Kreisjugendring Neumarkt will mit neuen Projekten die Begeisterung für Demokratie wecken

Ist die Demokratie in Gefahr? Für Stefanie Meier, Vorsitzende des Kreisjugendrings (KJR), waren die jüngsten Erfolge rechter Parteien ein „Schlag in die Magengrube“ – aber auch Motivation: „Wir werden uns wehren. Wir haben ein wunderbares Team und wir haben Ressourcen!“
Die politische Bildung gehört traditionell zu den Aufgaben des KJR: „Wir wollen Jugendlichen ermöglichen, Zusammenhänge zu erkennen und eigenständige Entscheidungen zu treffen.“
In diesem Jahr bekam der KJR in seiner Arbeit unerwartete Unterstützung: Der Freistaat gewährte allen 103 Gruppierungen des Bayerischen Jugendrings ein spezielles Demokratiebudget, das für politische Bildung verwendet werden kann. Bei dem Geld handelt es sich ursprünglich um Corona-Mittel des Bundes, die nun neu genutzt werden dürfen.
Kurze Planungsphase
„Da wurde lange in den Ministerien diskutiert“, verrät KJR-Geschäftsführer Markus Ott. „Und erst Mitte des Jahres erhielten wir Bescheid, dass tatsächlich jeder Kreisjugendring 22.000 Euro erhält.“ Die Sache hat aber einen Haken: Bis November muss das Geld bereits ausgegeben und die Rechnungen gestellt sein. Für die Vorbereitung bleibt also wenig Zeit. Deshalb aktivierte der KJR sein Netzwerk, um Mitarbeiter für eine Planungsgruppe zu finden. Und alle kamen: Vom Jungen Beirat der Bürgerstiftung über Vertreter von Parteien und Kirchen bis hin zum Obst- und Gartenbauverein. Auch die Tischtennisabteilung des SCPollanten ist dabei: „Wir stehen nicht nur für Sport, sondern auch für Allgemeinbildung und Demokratie“, sagt Abteilungsleiter Harald Schwarz.
Planspiel und Polenreise
Schnell wurde der Planungsgruppe klar, dass die 22.000 Euro nicht für alle Ideen reichen würden. „Deshalb haben wir beim Ministerium nachgefragt, ob wirklich alle Jugendringe ihr Budget abgerufen haben – oder ob noch etwas übrig ist“, erzählt Ott. Und tatsächlich war noch etwas über, so dass die Neumarkter schließlich auf insgesamt 40.000 Euro kamen. Im den letzten zwei Monaten wurden damit vier Aktionen entwickelt: Ein Planspiel Kommunalpolitik, eine Reise nach Osteuropa, ein Musikfestival im G6 und ein Social-Media-Workshop. Bei der Stadt Neumarkt stießen die Ideen auf offene Ohren: So wird das Planspiel, bei dem Jugendliche in die Rolle von Stadträten schlüpfen, im Rathaus stattfinden und echte Stadträte werden als Berater dabei sein. Für das Musikfestival „Love beats hate“ am 9. November wird das Gelände des Jugendhauses G6 bereitgestellt.
Konzert mit Tripkid und Melonball
„Es ist uns wichtig, unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen“, sagt Meier. Während das Planspiel relativ anspruchsvoll sei, ist das Musikfestival bewusst niedrigschwellig: „Es wird keinen Eintritt kosten und auch die Essens-Angebote werden günstiger sein als sonst“, sagt Anke Auer vom G6. Auftreten werden Bands wie Tripkid und Melonball, die sich für Demokratie stark machen. Begleitet wird das Festival von einem Graffiti-Workshop. „Damit wollen wir zeigen, dass Demokratie auch Spaß machen kann“, so Auer.
Coole Namen sind nötig
Eines wurde der Planungsgruppe schnell klar: „Um Jugendliche anzusprechen, brauchen die Aktionen coole Namen“, so Ott. „Bei einer Bildungsfahrt nach Auschwitz meldet sich niemand an.“ So wurde daraus der „Road Trip Polen“. Das Planspiel zur Kommunalpolitik wurde „Urban Heroes“ getauft. Es wird zum ersten Mal am 24. Oktober mit Schülern der Mittelschule West durchgeführt und soll dann in den kommenden Jahren wiederholt werden. „Uns geht es auch darum, Aktionen zu machen, die langfristig wirksam sind“, sagt Meier. „Wir werden eine Welle starten, die noch lange im Landkreis spürbar ist.“
Kulturkampf auf Social Media
Einen wichtigen Raum nimmt deshalb die Auseinandersetzung mit sozialen Medien ein: „Hier haben die neuen Rechten einen großen Vorsprung, den es aufzuholen gilt“, sagt Johanna Nisselbeck vom Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte. Während die anderen Parteien lange an informativen Beiträgen, genau zugeschnitten auf den jeweiligen Kanal arbeiteten, würde die AfD auf pure Masse minderwertigen Inhalts setzen, der von einer wachsenden Zahl von Anhängern weiterverbreitet wird.
Demokratie lernen im Verein
„Das erzeugt das Gefühl, zu einer Gemeinschaft zu gehören, was für Jugendliche sehr wichtig ist“, sagt Jochen Hirschmann vom KJR. Um diese Jugendlichen vom rechten Rand zurück zu holen, setzen die Mitglieder des Arbeitskreises ebenfalls auf gute Gemeinschaft: „Zum Glück haben wir in Bayern noch eine starke Vereinsstruktur“, sagt Ott. „Dort lernen die Jugendlichen vor Ort demokratische Abläufe kennen, weil in den Vereinen vieles gemeinsam geplant und auf Augenhöhe verhandelt wird.“Die Ergebnisse aller mit dem Demokratiebudget finanzierten Aktionen sollen deshalb auch gesammelt und interessierten Vereinen zur Verfügung gestellt werden.
Die Idee: Mit dem Demokratiebudget sollen Projekte gefördert werden, die Demokratie für junge Menschen erlebbar machen und ihnen die Werte des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung näher bringen. Die Jugendringe setzen die Projekte um.
Das Geld: Fast 2,5 Millionen Euro stellt das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales zur Verfügung, die auf die 103 Jugendringe aufgeteilt werden. Es dürfen nur neue, keine bestehenden Projekte damit finanziert werden.
Die Macher: In Neumarkt engagieren sich in der Planungsgruppe neben dem KJR unter anderem die Bürgerstiftung, DGB-Jugend, Evangelische Jugend, Team Soziale Stadt, Jugend Berching, CJD, Jugend Pyrbaum, Schützenjugend und DLRG-Jugend.