Weiter Ärger um Fernwärmepreise: Schwandorfer hat Heizung umgerüstet und zahlt nun kräftig drauf

Seit Wochen sorgt dieses Thema für Zündstoff: Zum 1. April hat die Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung (SWFS) die Fernwärmepreise in Schwandorf für die rund 1150 Kunden drastisch erhöht. Einer der Betroffenen ist Alois Schön. Er hat sich nun mit einem Brandbrief an die Verwaltung gewandt.
Rund 60.000 Euro hat der Senior nach eigenen Worten in die Hand genommen, um die Gasheizung in seinem Eigenheim und einem weiteren Wohn- und Geschäftshaus an der Regensburger Straße auf Fernwärme umzurüsten. Das geschah im November vergangenen Jahres. Schön fiel die Entscheidung leicht, wie er nun der MZ auf seiner Terrasse erzählte. „Wie ja bekannt ist, wird die Fernwärme aus im Müllkraftwerk verbranntem Müll erzeugt. Das ist eine erneuerbare Energiequelle. Man trägt als Abnehmer also auch zum Umweltschutz bei.“ Außerdem seien ihm als Kunde im Vorfeld Kosteneinsparungen angepriesen worden.
Am 1. April wendete sich aber das Blatt. Die SWFS ließ mit der Nachricht aufhorchen, dass die Fernwärmepreise um satte 27 Prozent angehoben werden müssten. Der Arbeitspreis liegt seither für Kleinabnehmer, also im wesentlichen Privathaushalte, bei 9,6 Cent pro Kilowattstunde. Pro Monat, so hat es die SWFS errechnet, führt das im Schnitt zu Mehrkosten von bis zu 45 Euro.
Im Vergleich noch günstig?
Als Begründung führte der städtische Energieversorger in einem öffentlich einsehbaren Schreiben an, dass sich die Preisgestaltung am sogenannten Wärmepreisindex orientiere, den das Statistische Bundesamt jedes Jahr neu ermittelt. Dieser berücksichtigt unter anderem, wie sich die Kosten für die Bereitstellung der Fernwärme entwickelt haben. Auch reagiert der Index auf die aktuelle Lage auf dem Wärmemarkt.
Steigen allgemein die Energiekosten, steigt auch der genannte Index. Sinken sie, folgt auch der Index diesem Trend – und im Gefolge ebenso die Fernwärmepreise. In Schwandorf seien diese „im bundesweiten Vergleich nach wie vor günstig – gerade im Hinblick auf zusätzliche Kosten bei anderen Energieträgern“, heißt es auf der Homepage der SFWS. Gewinne, wird zudem betont, würden „ausschließlich in die Instandhaltung und Entwicklung der Städtischen Fernwärmeversorgung“ fließen.

Alois Schön stellt diese Erklärung nicht zufrieden, im Gegenteil. Er behauptet vielmehr, dass die Preiserhöhung zu einem Trugschluss führe. „Seit 1. April liegen die Kosten für die Fernwärmeversorgung wesentlich höher, als bei einer alten, ausgetauschten Gasheizungsanlage.“
Für den Senior sei das doppelt ärgerlich – nicht nur für den eigenen Geldbeutel. Schön vermietet mehrere Räumlichkeiten. Drei seiner Mieter wurden an die Fernwärmeversorgung mitangeschlossen. Die Folge: Als Vermieter müsse er die höheren Energiepreise am Jahresende auf die Nebenkosten umlegen. „Weil die Städtische Fernwärmeversorgung nicht mit den Mietern direkt abrechnet, wie es noch bei den Gasenergie-Gesellschaften der Fall ist, bleibt der Schwarze Peter beim Vermieter hängen“, poltert Schön. Dass diese Prozedur natürlich äußerst unangenehm sei, brauche er nicht zu betonen.
SWFS nimmt Kritik ernst
Dem Senior stößt aber noch eine weitere Sache sauer auf: Wie er in einem MZ-Bericht gelesen hatte, rechne die SWFS mit einem aktuellen Gewinn von rund 800 000 Euro für das vergangene Jahr. „Auch wenn dieser Gewinn reinvestiert wird, ist diese Preiserhöhung nicht zu rechtfertigen“, findet Schön. Denn durch die Reinvestition würden wiederum zahlreiche neue, zahlende Abnehmer gewonnen.
Außerdem sollte, so argumentiert der Schwandorfer, bei der Preisgestaltung unbedingt auch noch berücksichtigt werden, dass den Bürgern der Stadt durch das Müllkraftwerk ohnehin schon einiges zugemutet werde. Schön führt den Gestank und den Feinstaub an, die mit der Verbrennung des Mülls einhergehen würden. Zudem seien die Müllgebühren wegen der Verbrennung ohnehin teuer.
Auch wenn dieser Gewinn reinvestiert wird, ist diese Preiserhöhung nicht zu rechtfertigen
Alois Schön, Fernwärmekunde
Wegen all dieser Gründe sah sich Alois Schön nach eigener Aussage gezwungen, einen Beschwerdebrief an die Stadt Schwandorf zu schreiben. Diesen hat die Verwaltung auch erhalten, wie der städtische Pressesprecher Andreas Hofmeister bestätigt.

Generell seien bei der SWFS nach der bekanntgewordenen Preiserhöhung bei der Fernwärme vereinzelt telefonische Beschwerden eingegangen, heißt es. „Die SWFS nimmt die Kritik an den gestiegenen Preisen sehr ernst. Aus diesem Grund wird das bestehende Fernwärme-Preissystem derzeit umfassend überprüft“, so Hofmeister.
Das bisherige Fernwärme-Preissystem werde derzeit durch ein unabhängiges Institut neu ermittelt. Es sei geplant, die Ergebnisse bis zur Sommerpause des Schwandorfer Stadtrats vorstellen zu können.