Brot für den guten Zweck: Riedener backt für die Renovierung der Schloßbergkapelle

Nur rund 150 Meter entfernt von der Schloßbergkapelle wohnt und arbeitet Bäckermeister Georg Grosser. Das kleine Gotteshaus liegt oberhalb des Riedener Marktkerns und grüßt hinaus ins Vilstal. „Als kloane Boum hatten wir die Aufgabe, die Schloßbergkapelle am Abend zum Gebetläuten zusperren zu dürfen“, erinnert sich der „Stieglbäck“ gerne an seine Kindheit, in der das Riedener Wahrzeichen immer wieder vorkommt. Deshalb möchte er die Zukunft des Gotteshauses unterstützen.
Stieglbäck ist der Hausname des Anwesens am Marktplatz, der seit Generationen für die Bäckerfamilie in Rieden steht. Auch Georgs Kinder durften sich schon um das Abschließen der Kapelle kümmern. Die Verbindung der Bäckersfamilie mit der Schloßbergkapelle ist deutlich zu spüren. Die im Jahre 1776 erbaute Kapelle ist dringend renovierungsbedürftig und der Innenraum mittlerweile gesperrt.
Die Sanierung steht bevor
Die Sanierung steht bevor, noch im Herbst sollen die Arbeiten im Auftrag der Marktgemeinde starten. Vielen Riedenern ist die Schloßbergkapelle sehr ans Herz gewachsen und so haben sich schon etliche Bürger gefragt, ob man bei der Sanierung mithelfen oder dafür spenden könne. Auch für Georg Grosser, dessen Familienwurzeln in Rieden um das Jahr 1754 mit dem ersten „Stieglbäck“ Hubert Grosser beginnen, ist die Schloßbergkapelle und deren Sanierung eine Herzensangelegenheit.
Als der Bäckermeister eine der Theateraufführungen der Goaslandler kurz nach Weihnachten besucht, bekommt er die Spendenübergabe der Theatergruppe an den Heimatverein Rieden für die Sanierung der Schloßbergkapelle mit. „Ich habe an diesem Abend mit dem Heimatvereinsvorsitzenden Hubert Haas ausgemacht, dass ich mit meiner Bäckerei eine Aktion für die Kapelle starten möchte“, erklärt Georg Grosser. Der Name des Brotes ist für beide schnell klar: Kapellenbrot. Der Erlös daraus wird von ihm für die Kapellensanierung gespendet. Seit Januar backt der „Stieglbäck“ das besondere Roggenmischbrot, dass aus einem selbst angestellten Natursauerteig entsteht.
Grosser schwört auf Dreistufensauerteig
„Qualitativ geht nichts über einen Dreistufennatursauerteig, wenn er selbst hergestellt wird“, zeigt sich Georg Grosser stolz. Als Grundlage dient ein Roggennatursauerteig, mit dem schon sein Vater gearbeitet hat. Der Grundlagensauerteig wird dabei immer wieder vermehrt und neu angestellt mit Roggenmehl. Die erste der drei Stufen führt Georg Grosser am Vortag um die Mittagszeit, an die letzte Stufe macht sich der Bäckermeister um Ein Uhr in der Nacht, damit dass Brot früh am Morgen im Laden ausliegt. „Beherrscht man den Teig richtig, geht er auch nie kaputt“, erklärt Georg Grosser.
Vieles muss dabei beachtet werden, etwa der korrekte PH-Wert und das richtige Verhältnis von Milch- und Essigsäurebakterien. „Meine Kinder haben das mit dem Natursauerteig schon mitbekommen von Klein auf. Man muss sich täglich drum kümmern und den Teig richtig führen. Einmal habe ich zu meinen Söhnen beim Teig-Abdecken gesagt: Jetzt muss der Teig schlafen gehen, dann sind meine Kinder auch freiwillig selber Schlafen gegangen“, lacht Georg Grosser.
Wenn Brote Liebe machen
Das Kapellenbrot ist eine besondere Mischung und hat so die Geschmackseigenschaften verschiedener Brote. Mit einem Schmunzeln beschreibt der Bäckermeister die ganz spezielle Sorte: „Der Kundschaft habe ich es mal so erklärt: Wenn das normale Bauernbrot und das dunkle Bauernbrot Liebe machen würden, käme das Kapellenbrot dabei raus“. Geplant war das Angebot des Kapellenbrotes für den guten Zweck bis Ostern, aber aufgrund der hohen Nachfrage bietet Georg Grosser die Wecken in seinem Laden bis mindestens Pfingsten an. „Ich esse das Kapellenbrot selbst sehr gern, am liebsten mit Frischkäse drauf“, so Grosser.
Das Brot gibt es an jedem Öffnungstag, ist stets bei Ladenschluss ausverkauft. Die handwerklichen Naturprodukte, wie der Stieglbäck seine Backwaren mit Stolz nennt, stellt er in der Generation der „Stieglbäcks“ seit 1991 als Bäckereiinhaber her. 1990 erhielt er in der Meisterschule in München seinen Meisterbrief überreicht.
Früher waren an die Bäckerei der Familien eine Gastwirtschaft und eine Landwirtschaft angeschlossen. Laut Georg Grosser ist er im südlichen Landkreis Amberg-Sulzbach der einzige Bäckermeister, der im eigenen Bäckerhandwerksbetrieb seine Produkte mit dem selbst hergestellten Natursauerteig backt. Wenn die Aktion des Kapellenbrotes für den guten Zweck beendet ist, erfolgt die offizielle Spendenübergabe an den Riedener Heimatverein.