Funkstille bei den Blaulichtern im Landkreis Cham hat ein Nachspiel

Bei seiner Einführung wurde der Digitalfunk für die Blaulicht-Organisationen praktisch als unkaputtbar gepriesen. Nun war auch der Landkreis Cham – wie weite Flächen der Republik – von einem Ausfall betroffen. Netzprobleme sollen die Ursache gewesen sein. Wir haben nachgefragt, wie Polizei. Rettungsdienst und Feuerwehr damit fertig geworden sind und wie die Politik reagiert.
Nach ersten Erkenntnisse ist der Landkreis mit einem blauen Auge davongekommen. Kreisbrandrat Michael Stahl berichtet für die Feuerwehr, dass der Funk etwa 30 Minuten lang immer wieder ein- und ausgestiegen sei. „Wenn es länger gedauert hätte, dann hätten wir die Kreiseinsatzzentrale besetzt und von dort mit Rückfallsystem gearbeitet. Wir können im Landkreis Alarme auch über Handys auslösen.“
Insgesamt ist die Erkenntnis natürlich nicht lustig, dass das digitale Funknetz nicht so unangreifbar ist, wie es immer geheißen hat.
Michael Stahl, Kreisbrandrat des Landkreises Cham
Offensichtlich seien Basisstationen und Sendemasten zeitweise ohne Verbindung zum Hauptnetz gewesen. „Wenn von außen nichts kommt, geht nichts“, sagt Stahl. Zum Glück habe es in der halben Stunde keine Einsätze gegeben. „Insgesamt ist die Erkenntnis natürlich nicht lustig, dass das digitale Funknetz nicht so unangreifbar ist, wie es immer geheißen hat“, so der Kreisbrandrat.
Nicht betroffen waren die Notrufnummern. Sie waren für die Bürger jederzeit erreichbar. Allerdings hatte die Leitstelle in Regensburg fast zwei Stunden keinen Sprechfunk mehr. Dies teilte Brandoberrat Thorben Graßhoff von der zuständigen Pressestelle der Stadt Regensburg mit. Die Alarmierung von Feuerwehr und Rettungsdienst sei allerdings jederzeit sichergestellt gewesen.
Im höchsten Notfall Satelliten-Telefone
Auch Chams Rettungsdienstleiter Dominik Lommer berichtet, dass seine Mannschaft ohne Probleme durch die Störung gekommen ist. „Wir haben die Nachricht auch bekommen, aber in unserem Bereich hat alles noch einigermaßen funktioniert.“ Theoretisch könne man auf solche Ausfälle regional reagieren und die Verbindung von einem Funkgerät zum anderen halten. „Dann sitzt halt jemand auf der Wache und koordiniert die Verständigung“, so Lommer. Für den allergrößten Notfall wie bei einem längerfristigen Blackout gebe es noch Satelliten-Telefone, um die Verständigung bei Einsätzen sicherzustellen.
Die Polizeiinspektion Cham hat für eine Auskunft an das Polizeipräsidium in Regensburg verwiesen. Dort teilte uns Pressesprecherin Melanie Bäumler mit, dass der gesamte Bereich des Präsidiums von dem Ausfall ebenfalls betroffen gewesen sei. Es habe aber nach außen keine größeren Probleme gegeben, da das Einsatznetzwerk über mehrere Rückfallebenen verfüge. Man habe die Störung dadurch bemerkt, dass es Probleme gegeben habe bei der Verständigung mit den Streifenbesatzungen.
Störungsanalyse mit höchster Priorität
Frithjof Reimers, stellvertretender Pressesprecher der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) – diesen sperrigen Namen trägt das Projekt offiziell –, bestätigte, dass es knapp zwei Stunden zu Störungen in diesem Netz gekommen ist. Als Fehler-Ursache habe man „Netzwerk-Probleme“ lokalisiert. Reimers verspricht: „Die Störungsanalyse wird mit höchster Priorität verfolgt und fortgesetzt.“ Eine letzte Einschätzung zum Thema wurde bis heute nicht veröffentlicht.
„Die Verwundbarkeit der modernen Technologien ist derzeit natürlich ein absolutes Thema. In der Zusammenschau mit den Bemühungen um mehr Widerstandskraft ist so etwas extrem kontraproduktiv.
Dr. Gerhard Hopp, Chamer Landtagsabgeordneter
Laut BDBOS war die Kommunikation der Einsatzkräfte „vorübergehend beeinträchtigt“. Die Kommunikation im Versorgungsbereich der jeweiligen Funkzelle sei aber im sogenannten „Fallback-Modus“ jederzeit möglich gewesen. Auch die Nutzung der Direktverbindungen im netzungebundenen Modus sei durchgehend möglich gewesen – was die Aussage des Rettungsdienstes im Landkreis bestätigt.
Welche Folgen hat der Ausfall nun politisch? In Zeiten, in denen alle von der nötigen Widerstandskraft des Staates und seiner Bürger reden und Resilienz für niemanden mehr ein Fremdwort sein dürfe, kommt der Ausfall – vorsichtig formuliert – ungelegen. Einer von denen, die die Resilienz unermüdlich predige, ist der Chamer Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp. Er sagt nach Rücksprache mit dem Innenausschuss des Landtags, dass dort ein Bericht des Innenministeriums angefordert worden ist. Anschließend solle der Vorfall im Landtag abgearbeitet werden.
„Extrem kontraproduktiv“
„Die Verwundbarkeit der modernen Technologien ist derzeit natürlich ein absolutes Thema“, so Hopp. In der Zusammenschau mit den Bemühungen um mehr Widerstandskraft sei so etwas extrem kontraproduktiv. Deswegen müsse das Herausfinden der genauen Ursache und deren Behebung oberste Priorität haben.
Oberster Katastrophenschützer im Landkreis Cham ist Landrat Franz Löffler. Auch der stellt fest: „Das dürfte eigentlich nicht passieren, und die Gründe dafür müssen auf den Tisch.“ Glücklicherweise sei ein funktionierendes Handynetz in einem solchen Moment eine gute zweite Ebene, bestätigt er seinen Kreisbrandrat Michael Stahl.