Weltenburger Klosterbrauerei feiert 975 Jahre Bier-Genuss

Mit Pontifikalamt und Festbier: Die Brauerei Weltenburg bei Kelheim hat am Dienstag ihr 975-jähriges Bestehen gefeiert. In der Kirche des Benediktinerklosters eröffnete Abt Thomas Maria Freihart die Jubiläumsfeier mit einem Gottesdienst, anschließend wurde in der Klosterschenke der eigens eingebraute Maibock angestochen. Zahlreiche Gäste stießen gemeinsam an und gedachten einer fast tausendjährigen Brautradition.
„Ob ihr esst oder trinkt – tut alles zur Ehre Gottes.“ Mit diesem Satz aus dem ersten Korintherbrief eröffnete Freihart seine Predigt – und beantwortete damit zugleich die Frage, die er sich selbst gestellt hatte: Gehört ein Brauerei-Jubiläum wirklich in eine Kirche, oder nicht doch eher in den Biergarten?
Die Benedikstregel mahnt zum rechten Maß

Für den Kloster-Abt kein Widerspruch: „Das Leben des heiligen Benedikt ist nicht aufgeteilt zwischen Profanem oder Geistlichem. Alles ist auf den einen Gott bezogen.“ Das Bier sei, „eine kleine Freude im Leben“ und Ausdruck göttlicher Güte. „Das Getränk des Gerstensaftes ist Gottes gute Gabe.“ Doch er fügte hinzu: „Diese Predigt ist kein Freibrief für Alkoholismus.“ Die Benediktstregel mahne zur Gabe der Unterscheidung und zum rechten Maß. Auch beim Maibock.
Das Getränk des Gerstensaftes ist Gottes gute Gabe
Abt Thomas Maria Freihart
Nach dem Gottesdienst ging es vom Altar direkt zum Zapfhahn: In der Klosterschenke schlug Braumeister Wolfgang Biendl den Festbock an. Drei Schläge hat es gebraucht, etwas Bier ging daneben – aber kein Drama, geschmeckt hat es allen trotzdem. „Wir halten an der Tradition fest, gehen aber auch mit der Zeit“, sagte Biendl. So habe man auch Alkoholfreies, Natur-Radler oder Helles kreiert. Das Jubiläumsbier – ein heller Maibock mit Hallertauer Hopfen der Sorte „Tradition“, 16 Prozent Stammwürze und 6,5 Prozent Alkohol – ist dieses Jahr fast schon wieder ausverkauft. Für Musik sorgte die Kapelle „Die 6 Lustigen Fünf“.
Auch Martin Sperger, Gastro-Vertriebsleiter bei Bischofshof – diese führt die Klosterbrauerei seit 1973 –, griff in seiner Ansprache das Spannungsfeld zwischen Geschichte und Gegenwart auf: „Dienstagvormittag ist sicher eine ungewöhnliche Zeit für einen Bieranstich – aber wer 975 Jahre feiert, darf das auch ungewöhnlich tun.“

Seit dem Jahr 1050 ist das Brauen in Weltenburg belegt. Heute fließt das Bier aus dem Felsenkeller durch unterirdische Leitungen direkt in die Zapfhähne der Schenke – und in die Krüge von jährlich rund 600 000 Besuchern.
Limitierter Jubiläumskrug
„Die ganze Welt schaut auf uns wegen Weltenburg“, sagte Landrat Martin Neumeyer stolz beim Anstoßen und versprach: „Zum Tausendjährigen komm ich wieder.“ Zu den Ehrengästen zählten auch Vertreter anderer Brauereien wie Schneider Weisse und Kneitinger sowie die Kelheimer Festkönigin Natalie Mann, die am Tisch der Klosterbrüder speiste.
Als Aktion ruft die Brauerei zur „Genuss-Pilgerroute“ auf: Wer in teilnehmenden Wirtshäusern Weltenburger Bier trinkt und fünf Kassenbons sammelt, bekommt einen Jubiläumssteinkrug. „Wir wollen Orte schaffen, an denen Menschen zusammenkommen und Freunde werden“, sagte Marketing-Leiter Florian Mayer.








