Feuerwehr, Polizei und Müllabfuhr dürfen durch – die Malteser nicht: Poller bremst Regensburger Retter

Im Notfall zählt jeder Augenblick. Kleinste Umwege können tödliche Folgen haben. Die Regensburger Malteser kämpfen seit Jahren mit einem speziellen Hindernis: dem Poller am Haus der Bayerischen Geschichte.
Während Feuerwehr, Polizei und die Müllabfuhr den Pfosten versenken können, schauen die Sanka-Fahrer in die Röhre – und das ist nicht das einzige Ärgernis: Seit einiger Zeit kassieren die Einsatzkräfte Knöllchen, weil sie sich einen Imbiss holen.
Der Poller wurde Ende 2022 am Hunnenplatz installiert. Er ist auf Knopfdruck versenkbar. Nur: Nicht jeder hat so einen Knopf – die Malteser zum Beispiel nicht. Deren Rettungswache liegt allerdings blöderweise in der Bruderwöhrdstraße. Wenn ein Einsatz in der Altstadt ansteht, führt der direkte Weg nun mal über den Hunnenplatz – eigentlich. Dort steht aber seit Jahren der Poller. Die Retter müssen einen Umweg über die Trunzergasse und das Bayernmuseum in Kauf nehmen.
Umständliche Lösung: Malteser nehmen lieber einen Umweg in Kauf
„Wir haben nie verstanden, wo das grundsätzliche Problem ist“, sagt Nikolaus Hirschmann, Leiter des Rettungsdienstes der Malteser im Bezirk. Polizei und Feuerwehr hätten schließlich auch die Möglichkeit, den Poller blitzschnell zu versenken – und nicht nur die. Während die MZ vor Ort mit Hirschmann spricht, kommt ein Fahrzeug der städtischen Müllabfuhr vorbei. Auch sie kann den Poller versenken. Der Malteser quittiert das nur mit einem Kopfschütteln.
Grundsätzlich könnten die Malteser die Barriere auch mit einem Schlüssel öffnen. „Aber bevor wir aussteigen, den Poller per Hand versenken, wieder einsteigen und dann weiterfahren, fahren wir lieber den Umweg“, sagt Hirschmann. Dabei koste der wichtige Sekunden. „Es wäre unser direkter Weg in die Altstadt.“ Die Barriere ist mehrfach täglich ein Problem, sagt Hirschmann. Bei fünf Fahrten müsse man sicher am Poller vorbei.
CSU drängt seit Jahren auf Lösung des Problems
Die Situation ist seit Jahren bekannt. Schon kurz nach Installation des Pollers wandte sich der damalige CSU-Fraktionschef und heutiger Landtagsabgeordnete Jürgen Eberwein in einem Schreiben an Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Deren Antwort liegt der MZ vor. Darin heißt es, dass die Stadt die Integrierte Leitstelle eingebunden habe. Bei den Maltesern kam das nie an, sagt Hirschmann. Mehrfach habe man bei der Stadt nachgehakt, es sei allerdings nichts geschehen. Die OB kündigte auch an, dass es Möglichkeiten gäbe, den Rettern zu ermöglichen, den Poller zu versenken. Auch daraus wurde bislang allerdings nichts. „Man resigniert irgendwann“, sagt Hirschmann. „Aber es ist befremdlich, wenn man verschiedene Maßstäbe anlegt.“
Man resigniert irgendwann.
