Wenn der Waldbrand die Grenzen im Landkreis Cham überschreitet

Von Johannes Schiedermeier · 15. Mai 2025 um 19:00

Wer in eine Beziehung nicht kontinuierlich investiert, wird scheitern. Das gilt auch für die Beziehung Bayern-Tschechien und findet auch in Euro statt. Nun haben Kreisbrandrat Michael Stahl und MdL Dr. Gerhard Hopp (CSU) einen neuen 650 000 Euro teueren Meilenstein hinzugefügt: einen Einsatzcontainer für eine gemeinsame deutsch-tschechische Lageführung bei Feuerwehreinsätzen in Großschadensereignissen.

Warum ist das notwendig? Kreisbrandrat Michael Stahl zitiert seinen Landrat Franz Löffler: „Die Schlauchkupplungen passen schon super zusammen, bei der Einsatz-Koordination gibt es noch Verbesserungsbedarf.“

Grenzhilfe hat Tradition

MdL Gerhard Hopp sagt dazu: „Das ist ein Thema, das uns täglich beschäftigt: Wie verbessern wir die Sicherheit der Menschen?“ Immer wieder seien bei Großschadenslagen wie Waldbränden Herausforderungen aufgetaucht, die eine Verbesserung der Koordination erforderlich machen.

Grenzüberschreitende Einsätze gebe es immer wieder, so Hopp. Auch bei Zugunglücken. „Es wird sicherlich nicht weniger“, so Hopp. Deswegen habe man nach längerer Planung einen Antrag im Landtag gestellt. Nun seien 650 000 Euro im Haushalt. Und es gebe einen Beschluss, dass das Land die Mittel für ein mobiles Lage und Einsatzzentrum aufbringen werde. Auch einen Antrag auf eine europäische Förderung des Projektes werde man stellen.

„Verbesserungen treiben mich um“

Kreisbrandrat Michael Stahl stellte das Projekt als Abroll-Container vor. Dieser kann auf einem der sechs Wechselladern der Feuerwehr transportiert werden. „Diese Verbesserungen treiben mich seit Jahren um“, so Stahl. Der Container werde zurecht im Landkreis Cham stationiert, weil es hier die längste Grenze zu den tschechischen Nachbarn gebe. Die grenzüberschreitende Hilfe und deren Koordination sei ja kein neues Thema. So habe es bereits 1970 tschechische Hilfe gegeben bei einem Zugunglück in Furth in Wald.

1992 habe es einen Gefahrgutunfall in Furth gegeben, zu dem auch tschechische Kräfte angerückt seien. Seit dem 19. September gebe es eine Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik und Tschechien über gegenseitige Hilfeleistung bei Katastrophen und großen Schadensfällen. Am 27. August 2013 habe es eine entsprechende Vereinbarung mit dem Freistaat gegeben.

Unsere Einsatzleitung und die tschechische werden an einem Ort sein, mit der eigenen Technik, direkt am Geschehen und neben den eigenen Führungsfahrzeugen

Heuer sei man bereits acht Mal zu gegenseitiger Hilfeleistung über die Grenze gefahren. Solche Einsätze würden der jeweilige Leitstelle unter dem Hinweis „Stichwort Gina“ gemeldet. Dann werde die gleichnamige App freigeschaltet und die Hilfsbitte automatisch übersetzt. Anrückende Kräfte könnten dann über die App genau sehen, wer wohin unterwegs sei.

Reibungsverlust vermindern

Der geplante Container müsse nun ausgeschrieben und dann gebaut werden. Kreisbrandrat Stahl rechnet mit mindestens zwei Jahren Dauer, bis der Meilenstein Wirklichkeit ist. Bis dahin werde man so wie am Wochenende gemeinsam in den Bergflanken des Ossers bis zum Zwercheck trainieren.

Die technische Aufrüstung wird die Einsatzleiter immer an einem Ort zusammenbringen, möglichst nahe am Geschehen und direkt neben den eigenen Fahrzeugen. Das verhindert Reibungsverluste wie bei der Suche nach Julia auf 49 Quadratkilometern. „Da ist es halt doch vorgekommen, dass Gebiete zwei Mal abgesucht wurden“, sagt Stahl. „Einmal von uns, einmal von den tschechischen Kollegen.“ Oder dass bei einem Waldbrand zwölf Kilometer Schlauch verlegt wurden, um bei einer Luftaufnahme festzustellen, dass es auf der anderen Seite des Hügelkammes in 700 Metern Entfernung Wasser gab. „Es wird ein Meilenstein sein“, wiederholte Stahl.

So sehen erste Entwürfe für den Container der grenzüberschreitenden Einsatzleitung aus. Er soll 650 000 Euro kosten. - Foto: KBR Stahl