Bei Kleinanzeigen im Internet entdeckt: Mann kauft Berchinger Turm und saniert ihn

Von Bernhard Neumayer · 5. Mai 2025 um 17:00

Staubsauger, Kinderwagen, Schreibtisch: Diese alltäglichen Gegenstände findet man im Internet zu kaufen. Arnaud Malterer aus dem Altmühltal hat beim Scrollen dagegen etwas ganz Besonderes gesehen: den Pfeifenschneiderturm in Berching. Jetzt will er den unbewohnten Turm aus dem 15. Jahrhundert in ein Schmuckstück verwandeln.

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„Ich habe den Pfeifenschneiderturm vor circa zwei Jahren von einem Privatmann über ebay Kleinanzeigen gekauft“, erzählt Malterer, der in Ingolstadt ein Ingenieurbüro für Landschaftsplanung führt, im Kipfenberger Ortsteil Arnsberg lebt und nun einen der 13 Stadttürme Berchings saniert.

Arnaud Malterer steht vor seinem nächsten Projekt: der Sanierung des Pfeifenschneiderturms in Berching. - Foto: Bernhard Neumayer

„Gebäude wie diese ziehen mich einfach magisch an“, sagt der 47-Jährige, der bereits drei Denkmalhäuser saniert hat. Die Geschichte und die Bausubstanz fasziniere ihn. Und das spürt man auch, als Malterer vor dem Start der Arbeiten einen Einblick in die Baustelle gewährt.

Der Bauherr plant, den nach 1450 erbauten Pfeifenschneiderturm im Landsknechtweg 1 wieder bewohnbar zu machen. Jahrelang stand der Turm, der in die Wehrmauer integriert ist, leer. Im Mittelalter diente er als Deckung gegen feindlichen Beschuss. Wo früher Gerüste für die Schleudermaschinen standen, soll nun der Essbereich der besonderen Ferienwohnung entstehen.

Pfeifenschneiderturm Berching: 1816 zu Wohnhaus umgebaut

Der Halbturm war früher bereits bewohnt. 1816 wurde er zu einem kleinen Wohnhaus mit Schweine- und Hühnerstall erweitert. Damals bewohnte ihn ein Zimmergeselle, der kunstvolle Pfeifen schnitzte. Seitdem trägt das alte Bauwerk den Namen Pfeifenschneiderturm.

Nach dem Allio-Turm ist er der nächste der Stadttürme in Berching, der zu einer Ferienwohnung umgebaut wird. Das erfordert aber jede Menge Arbeit. Eineinhalb Jahre hat der Bauherr mit dem Architekturbüro Bayerl aus Parsberg und dem fhs Ingenieurbüro aus Amberg geplant, ehe nun die Bauarbeiten richtig starten. Kleinere Arbeiten, etwa das Dach von den Ziegeln zu befreien, hat der 47-Jährige schon erledigt. Auch ein Gerüst ummantelt den Turm bereits.

So sieht es derzeit im Pfenfeschneiderturm in Berching aus. - Foto: Bernhard Neumayer

Im Inneren lässt sich die Ferienwohnung bisher nur erahnen. Der Bauherr zeigt aber, wie er sich die Räume vorstellt. Im Erdgeschoss soll eine Küchenzeile mit Herd entstehen, dazu im gleichen Raum ein Sitzbereich, um das Gekochte entspannt genießen zu können. Platz für eine Waschmaschine und eine kleine Toilette soll es auf den 45 Quadratmetern ebenfalls geben.

Ferienwohnung in einem Stadtturm in Berching

Über eine steile Treppe soll man später ins Obergeschoss gelangen. Ein Hingucker soll dabei der alten Kamin werden, in dem geräuchert wurde. Der schwarze Ruß soll auch nach den Bauarbeiten weiter zu sehen sein. Auch den Dielenboden und die alten Dachziegel will der Eigentümer so gut es geht erhalten und wiederverwenden.

Der schwarze Ruß des alten Kamins soll auch nach der Sanierung zu sehen sein. - Foto: Bernhard Neumayer

Im ersten Stock ist ein Bad mit einer Dusche sowie ein Schlafraum mit einem Doppelbett geplant. Auch das Dachgeschoss soll ausgebaut werden und einen weiteren Schlafplatz bieten. Ausgelegt ist die spätere „hochwertige und authentische“ Ferienwohnung idealerweise für zwei Personen. Bis zu vier können laut Malterer maximal darin übernachten. Für kuschelige Nächte soll eine Fußbodenheizung sorgen. Die Fernwärme dafür soll aus dem Biomasseheizwerk kommen.

Die Dachziegel des Pfeifenschneiderturms in Berching hat Arnaud Malterer schon abgenommen. - Foto: Bernhard Neumayer
Arnaud Malterer steht auf dem Baugerüst: Der Ausblick entlang der Stadtmauer ist beeindruckend. - Foto: Bernhard Neumayer
Arnaud Malterer zeigt den Bereich, in dem die spätere Loggia offen sein soll. Von dem überdachten Balkon soll man einen schönen Blick auf die Wehrmauer haben. - Foto: Bernhard Neumayer

Ein Highlight verspricht die in die Stadtmauer integrierte Loggia zu werden. Auf dem überdachten Balkon können Urlauber künftig einen Blick auf die Stadtpfarrkirche und auf die Wehrmauer werfen. Bis es soweit ist, dauert es aber noch. Malterer rechnet mit einer Bauzeit von mindestens einem Jahr.