Nominierung von Wopperer zum OB-Kandidaten sorgt für klare Verhältnisse bei der CSU in Schwandorf

Von Martin Kellermeier, Caroline Keller · 10. Mai 2025 um 05:00

Diesen Vorgang gab es bei der CSU Schwandorf noch nie: Am Donnerstagabend standen sich in einer Kampfabstimmung mit dem amtierenden Oberbürgermeister Andreas Feller und seinem Stellvertreter Andreas Wopperer gleich zwei Bewerber für die OB-Kandidatur 2026 gegenüber. Wopperer setzte sich bekanntlich deutlich mit 77 Prozent der Stimmen durch. Das Ergebnis sorgt im Nachgang für Jubel und Frust zugleich.

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Lange Gesichter gab es vor allem bei OB Feller und seiner Frau Susanne, die in einer der vorderen Reihen in der Gaststätte im Tierzuchtzentrum Platz genommen hatten. Als Versammlungsleiter Christoph Götz das Ergebnis verkündete, herrschte Ernüchterung im Lager des Amtsinhabers. Nur 16 der 70 Delegierten machten ihr Kreuz beim amtierenden OB, der Rest stimmte für Wopperer.

Feller zeigte Größe und gratulierte dem Gewinner per Handschlag. Danach verließ er aber gegen 20.20 Uhr mit seiner Gattin auf schnellem Wege als einer der Ersten den Raum.

Sie trafen die Entscheidung am Donnerstag: Die Mehrheit der 70 CSU-Delegierten stimmte für Wopperer. - Foto: Martin Kellermeier

Die Fellers dürften nicht nur wegen des Abstimmungsergebnisses bedient gewesen sein. Denn schon zuvor hatten Ehrenvorsitzender Michael Kaplitz und Wopperer kaum ein gutes Haar am Amtsinhaber gelassen. Sätze wie „Der amtierende OB hat sich in der Vergangenheit einige Fehlleistungen erlaubt“ oder „So und mit ihm kann es nicht weitergehen“ schallten vom Rednerpult direkt in Richtung Fellers.

CSU-Stadtrat Peter Wilhelm ist nach der Versammlung verärgert

Das stößt auch CSU-Stadtrat Peter Wilhelm sauer auf, der als Gast bei der Nominierungsversammlung anwesend war. Er zeigt sich am Tag danach gegenüber der MZ als Einziger unzufrieden mit Wopperers Nominierung. Der Bezirkskaminkehrmeister hatte sich bereits in der Vergangenheit als einer der letzten Unterstützer Fellers bezeichnet.

Zum Ergebnis der Nominierungswahl hat sich auch MZ-Redaktionsleiter Martin Kellermeier Gedanken gemacht. Er zeigt in seinem Kommentar zwei Möglichkeiten auf, die der unterlegene OB Feller nun hat. Seinen Meinungsartikel lesen Sie hier

Den Auftritt dessen Widersachers bei der Nominierungsversammlung wertet er als Trauerspiel: „In seiner Vorstellung ist er nicht auf seine Vita eingegangen, sondern hat alles, was man schon aus der Presse weiß, wiederholt und den anderen Kandidaten schlecht gemacht.“ Das habe ihn gestört, ändern konnte er es aber nicht. Wilhelm war keiner der 70 stimmberechtigten Delegierten. „Das letzte Wort haben nun die Schwandorfer“, findet Wilhelm mit Blick auf die OB-Wahl 2026. Er befürchtet, dass die CSU künftig nicht mehr den Rathauschef stellen werde.

100 Prozent der Stimmen gegen den amtierenden OB wären utopisch. Es war auch so deutlich genug.

Andreas Wopperer, OB-Kandidat der CSU

Ganz andere Töne hört man dagegen aus dem Lager Wopperers, das am Donnerstagabend deutlich in der Überzahl war. Der frisch gebackene OB-Kandidat zeigt sich am Tag danach mehr als zufrieden mit seinem Abschneiden. „100 Prozent der Stimmen gegen den amtierenden OB wären utopisch. Es war auch so deutlich genug“, meint der langjährige Fraktionschef der CSU.

„Es war ein klares Ergebnis, das im Endeffekt auch so vorhersehbar war“, kommentiert die Schwandorfer Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf. Die Bundespolitikerin hatte Wopperers Kandidatur bereits im Vorfeld unterstützt. Schließlich sei der 51-Jährige, so MEK, äußert engagiert und fachlich sehr versiert. „Er kennt die Stadt und die Themen der Region“, betont Englhardt-Kopf. Sie werde ihren Parteifreund mit ganzer Kraft im Wahlkampf unterstützen.

Ein klareres Votum hätte es auch für Christoph Götz, Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Schwandorf, nicht geben können: „Es braucht im Rathaus einen Neuanfang.“ Er gehe davon aus, dass Wopperer gute Chancen beim Urnengang im kommenden Frühjahr habe. „Er ist draußen bei den Leuten, bei den Vereinen sowie den Feuerwehren präsent und in der Stadt bekannt“, so Götz.

Stephan Mändl hat viel Lob für Andreas Wopperer übrig

Auch Stephan Mändl, Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Neukirchen, erachtet das Ergebnis als hervorragend: „Herr Wopperer hat durch sein jahrelanges Wirken als Stadtrat und Fraktionsvorsitzender sich ein umfassendes Wissen angeeignet, das er als möglicher OB zu 100 Prozent einsetzen kann.“ Für Mändl habe sich während der Nominierungsversammlung noch einmal herauskristallisiert, dass Feller in den vergangen zwei Jahren zu viele Fehler unterlaufen wären. Dies hätte auch zu Schwierigkeiten für die Partei geführt.

Andreas Feller hat sich dem offenen und transparenten Verfahren gestellt, was ausdrücklich anzuerkennen ist.

Alexander Flierl, CSU-Kreisvorsitzender

Landtagsabgeordneter Alexander Flierl gibt sich indes in seiner Funktion als CSU-Kreischef staatsmännisch. „Die Abstimmung um die Nominierung als Oberbürgermeister zwischen zwei Kandidaten unterstreicht die gelebte demokratische Kultur und Meinungsvielfalt innerhalb unserer Partei“, erklärt er.

Die Abstimmung verdeutliche, dass die Mitglieder den Wunsch nach einer inhaltlichen und personellen Neuaufstellung verfolgten. „Andreas Feller hat sich dem offenen und transparenten Verfahren gestellt, was ausdrücklich anzuerkennen ist. Dem gewählten Kandidaten Andreas Wopperer gratuliere ich zur überzeugenden Nominierung“, erklärt Flierl abschließend.