Ärger um Regensburger Skatepark: Bedrohen Beschwerden eines Anwohners Szene im Kasernenviertel

Von Marius Göhl · 7. Mai 2025 um 18:00

Skaten ist nicht nur Ausdruck von Jugendkultur, sondern seit 2020 auch olympische Sportart. Und ein Skatepark dient nicht nur als Treffpunkt, für manche ist er gar ein zweites Zuhause. So ist es auch seit Jahrzehnten auf dem Gelände vom JUZ Arena am Unterislinger Weg. Nun gerät dieses Konstrukt ins Wanken. Der Sommer steht bevor und für die Skater und alle anderen Sportler vor Ort damit die Sorge um die größte deutsche Hürde: die Bürokratie.

Denn das Gelände rund um das JUZ Arena fällt in Regensburg unter die Grünanlagensatzung der Stadt. Diese besagt, dass die Nutzung der Flächen nach Anbruch der Dunkelheit beziehungsweise ab 20 Uhr untersagt ist. Und das hat einen Anwohner auf die Bildfläche gerufen, der seit Beginn der Skate-Saison Mitte März Beschwerde gegen die Nutzung des Geländes jenseits dieser Zeiten einreicht.

Es sei der klassische Fall: jemand ziehe wohin und störe sich an dem, was es dort immer gab, sagt Bürgermeisterin Astrid Freudenstein. Der Mann, der wohl fast täglich Beschwerde einreicht, ist nach Informationen unserer Redaktion erst im Winter hergezogen.

Recherche bei Nachbarschaft nein, bei Jura ja

Besondere Vorkenntnisse über die nähere Umgebung scheint er sich beim Kauf seiner Bleibe nicht angeeignet zu haben. Juristische Kenntnisse hingegen hat der Mann sehr wohl. Stand jetzt ist er im Recht.

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Diesbezüglich lässt er sich auch von einer Kanzlei beraten. Und so stehen nahezu täglich Ordnungsamt oder Polizei bereit. „Zwischen 19.45 und 20.30 Uhr kommen sie vorbei und räumen freundlich aber bestimmt das Gelände“, sagt Maxi Becker, Mitglied des Vereins Spot Regensburg.

Es geht nicht um eine Gemeinschaft, die sich gegen die Community verschwört, sondern um eine Einzelperson.

Maxi Becker, Mitglied Spot Regensburg

Mittlerweile seien die abendlichen Einsätze Routine. „Am Anfang wurden immer noch Personalien aufgenommen, wenn sich jemand weigerte, sich auszuweisen. Jetzt sind die Beamten allerdings wesentlich entspannter“, sagt Becker. Dennoch könne dieser Zustand nicht normal werden.

Gerade der anstehende Sommer sei besorgniserregend. „Wenn es lange hell und tagsüber heiß ist, kommen viele erst abends zum Skaten“, sagt Becker. Der Sommer könnte also das Fass endgültig zum überlaufen bringen.

Ist das ganze Areal ein Kinderspielplatz? - Foto: Marius Göhl

Die Stadt Regensburg äußert sich zu den Vorfällen zurückhaltend. „So lange diese Örtlichkeit als Spiel- und Bolzplatz Bestandteil der aktuell gültigen Satzung für die Benutzung der öffentlichen Grün- und Spielanlagen der Stadt Regensburg ausgewiesen ist, ist es nicht möglich, die Nutzungsdauer auf 22 Uhr auszuweiten (...). Eine Änderung von Benutzungszeiten wäre eine politische Entscheidung“, heißt es auf Anfrage der Mediengruppe Bayern.

Ich habe großes Verständnis für die Jugendlichen. Den Skatepark gibt es schon Jahrzehnte. Da war es noch nie leise.

Astrid Freudenstein, Bürgermeisterin

Deshalb wandten sich die Verantwortlichen von Spot Regensburg rund um Tobias Kraus an die Stadt. Gespräche hätten bereits stattgefunden, bestätigt Freudenstein. „Es ist ein spezieller Fall, mit speziellen Personen“, sagt die Bürgermeisterin. Das Thema beschäftige viele Ämter. Unter anderem Kommunale Jugendarbeit, Gartenamt, Planungsreferat – und eventuell müsse das Thema noch durch den Stadtrat. Zeitpunkt einer Lösung: nicht absehbar.

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Die Forderung von Spot Regensburg, der auf seiner Website eine Meldung verfasste, ist klar. Entweder ändere man die Nutzungszeiten und passe diese an andere Sportanlagen wie Fußballplätze an, sodass man bis 22 Uhr unter Einhaltung von Lärmschutzrichtwerten skaten könne. Oder man müsse Ausnahmeregelungen, wie auch in anderen Orten geschehen, zulassen.

Das Ende der Skateszene?

Die Verantwortlichen rund um Spot suchen eine einvernehmliche Lösung. Es solle kein Katz- und Maus-Spiel werden, sondern ein Zeichen lebendiger Gesellschaft für das Recht aller – allerdings ohne dabei das Recht eines Einzelnen zu ignorieren.

Falls sich Stadt, Anwohner und Skate-Community nicht einig werden sollten, wäre nicht nur der anstehende Sommer ein Problem. Aufgrund ähnlicher Szenarien haben sich die Szenen in Straubing oder Pullach bereits zerschlagen.

Die Bürgermeisterin zeigt sich allerdings diesbezüglich selbstbewusst: „Das wird bei uns nicht passieren.“ Auch Becker hofft auf eine schnellstmögliche Lösung. Beim Anwohner sei man allerdings bislang auf Granit gestoßen. Außerdem stelle die Problematik nicht nur für Skater eine Gefahr dar. Auch Basketballer, Mountainbiker und BMXler, Volleyball- und Fußballspieler und sogar die Nutzung des Bauspielplatzes für Kinder sind von dem Problem betroffen.