbayern, das klingt eigentlich auch gar nicht schlecht.

Achim Beierlorzer

Viel Arbeit! Nach getaner Arbeit geht es für Wimmer dann auf die 45-minütige Heimfahrt nach Dingolfing. „Die Familie ist überglücklich“, berichtete der Heimkehrer. „Als am Freitag alles über die Bühne gegangen ist, ja, der Gesichtsausdruck meines Sohnes, das ist mit nichts mehr zu vergleichen. Das hat mir gezeigt, dass es perfekt war, die richtige Entscheidung war.“