Polizei riegelte Metzgerei Wolf ab - Ehemaliger Mitarbeiter bangte draußen um seine Ehefrau

Am Freitagvormittag kam es bei der Metzgerei Wolf in Schwandorf zu einem Großeinsatz. Weil eine akute Gefährdungslage gemeldet wurde, durchkämmten Polizisten teils schwer bewaffnet das Firmengelände. Draußen beobachteten einige Schaulustige die spektakulären Szenen. Einer von ihnen war ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma. Er bangte um seine Frau, die sich noch im Gebäude befand.
Gegen 10 Uhr herrschte Am Ahornhof im Schwandorfer Osten Ausnahmezustand. Im Minutentakt eilten Polizeistreifen mit Blaulicht zum Wolf-Firmengelände. Die Polizisten trugen ballistische Helme und Schusswesten. Teilweise hatten sie die Maschinenpistolen im Anschlag.
Wegen der Erstmeldung gingen die Beamten davon aus, dass sich bis zu 20 Täter mit Stichwaffen und Pistolen in der Produktionsstätte verschanzt hätten. In mehrere Gruppen aufgeteilt durchkämmten die Beamten das Gelände, Polizeihunde begleiteten sie dabei.
Mitarbeiter wurden im Büro verbarrikadiert
Der Einsatz sorgte natürlich für Aufsehen. Vor der Pforte versammelten sich einige Schaulustige – unter ihnen auch ein ehemaliger langjähriger Mitarbeiter der Firma. Der Mann aus Schwandorf, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte, wurde von seiner Frau über den Vorfall informiert.
Da geht der Puls natürlich in die Höhe“
Ein ehemaliger Wolf-Mitarbeiter wurde von seiner Frau über den Einsatz informiert
Diese arbeitet noch immer bei der Metzgerei Wolf und befand sich zum Zeitpunkt des Notrufs im Gebäude. Per Handy hatte sie ihren Ehemann kontaktiert, dieser war dann sofort zur Produktionsstätte geeilt. „Da geht der Puls natürlich in die Höhe“, sagte der Mann und las die Nachricht vor, die er von seiner Frau gegen 10 Uhr bekommen hatte. „Müssen jetzt alle im Controllingbüro bleiben. Polizei ist draußen, angeblich Bedrohungslage. Es soll einen Anruf bei der Polizei gegeben haben, dass ein Überfall ist und Männer mit Messern herumlaufen. Keine Ahnung, ob das echt ist oder ein Fake.“
Polizei konnte schnell Entwarnung geben
Die Polizei konnte dahingehend dann Gott sei Dank schnell Entwarnung geben. In einer ersten Bilanz schilderte Polizeisprecher Dominik Lehmeier, dass die Bedrohung in der zunächst gemeldeten Form nicht stattgefunden habe. Es seien definitiv keine 20 bewaffneten Männer vor Ort gewesen. „Zu einer Gefährdung der Bevölkerung und der Mitarbeiter kam es zu keiner Zeit“, so Lehmeier.
Der Einsatz der Polizei war mit der ersten Entwarnung aber noch längst nicht beendet. Man wollte zu 100 Prozent sicher gehen, dass nicht doch noch irgendwo eine Bedrohung vorherrscht. Außerdem klärte man, wie es zu der Erstmeldung kommen konnte.





Die Ermittler konnten dann schnell weiter Licht ins Dunkel bringen. Ein 30 Jahre alter Mitarbeiter der Metzgerei, der sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden hatte, habe offenbar den Notruf abgesetzt. Das teilte Corinna Wild, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz, gegen 11.30 Uhr vor Ort mit. Die zunächst geschilderte Bedrohungslage hatte sich also als Falschmeldung entpuppt. Gegen 11.45 Uhr verließen die letzten Streifen das Firmengelände.
Geschäftsinhaber lobt die Arbeit der Einsatzkräfe
Auch Geschäftsinhaber Christian Wolf wurde über den nervenaufreibenden Vorfall in Kenntnis gesetzt. Er verweilte am Freitag geschäftlich in Berlin und hatte sich über die Entwicklungen in Schwandorf fortlaufend informieren lassen. Der Firmenchef habe sich über die Meldung gewundert, wie er der MZ am Telefon erzählt. Schließlich müssten seine Mitarbeiter täglich gleich beim Eingang eine Hygieneschleuse passieren und sich umziehen. „Da wüsste ich nicht, wie man da mit einer Waffe durchkommen sollte“, so Wolf.
Sie sind schnell eingeschritten und haben umsichtig gehandelt“,
Firmenchef Christian Wolf lobte den Einsatz der Polizei
Natürlich sei er froh, dass sich die anfänglich gemeldete Bedrohungslage dann schnell aufgelöst habe. „Zum Glück war das nichts Gefährliches.“ Die Produktion sei dann nach gut eineinhalb Stunden wieder aufgenommen worden. Christian Wolf war es ein Anliegen, sich bei den eingesetzten Kräften zu bedanken. „Sie sind schnell eingeschritten und haben umsichtig gehandelt“, lobte der Firmenchef.
Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) hatte ebenfalls von dem Vorfall beim Lebensmittelhersteller erfahren. Er sei erleichtert, dass es keine Verletzten gab und „der Einsatz moderat abgelaufen ist“. Der OB zollte der Polizei seinen Respekt. „Ich bin erfreut, dass bei uns am flachen Land innerhalb so kurzer Zeit eine so große Polizeipräsenz möglich ist, um im Ernstfall Schlimmeres zu verhindern“, so der Rathauschef gegenüber der MZ.