Versteckte Schmerzen im Maul: Wie Zahnröntgen Hunden und Katzen unnötiges Leid erspart

Von Mittelbayerische Zeitung · 6. Mai 2025 um 11:07

Zahnprobleme sind bei Hunden und Katzen leider an der Tagesordnung. Weit über die Hälfte aller Haustiere werden im Laufe ihres Lebens mit einer Erkrankung der Maulhöhle in der Tierarztpraxis vorgestellt. Warum ein regelmäßiges Röntgen nötig ist, erklären die Neumarkter Tierärztinnen Dr. Karen von Trauwitz und Imke Roßmeil informieren in ihrer aktuellen Ausgabe ihrer Tierarzt-Kolumne.

Oft werden die Zahnprobleme zufällig entdeckt, zum Beispiel bei der klinischen Untersuchung im Rahmen des jährlichen Gesundheitschecks. Oder bei der notwendigen Untersuchung vor einer Impfung. Denn Katzen und Hunde können unangenehme Zahnschmerzen erstaunlich lange verbergen, ohne dass ihren Menschen etwas auffällt.

Gerade deshalb ist die regelmäßige, gründliche Untersuchung der Maulhöhle durch Tierärzte so wichtig. Beurteilt werden dabei unter anderem das Zahnfleisch und die Zahnkronen. Und weil die im Knochen liegenden Wurzeln der Zähne nicht einsehbar sind, braucht es hochauflösende Röntgenbilder, die mit einem speziellen Zahnröntgengerät angefertigt werden.

Gesunder Zahn fällt nicht einfach aus: Ursache immer klären

Allerdings muss der Röntgenfilm im Maul des Tieres platziert werden – wie bei Menschen eben auch. Und weil Haustiere deutlich wehrhafter sind, ist hierzu in der Tiermedizin eine Vollnarkose notwendig.

Im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung empfehlen wir, einmal sämtliche Zähne zu röntgen. Und auch an Stellen, an denen augenscheinlich keine Zähne mehr vorhanden sind, lohnt es sich, Röntgenbilder zu machen. Denn ein gesunder Zahn fällt nicht einfach aus, es steckt immer eine ernstzunehmende Veränderung dahinter. Das kann zum Beispiel eine Entzündung des Zahnhalteapparats sein (Parodontitis) oder eine Fraktur der Krone. Bricht die Krone ab, beispielsweise durch ein Trauma, stecken die Wurzeln noch im Knochen und können sich entzünden.

So ist das auch bei der Hündin, deren Bilder hier abgelichtet sind, nennen wir sie Susi. Bei Susi wurde bei der jährlichen Impfung eine kleine Wucherung am Zahnfleisch und etwas Zahnstein festgestellt.

Nur die Spitze des Eisbergs: Diesem Hund fehlen im Unterkiefer zwei Zähne. Doch ein Stück der Zahnwurzel steckt noch im Zahnfleisch – mit schmerzhaften Folgen. - Foto: Dr. Karen von Trauwitz
Ohne Röntgenbilder wären die Restwurzeln nie gefunden worden.

Dr. Karen von Trauwitz

Susis Frauchen entschied sich für die chirurgische Entfernung und anschließende pathologische Untersuchung der Zubildung. Obwohl Susi vor nicht allzu langer Zeit in einer anderen Tierarztpraxis eine Zahnreinigung hinter sich hatte, wurde die notwendige Vollnarkose hier auch für die Entfernung des Zahnsteins mit anschließender Politur der Zähne, aber auch vor allem zum Zahn-Röntgen genutzt. Gott sei Dank. Denn im Unterkiefer „fehlten“ zwei Backenzähne. Das Röntgenbild zeigte, dass jeweils eine der zwei Wurzeln noch im Knochen steckte – begleitet von einer Entzündungsreaktion (auf den Bildern markiert), die sehr schmerzhaft gewesen sein muss.

Tier rechtzeitig versichern

Ohne Röntgenbilder wären die Restwurzeln nie gefunden worden. Für Susi ging alles gut aus. Die Wurzelreste wurden restlos entfernt und die Wucherung entpuppte sich als Entzündung: eine Reaktion auf den üblen Zahnbelag. Also kein bösartiger Tumor. Ohne das Röntgen der Zähne und die fachkundige Entfernung der Wurzelreste hätte Susi jetzt zwar oberflächlich ein strahlend sauberes Gebiss, aber verborgen in der Tiefe nach wie vor schmerzhafte Entzündungen im Kiefer.

Es lohnt also ein Blick unter die Oberfläche. Zahnbehandlungen dienen niemals nur der Kosmetik, wie der Begriff „Zahnreinigung“ vermuten lässt. Vielmehr geht es um die Gesunderhaltung des Tieres. Das Zahnröntgen ist dabei ein wichtiges Hilfsmittel.

Der Haken an der Sache: Seit der Einführung der neuen Gebührenordnung für Tierärzte, sind die Preise deutlich gestiegen: fachgerechtes Arbeiten, moderne Geräte und Ausrüstung, Fort- und Weiterbildungen für Tierärzte und das gesamte Team sind nicht umsonst. Deswegen hier wieder der lieb gemeinte Rat: Denken Sie rechtzeitig an eine Krankenversicherung für Ihren Liebling.