Altes Amtsgerichtsgebäude Furth im Wald Begegnungszentrum für Jung und Alt

Ein Ort für Tourismus, Kultur, Information sowie ein Treffpunkt für Jung und Alt ist das runderneuerte ehemalige Amtsgerichtsgebäude geworden. Im Rahmen einer höchst amüsanten Feierstunde wurde es jetzt seiner neuen Bestimmung übergeben.
Der Rathaussaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Hans und Adi Altmann begannen, ihre kleine Show „abzuziehen“. Sie spielten zunächst die Melodie des Fernsehserienklassikers „Königlich Bayerisches Amtsgericht“. Anschließend legte Adi Altmann die Richterrobe an und erhob Anklage gegen unbekannt. Klägerin: Das alte Amtsgerichtsgebäude, das sich über die Jahre vernachlässigt und alleingelassen gefühlt sowie mit Zugluft, Verfall und kaputten Fenstern zu kämpfen hatte.
Bauer im Zeugenstand
Der ehrenwerte Richter ließ seinen Gerichtsdiener als ersten Zeugen Bürgermeister Sandro Bauer vorführen. Nach einer vom Gerichtsdiener Hans Altmann gereichten Prise Schnupftabak begab sich der auch ohne Widerworte in den Zeugenstand, allerdings nicht ohne sich scherzhaft zu erkundigen, ob er bei der Wahrheit bleiben müsse.

Dann sagte er: „Heute ist ein Tag, auf den wir lange hingearbeitet haben.“ Das in dieser Form 1862 gebaute Gebäude habe schon einiges erlebt. Zusammen mit dem Pfarrhof, dem Rathaus und der Perlingervilla bilde es ein herausragendes Ensemble im Herzen der Stadt und wurde bereits als Einzeldenkmal ausgezeichnet. Nach der letztmaligen Nutzung im Jahr 2014 unter anderem als Adventskalender habe der Stadtrat am 8. Februar 2023 beschlossen, die Renovierung in Angriff zu nehmen. Bauer zeigte sich dankbar, „dass wir uns mutig auf den Weg gemacht haben“. Am 20. Juli 2023 erfolgte der Startschuss für die Generalsanierung. Mit der Fertigstellung habe man ein bedeutendes städtebauliches Statement gesetzt.
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Diesen Gedanken griff Landrat Franz Löffler auf, der zur Belustigung der anwesenden Gäste mit dem Schnupftabak deutlich mehr zu kämpfen hatte als sein Vorredner. Er schloss die gesamte städtebauliche Entwicklung sowie die Ausrichtung der Landesgartenschau in seine Ausführungen mit ein und zeigte sich überzeugt: „Das, was in kurzer Zeit in Furth im Wald passiert ist, wird in die Geschichte der Stadt eingehen.“
Laut Bauer hat die Generalsanierung insgesamt 3,6 Millionen Euro gekostet, 1,7 Millionen Euro habe die Stadt selbst stemmen müssen. „Aufgrund der Haushaltslage kann man sich fragen, ob wir uns das leisten können, man kann aber auch fragen, ob wir es uns leisten können, es nicht zu tun.“ Der Further Rathauschef betonte gleichzeitig, ohne Förderstellen wäre die Maßnahme nicht möglich gewesen.
Das, was in kurzer Zeit in Furth im Wald passiert ist, wird in die Geschichte der Stadt eingehen.
Franz Löffler, Landrat
Als nächstes rief der Vorsitzende Richter Beate Kröner von der Städtebauförderung der Regierung der Oberpfalz in den Zeugenstand. Sie lobte, dass Furth frühzeitig erkannt habe, wie wichtig Städtebauförderung ist und habe dies auch mit dem Erstellen des ISEK-Gutachtens umgesetzt. 1,5 Millionen Euro Zuschuss war dies der Regierung wert. In sieben Jahren habe man so in der Grenzstadt 20 Einzelvorhaben mit insgesamt 15 Millionen Euro gefördert. Da wundert es kaum, dass Kröner betonte: „Die Stadt hat sich extrem positiv verändert.“
Susanne Zacharias von der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen konnte berichten, dass ihre Behörde 110 000 Euro Fördermittel in das neue Bibliothekskonzept hat fließen lasse. Sie schob die moderne Gestaltung und vor allem das sogenannte „Open-Library-Konzept“ in den Vordergrund. Das ermöglicht Besuchern, auch außerhalb der Bibliothekszeiten Medien auszuleihen und zurückzubringen. Furth im Wald sei eine Woche nach Kemnath erst die zweite Stadt in der Oberpfalz, die diesen Service anbietet.
Das Schlusswort hatte Architekt Peter Hickl vom ausführenden Stadtplanungsbüro ph2. Er war für die umsichtige Vorgehensweise seine Teams von den Vorredner mehrfach gelobt worden. Hickl sagte, das Haus bestehe bereits seit dem 15. Jahrhundert, damals stand es als sogenanntes Brothaus schon der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das sei auch heute wieder so. „Wir wollten es behutsam in die Zukunft führen.“
Die Planung und Ausführung habe in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz stattgefunden. „Denkmalschutz heißt dabei nicht Stillstand, sondern das Gebäude mit gezielten Eingriffen nutzbar machen.“ Während im Erdgeschoss kaum historische Substanz vorhanden war, habe man in den oberen Geschossen viel konservieren und erhalten können. Hickl bedankte sich vor allem bei seinem Bauleiter Rainer Plöderl, der sich mit seiner Umsicht und seinem Einsatz besonders verdient gemacht habe.
Urteil: Freispruch
Anschließend begab sich die Festgesellschaft ins Amtsgerichtsgebäude und wohnte der kirchlichen Segnung bei. Jetzt steht die altehrwürdige Immobilie dem Tourismus-, dem Drachenstich und dem Europe Direct-Büro sowie der Stadtbibliothek zur Verfügung. Außerdem befinden sich dort Räumlichkeiten, die auch von Vereinen und anderen Organisationen genutzt werden können. Alles natürlich barrierefrei. Bei so viel Fürsorge hieß das Urteil ganz klar: Freispruch!




