Der Heilige Wolfgang in der Bar - Bilder zeigen „Multiple Mythen“

Von Bettina Gröber · 17. Mai 2025 um 15:00

Eine Ausstellung im Bad Abbacher Rathaus nähert sich historischen Persönlichkeiten auf humorvolle Weise.

Die Abbacher Historie ist an und für sich schon etwas, dem es sich mit Interesse (und auch so mancher offenen Frage) zu nähern gilt – dies natürlich nicht zuletzt aufgrund der Persönlichkeit Kaiser Heinrichs II., des für die Marktgemeinde als prominentesten Vorfahren. Seine Bedeutung auch in der Gegenwart wird alle paar Jahre beim Heinrichsfest am sichtbarsten.

Nun besitzt das Rathaus auch ein Zeugnis künstlerischer Auseinandersetzung mit der Geschichte: Eine Dauerausstellung zeigt unter dem Titel „Multiple Mythen – Kaiser Heinrich und sein historisches Umfeld“ in zwölf Gemälden sowohl das Herrscherpaar Heinrich und Kunigunde als auch zehn Persönlichkeiten als deren Ahnengalerie. Geschaffen hat die Werkreihe der in Bad Abbach lebende Künstler Ulrich Koch. Den Ankauf finanzierte die Angrüner Stiftung. Am Mittwoch fand die offizielle Eröffnung statt.

Modern und humorvoll

Bürgermeister Dr. Benedikt Grünewald nennt die Ausstellung „etwas Besonderes“, das von nun an zwei Wänden im ersten Stock des Rathauses zu sehen sei. Sein Dank galt auch Marktgemeinderat Siegfried Schneider, der einen maßgeblichen Anstoß für das Projekt gegeben habe. Die Werke gehörten im vergangenen Jahr zur Jubiläumsausstellung im Rahmen der Feiern zum 1000. Todestag Heinrichs II. Seinerzeit wurden sie dem Publikum in den historischen Felsenkellern präsentiert, die als „Aussegnungshalle“ fungierte.

Die Ironie des Ortes passte zum Ton, der aus Ulrich Kochs Porträts spricht: Es sind modern-humorvolle, dabei durchaus sehr hintersinnige Interpretationen und Charakterisierungen historischer Persönlichkeiten. So findet sich etwa Herzog Heinrich I. von Bayern, dem der Beiname „der Zänker“ zuteil geworden ist, als Rumpelstilzchen dargestellt.

Das Bild des Heiligen Wolfgang siedelt Ulrich Koch im Kontext einer Bar-Szene an, die auch den Teufel einschließt. Und am rechten unteren Bildrand des hochformatigen Porträts Heinrichs des II. ist ein verdorrender Blumentopf zu sehen, auf den eine nicht klar definierbare Flüssigkeit tropft... Wer um die Kinderlosigkeit des Kaiserpaares weiß, kann sich einen entsprechenden Reim machen. Anspielungen und kleine Provokationen wie die Letztere setzt der Künstler mit Freuden – „aber ich will auch niemandem zu nahe treten“.

„Wirklich lustig“

Mit der Ausstellung im Abbacher Rathaus dauerhaft im öffentlichen Raum präsent zu sein, „das ist für einen Künstler eine große Sache“, so Ulrich Koch. Wichtig sei ihm, dass der zwölfteilige Bilderzyklus als Ganzes an einem Ort verbleibe.

Ulrich Kochs Werke sind nicht im „luftleeren Raum“ entstanden: Eine intensive Zusammenarbeit mit Bad Abbachs Archivar und Marktgemeinderat Dr. Georg Köglmeier hat den Entstehungsprozess flankiert. Für den Historiker war dies „wirklich lustig“, wie er am Rande der Vernissage erzählte. Im Flyer zur Ausstellung findet man Köglmeiers Ausführungen zur geschichtlichen Einordnung der Personen, die auf den Gemälden porträtiert sind, und zu ihrer Bedeutung für die frühmittelalterliche dynastische Entwicklung von Bayern bis Europa.

Der in Sachsenried geborene Ulrich Koch lebt seit 2011 in Poikam. Nach einer Karriere als Art Director bei verschiedenen Verlagen steht für ihn inzwischen die künstlerische Tätigkeit im Mittelpunkt. Neben Zeichnungen und Bildern finden sich auch Skulpturen und Installationen in der Werkpalette. Weitere Informationen zum Künstler und seinem Œuvre findet man unter www.ulrichkoch.net.