Nikolaus Hirschmann, Malteser
Stadt-Sprecherin Katrin Butz sagt auf Anfrage ebenfalls, dass die Rettungsdienste über die Leitstelle angefragt wurden. Sie betont: „Die Rettungsdienste können die entsprechende Ausstattung jederzeit bei der Stadt anfordern, falls doch Interesse besteht.“ Und tatsächlich scheint durch die Anfrage der MZ nach Jahren Bewegung in die Sache gekommen zu sein. Die Stadt habe die Malteser kontaktiert, sagt Pressesprecherin Sarah Nerb. „Wir glauben aber erst an eine Besserung, wenn die Funksender tatsächlich im Auto sind.“
Knöllchen für einen Döner: Ärger in der Maximilianstraße
Dabei haben die Malteser nicht nur in puncto Poller ein Problem mit der Stadt. Das Verhalten des städtischen Ordnungsamtes habe sich geändert. Insbesondere in der Maximilianstraße hätten die Retter Knöllchen bekommen. Zum einen, weil sie sich kurz bei einem Imbiss einen Döner geholt hätten. Zum anderen, weil sie unberechtigterweise durch die Straße gefahren seien. Zwei, drei Fälle habe es in letzter Zeit gegeben, berichtet der Rettungsdienstleiter.
„Wir sind acht Stunden an das Fahrzeug gefesselt“, sagt Hirschmann. Schnell in ein Parkhaus fahren, sei schlicht nicht möglich. „Wenn ein Einsatz kommt, müssen wir innerhalb von Sekunden unterwegs sein.“ Darüber hinaus müsse ein Sanka nicht zwingend das Blaulicht einschalten, um im Einsatz zu sein, betont Hirschmann. Es gebe Sonder- und Wegerechte. Erstere erlaubten den Rettern, auch ohne Blaulicht und Martinshorn durch Fußgängerzonen wie in der Maximilianstraße zu fahren. „Man bemüht sich natürlich, nicht die Bevölkerung zu stören“, sagt Hirschmann.
„Nicht nachvollziehbar“: Knöllchen sorgen bei den Maltesern für mehr Arbeit.
Inzwischen seien einige Knöllchen bei den Maltesern eingegangen, berichtet der Rettungsdienstleiter. Zwar müsse man die nicht zahlen, wenn man nachweist, dass man im Einsatz war. Dennoch: „Es macht halt Arbeit.“ Er müsse nämlich in jedem Fall die Details des Einsatzes recherchieren. Es sei spannend, wie die Stadt mit Institutionen mit Sicherheitsauftrag umgeht, sagt Hirschmann. „Es ist für uns nicht nachvollziehbar.“ Die Stadt suche auch nicht das Gespräch mit den Maltesern, um die Vorgehensweise zu erklären.
Stadt-Sprecherin Butz weist auf Anfrage darauf hin, dass Retter nur von den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung befreit seien, wenn höchste Eile geboten ist, also wenn es um Menschenleben geht. Ist dies nicht der Fall, werde der Fahrzeugführer gebeten, den Wagen zu entfernen. „Beschwerden von Seiten der Malteser in Bezug auf diese Verfahrensweise sind nicht bekannt.“ Der Stadt sei nur ein Vorfall bekannt, in dem ein Sanka langsam und ohne Martinshorn und Blaulicht durch die Maximilianstraße fuhr. Das Verwarnungsgeld sei ohne Beschwerde überwiesen worden. Generell gelte, dass die Verwarnung eingestellt werde, wenn sich herausstellt, dass es sich um einen Einsatz gehandelt hat.
Stadt plant weitere Poller
• Verkehrsberuhigung: Die Stadt brütet derzeit über einem Konzept für den Verkehr in der Altstadt. Teil des Plans sind weitere Poller. So soll unter anderem eine Barriere im Obermünsterviertel entstehen. Diese soll an der Zufahrt von der Oberen Bachgasse installiert werden.
• Beteiligung: Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer betont auf MZ-Anfrage: „Auch bei diesen Pollern werden die Rettungsdienste selbstverständlich im Vorfeld des Einbaus beteiligt und das Vorgehen mit ihnen abgestimmt.“
• Forderung: Grünen-Fraktionschef Daniel Gaittet macht im MZ-Gespräch ebenfalls klar: „Grundsätzlich muss jedes einzelne Rettungsdienstfahrzeug die Poller hoch- und runterfahren können – insbesondere, wenn es in Zukunft mehr Poller werden.“