Bad Kötztinger Schüler plfanzen lebendes Denkmal für jüngste Opfer des Zweiten Weltkrieges

Am heutigen Tag, dem 8. Mai, gibt es viele Veranstaltungen, die an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren erinnern, auch in der Region. Dabei geht es sehr oft um Kriegsschauplätze, um Politik – die Schüler der Realschule der Pfingstrittstadt haben sich mit der Teilnahme am Worldwide Daffodil Project die Erinnerung an Menschen zum Gegenstand gemacht, die an diesem Tag wohl eher selten zur Sprache kommen werden: Rund 1,5 Millionen Kinder, eine Million davon waren Juden, wurden in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet.
„Thomas wurde im Alter von sieben Jahren im Mai 1942 vergast“, liest eine Schülerin vor. Der Ort könnte friedlicher kaum sein: Sie steht im Kurpark im Schatten eines Baumes vor einem Feld, auf dem die 500 Narzissen, die sie gemeinsam mit anderen Schülern im März gepflanzt hatte, bereits halb verblüht sind.
Erinnerung weiter wichtig
Es sind die Schüler des Nachmittags-Biokurses der Realschule, die gemeinsam mit ihrer Lehrerin Ursula Schnell die Narzissen gepflanzt haben. Sie beteiligen sich damit an einer weltweiten Aktion der gemeinnützigen Organisation „Am Yisrael Chai“ (übersetzt: „Das Volk Israel lebt“), einer gemeinnützigen Organisation zur Aufklärung über den Holocaust und den Völkermord.
Die Organisation hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, mit den Narzissen ein weltweit lebendes Holocaust-Denkmal zu errichten. Die Form der Blume soll dabei an den gelben Stern erinnern, den Juden während des Holocaust tragen mussten. „Die Deutschen marschierten 1941 in Griechenland ein, 1944 kam Josef nach Auschwitz, wo er im Alter von 18 Jahren umgebracht wurde.“
„Es ist traurig, dass wir uns acht Jahrzehnte später immer noch damit auseinandersetzen müssen“, sagt Bürgermeister Markus Hofmann bei dem Treffen wenige Tage vor dem Termin des 8. Mai, an dem der Zweite Weltkrieg zumindest in Europa vor 80 Jahren ein Ende gefunden hatte. Doch in Zeiten, in denen es wieder Krieg in Europa und viele Diskussionen um militärische Aufrüstung gebe, sei auch das Erinnern an die Grausamkeiten wieder besonders wichtig. An dieser Stelle im Kurpark neben dem Steinkreis, der aus den Grenzsteinen aller EU-Partnerstädte Bad Kötztings bestehe, sei auch das Andenken an die jüngsten Opfer des Zweiten Weltkrieges gut platziert. Das Projekt erinnere aber nicht nur an die vielen ermordeten Kinder und Jugendlichen während der Zeit des Nationalsozialismus, sagt Lehrerin Melanie Zitzelsberger. Es unterstütze auch Kinder in aktuellen Krisengebieten, aktuell beispielsweise im Sudan.
Immer gleiche Lebensdaten
Mit unterstützt hat die Pflanz-Aktion und damit das Mitwirken der Schüler der Stadt am weltweiten Projekt auch Sabine Ebert vom Bündnis für Toleranz und Menschenrechte im Landkreis Cham. Das Bündnis hatte das Daffodil Project etwa auch in der Kreisstadt Cham mit unterstützt.
„Helen wurde 1944 im Mai im Alter von 13 Jahren in Auschwitz ermordet.“ Eine Schülerin hat gerade die weitere kurze Lebensgeschichte eines Kindes in Ungarn erzählt, dessen Lebensdaten aus nicht mehr als einem Geburtsdatum, dem Einmarsch der Deutschen Truppen in ihr Land ab 1939 und dem Tag der Ermordung in einem Konzentrationslager besteht.
Die Narzissen sind an diesem 8. Mai, dem 80. Jahrestag, an dem die Nazi-Diktatur und damit der Holocaust ein Ende fanden, bereits verblüht. Doch sie werden wieder kommen, jedes Jahr, und auch ohne besonderen Gedenktag daran erinnern, wie viele Kinder Opfer nicht nur dieses Krieges geworden sind – denn auch heute sterben noch überall auf der Welt junge Menschen aufgrund von Kriegen, auch wieder in Europa.