Fast wie im echten Leben: Neumarkter Jugendliche werden zu Helden in der Kommunalpolitik

Von Katrin Böhm · 22. Mai 2025 um 05:00

„In Wirklichkeit ist es manchmal viel langweiliger.“ Ludwig Härteis hat als Fraktionsvorsitzender der ÖDP schon viele Sitzungen des Kreistags erlebt. Davon, wie sich Schülerinnen und Schüler zweier achten Klassen des Ostendorfer Gymnasiums am Mittwoch beim Planspiel Kommunalpolitik schlugen, zeigte nicht nur er sich beeindruckt.

In fiktiven Parteien, die eher an Charaktere in Konsolenspielen erinnerten, debattierten sie, tauschten Argumente aus, hörten zu und stimmten ab – die Sitzung leitete SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Lippmann als stellvertretender Landrat. Er führte die Jugendlichen im Kreistagssaal durch die Tagesordnung, fasste immer wieder zusammen, brachte ganz unterschwellig alle auf den gleichen Wissensstand und formulierte Abstimmungsvorschläge und Aufträge an die Verwaltung.

Diskussion um Ausbau des ÖPNV

Eines der beiden Themen, mit denen sich die Achtklässlerinnen und Achtklässler beschäftigten, war der ÖPNV. Soll er ausgebaut werden – und falls ja, wie und wo? Theoretisch spielt „Heros on tour“ zwar in einer fiktiven Stadt, Bezüge zu Neumarkt waren aber unverkennbar. Und so erklärte CSU-Fraktionsvorsitzender Alois Scherer: „Vieles spiegelt wider, was notwendig ist. Ich nehme einige Gedanken mit.“

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich darauf geeinigt, bei künftigen Ausschreibungen auf E-Busse zu achten und dass innerstädtisch ein Takt von dreimal pro Stunde eingehalten werden soll. Außerdem soll über eine leicht verständliche App der Bus bestellt werden können, damit dieser nicht ständig alle Haltestellen abfahren muss. Ergänzt werden könnte das System über Anrufe. Außerdem sollten für Schüler und Studierende besonders attraktive Preise gestaltet werden. Die Verwaltung wurde damit beauftragt, herauszufinden, wie viele Schüler im Landkreis noch kein 365-Euro-Ticket zur Verfügung gestellt bekommen und wie viel es kosten würde, alle damit auszustatten.

Finja Hoffmann (links) und Adela Galova nahmen für die "Tradition Keepers" am Planspiel teil. - Foto: Katrin Böhm

In einem zweiten Punkt wurde eine mögliche Partnerschaft des Landkreises mit einer Krisenregion behandelt – dabei erfuhren die Schülerinnen und Schüler schnell selbst, wie komplex ein politisches Thema sein kann und dass sich manches nicht an einem Tag regeln lässt – es wurde auf eine fiktive nächste Sitzung verschoben.

Neumarkter Kreisräte begleiten Jugendliche

Begleitet wurden die Jugendlichen in ihren Fraktionen von erfahrenen Kreisräten – neben Härteis, Scherer und Lippmann unterstützten der UPW-Fraktionsvorsitzende Thomas Thumann und Grünen-Fraktionsvorsitzender Stefan Haas. Thumann zeigte sich „positiv erstaunt über die Qualität der Argumente“ und Haas ermunterte die Jugendlichen, selbst politisch aktiv zu werden. Jede der vertretenen Parteien habe ihre Jugendorganisationen.

Für viele Jugendliche sei Kommunalpolitik bisher eine Art „Black Box“ gewesen, sagte Matthias Worrich, Lehrer am Ostendorfer. Durch das Planspiel hätten sie erlebt, dass daran nichts geheim oder magisch sei, sondern dass Politik und gerade Kommunalpolitik alle angehe.

Und die Jugendlichen selbst? Fanden die Aktion super – auch wenn es manchmal etwas langweilig gewesen sei, den vielen Redebeiträgen zuzuhören, wie eine Schülerin sagte. Eben wie im echten Leben.

Das Planspiel „Heroes on tour“

• Entwicklung: Entwickelt hat das Planspiel „Heroes on tour“ der Kreisjugendring Neumarkt, das Konzept wurde vom Sozialministerium besonders gewürdigt, wie sich KJR-Geschäftsführer Markus Ott freut. Ziel ist es nicht nur, jungen Menschen Kommunalpolitik nahezubringen, sondern auch das Verständnis für die Wichtigkeit von Demokratie zu schärfen. Kommunalpolitiker begleiten das Spiel.

• Infos: Beim Unesco-Projekttag des Ostendorfer Gymnasiums wurde das Planspiel zum fünften Mal umgesetzt – viele weitere Anfragen laufen, mittlerweile melden sich aus den Nachbarlandkreisen interessierte Schulen, so Ott. Ziel des KJR sei es allerdings, erst einmal Schulen im Landkreis zu bedienen. Weitere Infos: kjr-neumarkt.de/aktionen/demokratie, Telefon (0 91 81) 4 70-13 10, info@kjr-neumarkt.de.