Warum in Regensburg Zebras ausgezeichnet werden – und was Einhörner damit zu tun haben

Von Lorenz Nix · 8. Mai 2025 um 17:00

Die TechBase in Regensburg hat einen neuen Award für junge, nachhaltige Unternehmen ins Leben gerufen. Der Name der Auszeichnung zeigt: In der Start-up-Welt geht es mitunter ziemlich tierisch zu.

Fabelwesen gibt es nicht nur in Fantasy-Romanen. Einhörner zum Beispiel haben auch in der Gründerszene ihren festen Platz. So werden Start-ups bezeichnet, deren Wert auf über eine Milliarde US-Dollar beziffert wird. Im „Gründerzoo“ gibt es aber noch weitere Tierarten: In Regensburg rücken im Rahmen einer neuen Auszeichnung nun Zebras in den Fokus.

Die Wildtiere unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den gehörnten Fabelwesen. Das ist einmal natürlich das Aussehen. Zudem sind Zebras Herdentiere, kommen also in freier Natur in größeren Gruppen vor. Einhörner hingegen gelten in den allermeisten Fantasy-Welten als sehr seltene Einzelgänger. Dementsprechend machen sie sich auch im Start-up-Business rar. Aktuell gibt es in Deutschland wohl knapp 30 Einhörner – darunter bekannte Namen wie die KI-Übersetzungsfirma DeepL, das Fernbusunternehmen Flix oder der Neobroker TradeRepublic.

Zebras in der Start-up-Welt: Streifen mit Bedeutung

Zebras sind hingegen häufiger. Deren Kategorisierung orientiert sich auch nicht an einer fixen Bewertungskennzahl wie bei den Einhörnern. Vielmehr handelt es sich bei Zebras um Start-ups, die profitables Wachstum und nachhaltige Aspekte miteinander verbinden. Dafür steht auch das zweifarbige Fell: Die schwarzen Streifen stünden für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, die weißen Streifen seien Ausdruck des positiven gesellschaftlichen Einflusses, erklärt Andreas Auberger. Der Start-up-Experte verantwortet den Bereich Gründungsförderung in der TechBase in Regensburg.

Die Start-up-Schmiede, eine 100-prozentige Tochter der Stadt Regensburg, feiert nächstes Jahr ihren 25. Geburtstag. Natürlich sei das Thema Nachhaltigkeit seit Schaffung des Gründerzentrums immer wichtiger geworden, sagt TechBase-Geschäftsführer Alexander Rupprecht. Das verwundert wenig: Schließlich sind der Klimawandel, die weltweite Ressourcenknappheit oder ein weiteres Auseinanderdriften von Arm und Reich einige der aktuell drängendsten Herausforderungen. Dass bei deren Bewältigung auch innovative Ideen von Gründerinnen und Gründern beitragen können, liegt auf der Hand.

Um entsprechende junge Unternehmen dabei zu unterstützen und ihnen mehr Sichtbarkeit zu verleihen, hat die TechBase einen neue Auszeichnung ins Leben gerufen: den „Zebra-Award“. Erstmals verliehen wird der Preis am 4. Juni im Rahmen der Regensburger Nachhaltigkeitswoche im Haus der Bayerischen Geschichte. Man wolle den Zebra-Unternehmen damit sagen, „super, dass ihr in dem Bereich aktiv seid“, erklärt Rupprecht.

Sie präsentierten den neuen „Zebra-Award“: TechBase-Geschäftsführer Alexander Rupprecht (von links), sein Kollege Andreas Auberger und Katja Punk, Projektkoordinatorin bei der Stadt Regensburg. - Foto: Lorenz Nix

Noch bis zum 12. Mai, 12 Uhr, können sich Start-ups aus Regensburg und der Oberpfalz, deren Gründung maximal acht Jahre zurückliegt, für die Auszeichnung bewerben. Bedingung: Sie müssen einen Beitrag zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen leisten. Das sind zum Beispiel „Keine Armut“, „Geschlechtergleichheit“ oder „Nachhaltige Städte und Gemeinden“.

Mit dem Award, der von der Stadt Regensburg, der P-29-Group, Krones und der Volksbank Raiffeisenbank Regensburg-Schwandorf gesponsert wird, wolle man „gute Ideen aus der Region unterstützen“, sagt Auberger. Es gibt auch ein Preisgeld: Der Sieger erhält 10 000 Euro, zweiter und dritter Platz bekommen 3000 beziehungsweise 2000 Euro. Gerade in der Anfangsphase eines Start-ups könnten auch solche kleinen Summen einen Unterschied machen und entscheiden, ob ein junges Unternehmen überlebe oder nicht, so der Experte.

Wer bekommt den „Zebra-Award“? Jury kürt Anfang Juni den Sieger

Beim Finale des „Zebra-Awards“ werden sechs Gründer beziehungsweise Teams auf der Bühne stehen und ihr Start-up präsentieren. Diese werden von einer ersten Jury aus den eingesandten Bewerbungen ausgewählt. Am 4. Juni im Haus der Bayerischen Geschichte wird dann eine zweite, vierköpfige Jury die Konzepte bewerten und einen Sieger küren.

Die TechBase kooperiert bei der Auszeichnung mit der Energieagentur Regensburg, dem Netzwerk „Ostbayern handelt!“ (OHA) sowie der Stadt Regensburg. Letztgenannte veranstaltet auch die Nachhaltigkeitswoche Anfang Juni. Die passe perfekt mit dem Award zusammen, sagt Katja Punk, Projektkoordinatorin bei der Stadt. Zumal das Motto der Aktionswoche „Zukunft ist jetzt“ sei. Herausforderungen durch den Klimawandel und Co dürften nicht mehr aufgeschoben werden, so Punk. Welche Innovationen aus der Oberpfalz bei der Bewältigung der Probleme einen Beitrag leisten können, könnte sich bei der Preisverleihung im Juni zeigen.

Einhörner sind wohl neben den Löwen aus der Fernsehshow "Die Höhle der Löwen" die bekanntesten "Tiere" im Gründerkosmos. - Foto: dpa

Übersicht: Ein Blick in den Start-up-Zoo

• Einhörner: Sie sind die bekanntesten Start-up-Typen. Es gibt aber nur wenige von ihnen – das Kriterium: eine Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar.

• Zebras: Manche sehen darin einen Gegenentwurf zum Einhorn. Denn Zebras streben nicht nur nach Wachstum, sondern wollen gleichzeitig Nachhaltigkeitsziele erreichen.

• Pferde und Kühe: Nur wenige Webseiten listen diese beiden Start-up-Typen auf. Laut der Webseite „Deutschland- startet“ wollen Pferde zwar stark wachsen, sind dabei aber sehr offen für Kooperationen mit anderen Start-ups. Kühe hingegen stehen für langsames, dafür aber sehr stabiles Wachstum.

• Löwen und Tiger: Eine bekannte Fernsehshow, in der Gründer ihre Ideen Investoren vorstellen, heißt „Die Höhle der Löwen“. In Regensburg gibt es regelmäßig das daran angelehnte Event „Tiger der TechBase“.