„Aus dem Weg, die Straße gehört heute uns!“ Kinder-Fahrraddemo fährt durch Regensburg

„Aus dem Weg, die Straße gehört heute uns!“: Am Sonntagnachmittag rollte mit lautem Klingeln die „Kidical Mass“ zum fünften Mal durch Regensburg. Bei der bunten Kinder-Fahrraddemo stehen die Mobilitätsbedürfnisse von Kindern – insbesondere die Sicherheit von Schul- und Alltagswegen – im Mittelpunkt. Das Motto lautete daher auch in diesem Jahr wieder: Gemeinsam radeln für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.
„Kidical Mass“ ist eine weltweite Bewegung. Mehr als 700 lokale Organisationen und Initiativen unterstützen das Anliegen für eine umwelt- und kinderfreundliche Verkehrspolitik. In Regensburg wird die „Kidical Mass“ ehrenamtlich von engagierten Eltern sowie den Regensburger Kreisverbänden des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) organisiert.Startpunkt des Rad-Konvois war der Wochenmarkt Kumpfmühl. Vor dem Start der Demo konnten die Kinder dort bereits Plakate gestalten und ihre Räder schmücken.
Nach einer Rede von zwei Vertreterinnen des Regensburger Kinderbeirats, Emilia und Nima, bahnte sich der Fahrradzug seinen Weg über die Friedens- und Sternbergstraße durch Regensburg. Dabei hatten die etwa 250 kleinen und großen Radfahrer immer Vorfahrt – selbst rote Ampeln durften überfahren werden. Die Polizei sicherte die Strecke ab, das Tempo gaben allerdings die kleinsten Demo-Teilnehmer vor. Am Donaumarkt am Haus der Bayerischen Geschichte endete der Zug schließlich mit einer Abschlusskundgebung, bei der die Rektorin der Von-der-Tann-Grundschule, Andrea Kasperbauer, sowie der Kinderpsychologe Dr. Alfred Leurpendeur sprachen.
Zahlreiche Probleme für Radfahrer in Regensburg
„Radfahren ist total gesund“, sagte Leurpendeur, der nach eigener Angabe selbst leidenschaftlicher Fahrradfahrer ist. „Es macht nicht nur Freude, sondern die Kinder auch sehr stolz“, so der Psychologe. Denn die urbane Welt auf zwei Rädern eigenständig zu entdecken und zu erobern, sei einer der ersten größeren Abnabelungsprozesse der Kinder von den Eltern.
Volle Straßen, nicht durchgängige Radwege, unübersichtliche Kreuzungen: Das Verkehrssystem in Regensburg sei laut den Organisatoren eine Herausforderung, nicht nur für Kinder. Als Teil der „Regensburger Radlwochen“ will „Kidical Mass“ für diese Probleme sensibilisieren. Die Vision ist ein kinder- und fahrradfreundliches Regensburg, in dem die kleinsten Bürger selbstständig und sicher mobil sein können – egal ob mit dem Rad, Laufrad, Roller oder zu Fuß.
Radler wollen mehr Sicherheit

Die Forderungen der Demonstrierenden umfassten daher geschützte Radwege, Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen innerorts sowie „Schulstraßen“ ohne Autoverkehr. „Als Mutter hat man nochmal einen ganz anderen Blick, wie Straßen gestaltet sein müssen“, berichtete Verena Riehl, eine der Organisatorinnen des Regensburger Kidical Mass. Aufgrund von fehlenden Fahrradwegen müssten viele Kinder das Rad stehen lassen und den Schulweg zu Fuß antreten. Auch das sogenannte Elterntaxi sei noch immer beliebt – zu Lasten der Umwelt.
„Ich möchte, dass die Leute mehr Fahrrad anstatt Auto fahren – das ist ja auch gut für die Umwelt“, sagte Elsa. Seitdem die Zehnjährige die Fahrradprüfung bestanden habe, fuhren sie und ihre Freundinnen täglich mit dem Rad zur Schule. „Auf der Straße fühle ich mich sicher“, so die Schülerin, „aber die ganzen parkenden Autos, die die Wege versperren, nerven.“