50 Gästeführer müssen auf den Prüfstand – Nicht jeder besteht Theorie und Praxis

Von Johannes Schiedermeier · 7. Mai 2025 um 05:00

Zu Beginn der Gästeführer-Prüfung stellte Gartenschau-Geschäftsführerin Claudia Knoll der Gruppe ihre Begleiter durch das Gartenschau-Gelände vor: Felix Neumann (links) und Anja Kolbeck (3. von links) bestanden ihre Prüfung mit Bravour. - Foto: Johannes Schiedermeier

„Bestanden. Alle beide. Das war richtig großartig!“, verkündet Gartenschau-Geschäftsführerin Claudia Knoll. 50 Gästeführer hat die Stadt Furth im Wald (Landkreis Cham) bei der Gartenschau angemeldet. Sie alle durchlaufen derzeit – gefolgt von 400 Dauerkartenbesitzern aus der Region – auf dem Gelände Prüfungen im Viertelstundentakt.

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Die Gartenschau hat sich das etwas kosten lassen. Rund 30 Ausbildungsstunden hat jeder potenzielle Gästeführer gehabt, bevor er zur Prüfung zugelassen wird. Und dabei kann man auch durchfallen. Manche haben das schon erlebt. Schließlich ist der Job nicht ehrenamtlich. Für eine Stunde Führung bekommt man 60 Euro. Doch darum geht es den Wenigsten.

„Da habe ich Feuer gefangen“

Anja Kolbeck (29) ist im richtigen Leben Projektmanagerin bei einer IT-Firma. „Ich nutze diese Tätigkeit, um selbstsicher zu werden. Was könnte einem da mehr bringen, als Gruppen durch die Landesgartenschau zu führen und dieses Ereignis zu präsentieren.“

Auch wichtig: Einen Lacher hatte Anja Kolbeck, als sie den Gästen erklärte, wo es künftig den Wein der Partnerstadt gibt und wo man den am ungestörtesten genießen kann: Da lang! - Foto: Johannes Schiedermeier

Genauso wie ihr Kollege Felix Neumann (22) hat sie die Ausbildung sehr gut gefunden. Neumann studiert Wirtschaftsinformatik, und sein Vater Uwe Neumann ist für die Ehrenamtlichen bei der Gartenschau zuständig. „Da war das ständig bei uns Thema und ich habe Feuer gefangen“, sagt er. Die professionelle Didaktik-Schulung sei so umfangreich gewesen, dass man sie wohl erst Stück für Stück einbauen könne.

Die beiden haben sich die Strecke schon im Vorfeld aufgeteilt und beeindrucken Gartenschau-Geschäftsführerin Knoll von Beginn an. Sie haben sich nämlich auf die Gruppe aus der Region eingestellt und auf den aktuellen Zustand des Schaugeländes. Sie holen das bunt gemischte Publikum spontan dort ab, wo es steht. „Sie wissen sicher, wie es hier vorher ausgesehen hat…“ oder: „Dort, wo das leere Feld jetzt ist, werden in drei Wochen Sommerblumen blühen…“

Stilsicher platziert hat sich Felix Neumann, bevor er die Gäste in den Beitrag des OGV-Kreisverbandes zum Thema Grenzschließung-Grenzöffnung führte. - Foto: Johannes Schiedermeier

„Stark“, sagt Knoll. „Ich sage allen immer, dass es schlimmer ist, wenn man vor einem Obst- und Gartenbauverein Vorträge hält. Da sitzen lauter Fachleute im Publikum. Wenn so ein Gästeführer mit Fragen zu tief in die Botanik geführt wird, dann lassen wir uns die Fragen geben und reichen die Antwort schriftlich nach. Dafür sind Gästeführer nicht da.“ An diesem Nachmittag bleibt eine solche Situation aus. Die beiden jungen Leute können zum Beispiel genau sagen, welche Bäume und Gebäude bleiben dürfen, und was nach der Gartenschau wieder verschwindet. Sie führen vorbei an den Beeten in Drachenschuppenform über den Brücken-Loop, an dem immer noch ein paar Geländerteile fehlen, die aber schon auf dem Nachbargelände lehnen. Warum das Geländer rot ist? Blutrot. Natürlich. Drachenblut. Logo.

Die Gästeführer spielen sich die Bälle zu und wissen genau, was in welchen Pavillon stattfindet. Sie kennen den winzigen Pavillon, wo es bald den extra für die Gartenschau gekelterten Wein der österreichischen Partnerstadt Furth bei Göttweig gibt. Und es wird gleich ein Tipp hinterhergereicht, wo man den am ungestörtesten genießen kann: in der Idylle des nahen Seerosenteichs.

Das hat mich echt beeindruckt, wie die beiden von Anfang an die Leute dort abgeholt haben, wo sie waren und die aktuelle Situation als Grundlage genommen haben.

Claudia Knoll, Geschäftsführerin der Landesgartenschau Furth im Wald über ihre beiden Prüflinge

Die beiden künftigen Gästeführer erzählen von der Hauptbühne mit ihren 3000 Veranstaltungen an allen 137 Tagen und führen die Gäste um die Ecke, wo sie staunend vor der Drachenarena stehen, neben der Drache Fanny noch selig in ihrer Höhle schläft und auf ihren großen Eröffnungsauftritt wartet. Dann wird sie den Ministerpräsidenten Söder samt Ehrengästen und einem Satz Scheren mit lautem Brüllen in Richtung Eröffnungsband schicken. Und wenn Fanny dann in der Arena liegt, wird klar sein, wer an diesem Tag der Star im Netz ist.

Verfrühte Dankesrede

Und dann beginnt die Zeit der Gästeführer. Sie werden mitverantwortlich dafür sein, dass die Gartenschau im Gedächtnis bleibt, und so oft wie möglich weiterempfohlen wird. Zwei von diesen Gästeführern werden Anja und Felix heißen. Und sie werden ihre Sache gut machen. Die Stunde mit ihnen verflog dermaßen schnell, dass Gartenschau-Geschäftsführerin Claudia Knoll die Abschluss-Dankesrede schon 400 Meter vor dem Ziel halten wollte. Trotzdem blieben anschließend alle Gäste mit dabei und dankten den beiden am Ausgang mit Applaus. So kann es bleiben.