Regensburgs gefährlichster Leerstand: Weil das Adlerhaus bröckelt, muss eine Gasse gesperrt werden

Seitdem das Kaufhof-Gebäude am Neupfarrplatz verwaist, ist das Adlerhaus an der Thundorferstraße nicht mehr der bekannteste Leerstand Regensburgs – seit Dienstag ist allerdings klar: Die Schrott-Immobilie in bester Donau-Lage ist der gefährlichste Leerstand der Stadt. Nun schritt sogar die Polizei ein.
Polizei-SprecherTobias Spangler bestätigt den Einsatz. Ihm zufolge seien zwei Mitarbeiter der Sicherheitswacht am Dienstagnachmittag an der Ruine vorbeigekommen und hätten festgestellt, dass der Putz zur Lindnergasse hin derart bröckelt, dass es gefährlich wird für Passanten. Die Sicherheitswacht alarmierte die Polizei, die wiederum zog die Feuerwehr hinzu – und die schaltete schließlich die Stadt ein.
Sprecherin Katrin Butz teilt auf Anfrage mit, dass der Bauhof die Lindnergasse abgesperrt hat, weil herabfallende Putzteile eine Gefahr für Passanten darstellen. Das geschah gründlich. Es gibt kein Durchkommen mehr. Das Bauordnungsamt hat nach einer Kontrolle vor Ort die Eigentümer kontaktiert und aufgefordert, die Mauer zu sichern und auf lose Teile hin zu überprüfen. Wie lange die Gasse gesperrt bleibt, ist in der Folge unklar.

Anwohner sind sauer: Wann handeln die Behörden endlich?
Das Adlerhaus, dass der Unternehmerfamilie Adler gehört, sorgt bei Nachbarn seit Jahren für Ärger. Eine Anwohnerin berichtet der MZ, dass die Wand bereits am vergangenen Freitag abgebröckelt ist. Nun habe die Stadt endlich reagiert – allerdings so, dass die Bewohner nicht mehr in die Gasse können. Zu ihr habe just am Dienstag ein Handwerker kommen sollen. Der musste aufgrund der Sperre allerdings unverrichteter Dinge abrücken.
Die Anwohnerin ist sauer: „Seit über 20 Jahren unternimmt die Stadt nichts gegen den Eigentümer des Gebäudes.“ Inzwischen sei die Ruine gar ein Anziehungspunkt für Touristen – als eine Art „negativer Besonderheit“ der Welterbestadt. Für die Regensburgerin ist klar: „Das Gebäude ist eine Gefahr für Regensburgs Umwelt.“ Jeder andere Hausbesitzer bekomme Probleme, wenn er ein Haus derart lang verfallen lasse, sagt die Anwohnerin. Sie fragt: „Warum gehen die verantwortlichen Ämter nicht schon längst gegen den Eigentümer vor?“ Sollte nichts anderes möglich sei, müsse man zu drastischeren Mitteln greifen, sagt die Regensburgerin: „Wenn es sein muss auch mit Enteignung!“ Eine Idee, die auch bei anderen Anwohnern, mit denen die MZ gesprochen hat, auf fruchtbaren Boden fällt.
Adlerhaus: Streit mit der Stadt Regensburg schwelt seit Jahren
Was hat die Stadt nun vor? Sprecherin Butz weist darauf hin, dass das Anwesen Teil des denkmalgeschützten Ensembles Altstadt Regensburg mit Stadtamhof ist. „Es ist allerdings kein Einzelbaudenkmal und unterliegt daher nicht dem entsprechenden rechtlichen Rahmen.“ Die Untere Denkmalschutzbehörde sei schon mehrfach an den Eigentümer herangetreten, um eine Beeinträchtigung des Ensembles durch dieses Haus zu vermeiden.
Den Behörden ist das verfallene Haus seit Jahren ein Dorn im Auge. Immer wieder versucht die Stadt, den Besitzer zu einer Sanierung zu zwingen. Aufgrund einer denkmalrechtlichen Anordnung seien zum Teil verrußte Partien vor einigen Jahren überstrichen worden. Diese Anordnung sei allerdings nur teilweise umgesetzt worden, ließ die Stadt vor einigen Jahren verlautbaren. Problem schon damals: der bröckelnde Putz an der Seite zur Lindnergasse. Dieser wurde entfernt, der Besitzer ließ die Wand allerdings nicht erneut verputzen. Mithin die gleiche Thematik wie dieses Mal. Es liefen denkmalrechtliche Verfahren – eine grundlegende Verbesserung der Situation blieb allerdings aus, wie die Sperre der Lindnergasse nun zeigt.
Besitzer: Freimaurer haben den Putz von der Wand geschlagen
Das Haus an der Thundorferstraße gehört Erhard Adler. Der Unternehmer hatte hier früher seine Adler-Züge stationiert. Seit geraumer Zeit verfällt das Gebäude. Der Geschäftsmann ist in den vergangenen Jahren immer wieder mit bizarren Äußerungen aufgefallen – auch für seine bröckelnde Fassade hat Adler eine entsprechende Erklärung auf Lager. Die Freimaurer seien es gewesen, sagt er am Mittwoch der MZ. Die seien nachts mit einem Lastwagen gekommen und hätten den Putz von der Wand gehauen.
Adler kündigte am Mittwochvormittag an, dass abends der restliche Putz von der Wand geschlagen werde. Auf die Frage, was er denn nun mit dem Gebäude vorhabe, ob er es renovieren wolle oder ob er es verkaufen wolle, setzt Adler zu einer Schimpftirade auf die Stadt an. Diese habe ihm einen gefälschten Bauakt vorgelegt, der noch dazu leer sei. Seit geraumer Zeit verkündet ein Plakat am Haus, dass das Gebäude zu verkaufen sei – auch das bekräftigt Adler im MZ-Gespräch. 8000 Euro will er für jeden der etwa 270 Quadratmeter des Anwesens haben. Macht in Summe also gut zwei Millionen Euro. Exakt diese Summe forderte Adler schon vor zehn Jahren.