Runter vom Gas: Ein Drittel aller Unfälle in der Oberpfalz im Mai passiert mit Wildtieren

Von Marius Göhl · 15. Mai 2025 um 05:00

Mensch und Tier teilen sich im Mai besonders häufig die Straße. Das Resultat: Ein Drittel aller Unfälle in der Oberpfalz sind im Mai Wildunfälle. Nach Zahlen des Polizeipräsidiums Oberpfalz um genau zu sein um die 1100. Doch die Dunkelziffer dürfte noch wesentlich höher sein.

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Der Mai ist der Monat, in dem Rehe den höchsten Aktionsradius aufweisen. Dies liegt vor allem an den Aktivitäten der Jungtiere. Jährlingsböcke gehen auf Reviersuche. „Die sind unplanmäßig unterwegs. Die suchen einfach ein neues Zuhause“, sagt Franz-Xaver Lindl, der Vorsitzende vom Bezirksjagdverband (BJV), Kreisgruppe Regensburg.

Und Schmalrehe, weibliche Kitze, werden von den Müttern abgeschlagen und sind das erste Mal auf sich allein gestellt. „Die sind noch unbedarft. Sie haben vieles von der Mutter gelernt, aber vieles ist auch noch neu für sie“, sagt Lindl. Deshalb komme es gerade im Mai zu mehr Begegnungen zwischen Mensch und Tier.

Gefahrenschilder stehen für Gefahr

Und so ist man gut beraten, wenn man im Mai beim Autofahren etwas vom Gas geht – gerade wenn ein Gefahrenzeichen Wildwechsel am Straßenrand steht. So schaffe man laut Lindl eine höhere Chance, Aktivitäten auch links und rechts der Fahrbahn zu erkennen.

Die Schilder stehen nicht unbewusst genau an den Stellen. Oftmals sind das Hotspots für Begegnungen zwischen Mensch und Tier.

Franz-Xaver Lindl, Vorsitzender der BJV Kreisgruppe Regensburg

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es natürlich immer zum Wildunfall kommen. Außerdem stelle Lindl als Jäger immer wieder Wildunfälle fest, die nicht gemeldet werden. Die Dunkelziffer dürfte laut ihm „nicht unerheblich“ sein.

Lindl begegnete selbst in seinen Anfangsjahren als Autofahrer einem Reh. „Das ist sehr prägend“, sagt der 65-Jährige. Es bleibe einem im Kopf und verändere auch das Bewusstsein genau für die Fahrweise in diesen Streckenabschnitten.

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Falls es zur Begegnung kommt, raten Lindl und die Polizei dringend dazu, Ausweichmanöver zu vermeiden. Auch der Einsatz der Lichthupe oder der normalen Hupe sei laut Lindl Unsinn. „Das schafft eher zusätzliche Nervosität und vielleicht die falsche Aktion beim Tier“, sagt Lindl.

Gerade das Weihergebiet um Sarching, Barbing und Donaustauf zählt zu einem enormen Hotspot für Wildunfälle im Landkreis. „Vor vier Wochen hat es dort drei Mal fast an derselben Stelle gekracht“, sagt Lindl.

Das ist ganz wichtig. Ausweichen ist eine größere Gefahr als die Konfrontation. Wenn man nicht ausweicht, sind die Überlebenschancen häufig höher.

Franz-Xaver Lindl, Vorsitzender der BJV Kreisgruppe Regensburg

Risiko in der Dämmerung besonders hoch

Gerade in der Dämmerung sei die Gefahr nach der Auswertung der Unfalluhrzeiten besonders hoch. Generell seien besonders häufig Rehe bei Wildunfällen betroffen, aber auch Wildschweine, Füchse und Dachse können dem Menschen zum Opfer fallen. Gerade bei größeren Wildschweinen ist die Gefahr auch bezüglich einer direkten Konfrontation zwischen Mensch und Tier nicht zu unterschätzen.

Die Wildschweinpopulation hat sich im Landkreis in den vergangenen 30 Jahren massiv erhöht.

Franz-Xaver Lindl, Vorsitzender der BJV Kreisgruppe Regensburg

Falls man mit einem Tier zusammenstößt, muss der Fahrer den Unfall bei der Polizei unverzüglich melden. Wer einfach weiterfährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und könnte sich in bestimmten Fällen auch strafbar machen. So verstößt man bei einer Nichtmeldung unter anderem gegen das Tierschutzgesetz und das Bayerische Jagdgesetz.

Wenn man die Polizei verständigt, sollte man im besten Falle noch eine Ortsbeschreibung geben oder den Ort über Navigationsdienste des Smartphones ausfindig machen können. So erhöht man Chance, dass die Beamten und der verständigte Jäger den Suchradius schneller einschätzen können, falls sich ein angefahrenes Tier selbst in Sicherheit gebracht hat.

Jeder kann 110 oder 112 wählen

Lindl ist selbst Jäger und übernimmt die „Versorgung“ von angefahrenen Tieren in seinem Revier in der Nähe von Hemau. Oftmals würden innere Verletzungen einen langwierigen Tod für das Tier bedeuten, wenn man den Unfall nicht meldet. „Es geht darum, Tierleid zu vermeiden. Jeder ist in der Lage, schnell die 110 oder 112 zu wählen“, sagt der Jäger.

Den Vorwurf, dass die Jagd ihr Übriges zu den Unfallzahlen liefert, kann Lindl nicht bestätigen. „Fast 90 Prozent der Jäger sind heute mit Schalldämpfer unterwegs. Man nähert sich dem Jagdgebiet langsam, leise und mit der Vorsicht, keine Tiere aufzuscheuchen“, so der 65-Jährige. Wenn es zum Schuss mit der Geräuschdämpfung käme, könnten Tiere den Schuss sowieso nicht mehr zuordnen.