Fahrradschutzstreifen für Maxhütter Straße: Stadt Burglengenfeld und Landratsamt sind sich uneins

Von Thomas Rieke · 6. Mai 2025 um 15:00

Im Zeichen der Verkehrswende hat die Stadt vor rund eineinhalb Jahren ihr Radwegekonzept aktualisiert. Eine wesentliche Erkenntnis: Der Bau neuer Wege ist kostenintensiv und damit eher Zukunftsmusik. Nun stellt sich heraus, dass auch vermeintlich einfache Maßnahmen schwieriger umzusetzen sind, als gedacht.

Die Rede ist von Fahrradschutzstreifen. Mit solchen hat die Stadt nach eigener Darstellung in der Friedhof- sowie in der Holzheimer grundsätzlich positive Erfahrungen gemacht. Vor über einem Jahr hat die Mehrheit der Burglengenfelder Mandatsträger daher beschlossen, auch die Maxhütter Straße (Kreisstraße SAD8) damit auszustatten.

Dadurch sollten mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Zum einen erhofft man sich vor allem für Schüler, die mit dem Rad zum Gymnasium fahren, deutlich mehr Sicherheit; zum anderen erwartet man eine Verbesserung des Verkehrsflusses. Denn Schutzstreifen ziehen laut Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) automatisch ein Parkverbot nach sich. Bisher stehen am Straßenrand mal links, mal rechts Fahrzeuge, was den Begegnungsverkehr hemmt.

Chancen auf realisierung sind eher gering

Bis heute jedoch sucht man die gestrichelten Linien, mit denen Schutzstreifen dargestellt werden, in der Maxhütter Straße vergeblich. Und nach Recherchen der Redaktion sieht es ganz so aus, als würden sie nie Realität. Die zuständige Fachbehörde des Landratsamts hat nämlich erhebliche Bedenken angemeldet.

Für zwei Schutzstreifen, die jeweils eine Breite von 1,50 Meter haben sollten, sei die SAD8 zu schmal, erklärt Behördensprecher Manuel Lischka. Und auch einen einzelnen Streifen hält die Fachabteilung für so problematisch, dass sie trotz regen Schriftverkehrs mit der Stadt und mindestens zweier Ortstermine nicht zustimmen wollte. Solche einseitigen Lösungen hätten sich in der Praxis „leider nicht bewährt“, schreibt Lischka. Sie gewährten nur eine Scheinsicherheit und stellten damit „in der Regel keine Verbesserung dar“. Dies treffe insbesondere auf Fälle zu, in denen die Mindestmaße nur mit Mühe einzuhalten wären – wie eben in der Maxhütter Straße.

Viele Verkehrsteilnehmer kennen die regeln nicht

Im Übrigen seien die geltenden Regeln für Schutzstreifen vielen Verkehrsteilnehmern unklar oder unbekannt, gibt der Pressesprecher zu bedenken. So sei in einer für die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Auftrag gegebenen Studie nachgewiesen worden, dass sich bei einseitigen Markierungen die Verkehrssituation auf der gegenüberliegenden Seite sogar verschlechtere.

Wir sind sehr zuversichtlich, dass auch das Landratsamt Schwandorf die Zulässigkeit für die Maxhütter Straße bestätigen wird.

Thomas Gesche, Bürgermeister

Obwohl also in der Maxhütter Straße die gesetzlichen Voraussetzungen zur Anordnung eines einseitigen Schutzstreifens nach Überzeugung der Behörde nicht vorliegen, strebt die Stadt genau dieses Ziel weiter an. Bürgermeister Gesche verweist auf seiner Meinung nach vergleichbare Fälle, wo einseitige Markierungen genehmigt worden seien – zum Beispiel in der Gemeinde Zeitlarn, aber auch in der Stadt Regensburg in Nähe der Universität. Daher „sind wir sehr zuversichtlich, dass auch das Landratsamt Schwandorf die Zulässigkeit für die Maxhütter Straße bestätigen wird“, lässt Gesche wissen.

Gleichzeitig räumt er ein, dass er persönlich hin und hergerissen ist: Fakt sei, dass sich der Verkehrsraum durch Schutzstreifen allein nicht vergrößere; insofern sei es berechtigt, von „trügerischer Sicherheit“ zu sprechen. Andererseits würden Fachverbände und Polizei Schutzstreifen als „bewährtes Konzept“ für eine signifikante Verbesserung der Sicherheit speziell für Radler preisen.

Überzeugter Fahrradfahrer äußert sich skeptisch

Auf einem Teilstück gibt es seit vielen Jahren einen kombinierten Geh- und Radweg. Bis man den erreicht, muss man sich auf dem Drahtesel gegen Autofahrer behaupten. Manch einer weicht deshalb lieber auf das Trottoir aus, obwohl dies verboten ist. - Foto: Thomas Rieke

Die MZ traf bei der Suche nach einem geeigneten Motiv zufällig auf einen Burglengenfelder, der die Maxhütter Straße seit Jahrzehnten als Radfahrer nutzt. Er glaubt nicht, dass sich durch einen Schutzstreifen die Lage spürbar verbessern würde. Selbst in den Straßen, wo solche Markierungen bereits existieren, fühle er sich auf dem Rad unwohl. Die Streifen würden von Autofahrern oft missachtet, also überfahren, vom vorgeschriebenen Sicherheitsabstand ganz zu schweigen.

Aus Sicht des Burglengenfelders gibt es zwei große Probleme: Viele Dinge seien zwar gut gemeint, würden aber von Theoretikern konzipiert und seien damit praxisuntauglich. Außerdem habe die Bereitschaft, auf andere Rücksicht zu nehmen, allgemein dramatisch abgenommen. Im Straßenverkehr sei dies besonders deutlich zu spüren. Der radelnde Burglengenfelder erlebt das „jeden Tag“.