Die Regensburger SPD kürt ihren OB-Kandidaten: Burger triumphiert

Von Juliana Ried · 25. Mai 2025 um 19:00

Am Schluss bekam Thomas Burger den roten Plüschhund. Die amtierende SPD-Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer hatte ihn als Maskottchen mitgebracht für den künftigen OB-Kandidaten der Partei – unabhängig davon, wer es werde, wie sie betonte. Es wurde Thomas Burger (54).

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Die Delegierten sprachen sich am Sonntag im Gewerkschaftshaus mit einer deutlichen Mehrheit von 22 zu zwölf Stimmen für den Chef der SPD-Fraktion im Stadtrat aus und stellten sich damit gegen die Empfehlung ihres Parteivorstands, der für Thomas Rudner (63) votiert hatte.

Burger ist Physiker und arbeitet bei der von Schaeffler übernommenen Firma Vitesco als Manager im Bereich Elektromobilität. Er betonte seine Erfahrung in der Kommunalpolitik nach vier Perioden im Stadtrat sowie im Ehrenamt, im Stadtjugendring, der Freiwilligen Feuerwehr und als Präsident der SG Post Süd. Er habe „tiefe Einblicke in die Stadtverwaltung“ und verfüge über ein „dichtes Netzwerk an persönlichen Beziehungen“.

Als Schwerpunkte nannte Burger Soziales, Wohnen, Umwelt, Klima und Mobilität, Wirtschaft und Innovationen sowie Bildung. Die Kommune müsse mehr Wohnungen bauen beziehungsweise möglich machen. „Beim ÖPNV müssen wir auf das nächste Level kommen“, sagte er. „Wenn die Menschen umsteigen sollen, tun sie es, wenn es funktioniert, und nicht, weil sie keinen Parkplatz finden.“ Die Regensburger Innenstadt müsse dringend befreit werden vom motorisierten Individualverkehr. Als Ziel gab Burger eine zweistellige Zahl von SPD-Stadträten aus – derzeit sind sie zu sechst – und eine „Mehrheit für eine progressive Politik“ ohne rückwärtsgewandte Kräfte.

Rudner: Frischer Blick ist besser als Routine

Der Politologe und Sozialbetriebswirt Rudner ist als Geschäftsführer des Studienzentrums Max-Mannheimer-Haus tätig. Was politische Inhalte angehe, lägen er und Burger „nicht so weit auseinander“, sagte er, und unterstrich vor allem, dass auch kommunalpolitische Quereinsteiger für die SPD Oberbürgermeister-Posten holen könnten, so passiert in Memmingen, Wiesbaden, Calw, Braunschweig und Heidenheim.

Die Bürger schätzen frische Perspektiven oft mehr als politische Routine. Denn manchmal braucht es gerade den Blick von außen, um eingefahrene Strukturen aufzubrechen und neue Wege zu gehen.

Thomas Rudner, bei seiner Bewerbung um die OB-Kandidatur der SPD

Erfahrung sei wichtig, aber die müsse nicht im Stadtrat gesammelt worden sein. Er habe sein Leben lang politisch gearbeitet, ob als Klassensprecher oder im Europaparlament. „Die Bürger schätzen frische Perspektiven oft mehr als politische Routine. Denn manchmal braucht es gerade den Blick von außen, um eingefahrene Strukturen aufzubrechen und neue Wege zu gehen.“ Beim Wohnen seien neue Konzepte nötig, etwa Baugemeinschaften, Mehrgenerationenwohnen und integrative Quartiere, manchmal müsse auch höher gebaut werden. Die grüne Transformation der Industrie müsse die Stadt mitgestalten. Nötig sei eine Stadtbahn, die auch das Umland anbinde. „Wenn wir nichts ändern, wird Regensburg im Verkehr ersticken.“

Auch der Parteivorstand war in der Kandidatenfrage gespalten

Vor der Abstimmung hatten mehrere Redner versucht, die Risse zu kitten, zu denen die Kandidatenkür in der Partei geführt hatte. Der Tenor: In der Vielfalt liege die Stärke der SPD, so formulierte es Stadtverbandschefin Claudia Neumaier.

Alles über die Entscheidung können Sie im Liveblog nachlesen: Entscheidung gefallen: Regensburger SPD hat ihren OB-Kandidaten gewählt

„Wir haben das Glück, zwischen sehr guten und kompetenten Kandidaten wählen zu dürfen“, so Neumaier. Wer ihr Favorit war, sagte sie nach der Wahl: Burger. Auch die Vorstandschaft war gespalten, mit 14 zu zwölf Stimmen hatte sie für Rudner votiert. Stadtverbandschef Raphael Birnstiel nannte die Wahl eine „Luxussituation“ und warb für Rudner. Es gehe darum, ob die Delegierten ein „Weiter-so“ wollten oder einen neuen Aufbruch für Partei und Stadt. Wer sich in der europäischen Bürokratie so behaupte wie Rudner, dem traue er auch die Führung einer Stadtverwaltung zu. „Er steht nicht für alte Konflikte und belastende Koalitionen. Er bringt Erfahrung mit und ist gleichzeitig ein Neuanfang.“ Ein dritter Kandidat, Joseph Reithmair, bekam null Stimmen.

Rudner sagte nach seiner Niederlage, er sei „nicht am Boden zerstört“. „Das war eine demokratische Wahl. Und das ist das Ergebnis. Das Deutliche hat mich ein bisschen überrascht.“ Burger sagte: „Ich freue mich sehr. Weil es eindeutig ist, aber auch eine gewisse Balance zeigt, die widerspiegelt, dass wir zwei starke Kandidaten hatten.“ OB Maltz-Schwarzfischer zeigte sich „absolut zuversichtlich, dass es uns auch noch gelingt, die letzten Gräben zuzuschütten und uns gemeinsam hinter unserem Kandidaten zu versammeln“. Das habe Burger „natürlich verdient“. „Er ist mit Sicherheit der richtige Kandidat, weil er eine lange Erfahrung mitbringt in der Kommunalpolitik, aber auch, weil er extrem gut vernetzt ist in der Regensburger Stadtgesellschaft.“