Blick auf 1971: „Belegung des Kreiskrankenhauses Roding ist so gut, dass sie bereits Sorgen macht“

Von Mittelbayerische Zeitung · 11. Mai 2025 um 05:00

Der Jahresrückblick des Kreiskrankenhauses Roding – darüber berichtete das Bayerwald-Echo im Januar 1972 – liest sich heute wie ein schönes Märchen. „Die Belegung des Kreiskrankenhauses Roding ist so gut, dass sie bereits Sorgen macht“, seufzte Landrat Ernst Girmindl anlässlich der Vorlage der Zahlen für das Jahr 1971.

Die Zahl der Pflegetage hat sich in den drei Jahres des Betriebes des neuen Rodinger Krankenhauses sprunghaft von 69.026 auf 91.304 erhöht. Im Dezember 1971 kam es gar zu einer Spitzenbelegung von 267 Patienten bei 230 Planbetten, obwohl die Verweildauer bereits beschränkt worden war.

„Die durchschnittliche Belegung von 103 Prozent 1971 nimmt nicht wunder, wenn man erfährt, dass die Patienten aus nicht weniger als neun Landkreisen kommen“, heißt es in den Zeitungsbericht. Diese hohe Ausnutzung, der hervorragende Ruf der Ärzte, die moderne technisch-medizinische Einrichtung und die gute Pflege bei niedrigen Personalkosten machten es möglich. Der Landkreis Cham musste neben den Schuldendienst keine wesentlichen Zuschüsse für das Rodinger Kreiskrankenhaus aufwenden. Neue medizinische Geräte trugen zu einer weiteren Verbesserung der ärztlichen Versorgung der Patienten bei.

Wie kerngesund die Basis des Krankenhauses war, zeigte die Statistik des Jahres 1971. So ist zum einen die Belegzahl, die von 3745 (1969) über 4109 (1970) auf 4505 (1971) angestiegen. Während im Durchschnitt ein Krankenhaus zu 85 bis 90 Prozent belegt war, um Reserven zu haben, schmolz dieser an sich notwendige Spielraum auf den Nullpunkt.

525 Geburten verzeichnet

Die durchschnittliche Belegung der 230 Planbetten lag 1971 bei 103 Prozent. Dabei war die Tendenz ansteigend, wenn man überlegte, dass im Dezember 1971 eine Spitzenbelegung von bis zu 267 Patienten erreicht wurde.

Die Gesamtzahl der jährlichen Pflegetage wuchs seit 1969 von 69.026 auf 91.304 im Jahr 1971. Trotz des allgemeinen Geburtenrückgangs stieg die Zahl der betreuten Säuglinge von 403 im Jahre 1969 auf 525 im Jahr 1971.

Niedrige Personalkosten

Zur Wirtschaftlichkeit des Rodinger Hauses trug bei, dass die Personalkosten laut Statistik mit 27,21 Mark je Bett und Pflegetag erheblich unter dem Landesdurchschnitt von 32,36 Mark für Krankenhäuser vergleichbarer Größenordnung lag. 202 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einschließlich 44 Schwesternschülerinnen und der Teilzeitkräfte waren in Lohn und Brot im Rodinger Krankenhaus.

Chefarzt der gynäkologischen Abteilung war Dr. Müller, Chefarzt der Inneren Abteilung Dr. Kampe. Medizinischer Direktor und Chefarzt war Dr. Engert. Ihnen stand jeweils ein Oberarzt zur Seite.

Großer Einzugsbereich

Wie es zu dem Patienten-Boom in Roding kam, wurde deutlich, wenn man erfuhr, wie groß der Einzugsbereich war, der sich in dieser kurzen Zeit um das Haus gebildet hatte. Neben 1307 Patienten aus dem Rodinger Raum kamen aus Gebiet des neuen Großlandkreises Cham mit Kötzting und Waldmünchen nicht weniger als 265 Patienten. Aus Neunburg vorm Wald kamen 153 Patenten, und 586 Patienten aus dem Bereich der AOK Regensburg (zu dem auch Nittenau und Falkenstein gehörten). Von den Betriebskrankenkassen Vaillant und Siemens wurden 186 beziehungsweise 66, von weiteren Betriebskrankenkassen 128 Mitglieder betreut, ferner von Ersatzkassen, 102 von der Bundeswehr und 624 privat aus allen Gebieten des Einzugsbereiches.

Landrat Girmindl meinte damals angesichts dieser Bilanz für das Krankenhaus Roding, dass man im neuen Landkreis sicher auch von den bereits vorhandenen Schwerpunkten im Krankenhauswesen aus gehen werde – ein Trugschluss, wie sich heute, nach rund 40 Jahren, herausstellt.