„Er hat sich selbst ans Messer geliefert“: Schleuser sagt vor Gericht aus – dann klicken die Handschellen

Mitte August 2023, mitten in Regensburg: Fünf Syrer steigen beim Stadtpark in einen Kleinwagen. Sie sollen gen Westen geschleust werden. Das Auto ist heillos überfüllt – schon an der Autobahn-Auffahrt Prüfening wird die Fahrt von der Polizei gestoppt. Der Fahrer wird verhaftet. Vom Drahtzieher fehlte indes jede Spur. Bis er als Zeuge freiwillig vor Gericht auftaucht. Am Mittwoch fand er sich wieder im Justizgebäude ein, diesmal allerdings nicht freiwillig, sondern in Fußfesseln.
Der Schleuser stammt – ebenso wie seine „Kunden“ – aus Syrien. 2019 floh er mit seinen Kindern und seiner Frau vor dem Bürgerkrieg nach Luxemburg. Dort arbeitete er in einem Möbelunternehmen, wollte sich allerdings allem Anschein nach etwas dazuverdienen und organisierte zumindest eine Schleusung. Dabei war er den Behörden zufolge der führende Kopf. Sein Cousin war damit betraut, den Wagen zu lenken, schaffte es aber gerade mal ein paar hundert Meter die Prüfeninger Straße hinunter.
Noch im Gericht klickten die Handschellen
Ende vergangenen Jahres stand der Fahrer dafür vor Gericht. In der damaligen Hauptverhandlung, so schilderten es ein Polizist und eine Staatsanwältin am Mittwoch im Zeugenstand, wies der Anwalt des Fahrers darauf hin, dass ein Zeuge Entlastendes für seinen Mandanten berichten könnte – dabei handelt es sich um den Drahtzieher. Die Staatsanwaltschaft hatte die Polizei gebeten, einige Beamte im Zuschauerraum zu platzieren. Der Schleuser plauderte im Zeugenstand bereitwillig aus dem Nähkästchen. Die Staatsanwältin gab den vier Beamten nach der Aussage ein kurzes Zeichen. Noch im Gericht klickten daraufhin die Handschellen.
Am Mittwoch war auch der beschuldigte Syrer wieder vor Geericht. Diesmal allerdings nicht als Zeuge, sondern in Begleitung zweier Polizisten und mit Fußfesseln. Die Staatsanwältin, die damals die Verhaftung veranlasste, bezeichnete den Komplex als „besonderen Fall“. „Es ist perfekt gelaufen.“
Schleuser verlässt Regensburger Gericht freien Fußes
Das Verteidiger-Duo Gert Heuer und Philipp Janson verhandelte am Mittwoch mit der Kammer und der Staatsanwaltschaft rund eine Stunde hinter verschlossenen Türen. Heraus kam ein Deal: Der Angeklagte gestand die Tat und bekam dafür eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Richter Killinger hielt ihm in der Urteilsbegründung zugute, dass er die Tat einräumt, bereits fünf Monate in Untersuchungshaft verbracht hatte und sich „selbst ans Messer geliefert hat“. Zudem liege die Tat lang zurück und die Schleuserfahrt sei relativ kurz gewesen. Allerdings sei er der Koordinator des Ganzen gewesen. Killinger hob den Haftbefehl noch im Gerichtssaal auf. „Sie sind ab jetzt ein freier Mann.“