Bizarr: Waffen-Spende für Bedürftige in der Gemeinde Weiding

Alle Jahre wieder hat der Energie-Sachverständige Dr. Erwin Aumer kurz vor Weihnachten der Gemeinde Weiding (Landkreis Cham) rund 2000 Euro für Bedürftige gespendet. Das ging lange gut. Doch nun hat es bizarr geendet: Denn von dem Geld wurden unter anderem Waffen gekauft.
Bürgermeister Daniel Paul hat dafür eine Erklärung aus der Gerichtsverhandlung: „Bedürftig ist ein großes Wort, und das gilt auch für Schützenvereine, die etwas brauchen.“
Gewaltig auseinandergelebt
„Dem Menschen ist ein Mensch noch immer lieber als ein Engel!“ Unter schriftlichem Zitat dieses Mottos von Lessing hatte Aumer am 6. Dezember 2023 wieder 2000 Euro überreicht. Diese Spendenaktion dürfte aber die letzte gewesen sein, denn man hat sich darüber gewaltig auseinandergelebt.
Und das kam so: In den Jahren zuvor hatte die Spenden immer Gemeindemitarbeiter Johann Macht weitergeleitet. Problemlos. Aufgeteilt in jeweils 400 Euro wurden Bedürftige bedacht. Diesmal sollten es fünf Bewohner des Seniorenheims sein. „Als ich mich dann im Januar erkundigte, hatte dort niemand Geld bekommen“, sagt Aumer. Es habe sich herausgestellt, dass diesmal Bürgermeister Daniel Paul das Geld verteilt habe, weil Macht krank gewesen sei. Auf Anfragen habe der Bürgermeister nicht geantwortet.
Vergleich vor Gericht
Aumer hat Bürgermeister Daniel Paul daraufhin verklagt, und es kam zu einem Prozess vor dem Chamer Amtsgericht, wo er laut Protokoll die Vorfälle genauso geschildert hat. Bürgermeister Daniel Paul hat auf Anfrage unter anderem auf seine Aussage dort verwiesen. Er habe in den Jahren zuvor die Geldgeschenke im Beisein des Gemeindemitarbeiters Macht übergeben. Macht bearbeite die Sozialhilfefälle und habe die Leute ausgewählt. 2023 aber habe man über den Personenkreis nicht gesprochen, Macht sei verhindert gewesen, und er habe das Geld dann selbst verteilt.
In einem Vergleich urteilte das Gericht, dass der Bürgermeister die Empfänger des Geldes informieren müsse, wer an sie gespendet habe. Das wiederum führte zum Gau.
Was heißt eigentlich bedürftig?
Denn bei Aumer bedankten sich Schützenvereine, die für das Geld Waffen für ihr Schießtraining angeschafft hatten. Das traf den Spender völlig unerwartet: „Waffen? Von meiner Spende? Was hat das mit dem Spendenzweck der Bedürftigkeit zu tun?“
Waffen? Von meiner Spende? Was hat das mit dem Spendenzweck der Bedürftigkeit zu tun?
Dr. Erwin Aumer, Spender und Energie-Sachverständiger
Bürgermeister Daniel Paul ist ohnehin sauer auf Aumer, weil dieser ihn vor Gericht zitiert hat. „Nach einem halben Jahr. Und ohne mit mir nochmal zu reden...“ Er hat eine Erklärung für seine Verteilungsaktion: „Das war auch vor Gericht ein Thema: Bedürftig ist halt ein großes Wort. Es bedeutet, dass jemand Geld braucht. Und das gilt eben auch für die Jugendarbeit in den Vereinen. Und der Schützenverein braucht dafür halt Waffen.“ Der Bürgermeister bleibt dabei: „Aus unserer Sicht ist daran nichts verwerflich.“
„Dann tut es mir leid...“
Der Bürgermeister hat nun den Spender im Visier: „Ich will auch keine Spenden mehr von ihm. Es war ohnehin oft schwierig, weil manche Leute es sich verbeten haben, als bedürftig angesehen zu werden. Schade, dass es so läuft, aber dann tut es mir leid.“
Das war auch vor Gericht ein Thema: Bedürftig ist halt ein großes Wort. Es bedeutet, dass jemand Geld braucht. Und das gilt eben auch für die Jugendarbeit in den Vereinen. Und der Schützenverein braucht dafür halt Waffen.
Daniel Paul, Weidinger Bürgermeister
Der Energieeffiizienz-Experte Dr. Aumer will auch keine weitere Energie mehr auf Spenden an die Gemeinde verschwenden. Er sucht sich gerade neue Adressaten.