OB-Kandidat: Der Schwandorfer CSU droht eine Kampfabstimmung

Von Jan Lange · 5. Mai 2025 um 19:00

Während in Berlin die neue Bundesregierung ihre Arbeit aufnimmt, könnte es auch in Schwandorfs Politik bald Veränderungen geben. Am Donnerstag, 8. Mai, will die CSU, die die stärkste Fraktion im Stadtrat und den bisherigen Rathauschef stellt, ihren Kandidaten für die OB-Wahl 2026 nominieren. Nach MZ-Informationen droht der Partei eine Kampfkandidatur.

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Seit elf Jahren ist Andreas Feller (56) Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt. Ginge es nach ihm, würde sich daran nichts ändern. Wiederholt hatte der im Stadtteil Dachelhofen wohnende Kommunalpolitiker erklärt, 2026 erneut als OB kandidieren zu wollen. Erstmals hatte Feller im Sommer 2023 öffentlich bekundet, eine dritte Amtszeit anzustreben. Damals überraschte der CSU-Mann damit einige seiner Parteifreunde.

Zweifel bei den CSU-Mitgliedern mehrten sich

Eigentlich könnte die CSU froh sein, wenn ihr Amtsinhaber erneut antritt. Bei Schwandorfs Christsozialen scheint das nicht der Fall zu sein. In der Partei mehrten sich in den vergangenen Monaten Zweifel, ob Feller der richtige Kandidat für 2026 ist.

Anlass dafür waren auch die rechtswidrigen Baugenehmigungen in Irlaching-Siedlung. Der OB hatte sie, ohne den Bauausschuss einzubinden, erteilt. Die Regierung der Oberpfalz erklärte die Baugenehmigungen in der Folge für rechtswidrig. Gleichzeitig beschloss der Schwandorfer Stadtrat, die Bescheide zurückzunehmen. Auch aus den Reihen der CSU war im Zusammenhang mit den Baugenehmigungen für Irlaching-Siedlung OB Feller offen kritisiert worden.

OB Andreas Feller strebt eine dritte Amtszeit an - Foto: Jan Lange

Ungeachtet dessen hält der 56-Jährige weiter an einer Kandidatur fest. Erst am vergangenen Samstag bekundete Feller am Rande des Schwandorfer Stadtballs, sich dem Votum der CSU-Stadtdelegierten am 8. Mai stellen zu wollen.

Ein Durchmarsch dürfte es für ihn kaum werden. Nach MZ-Informationen soll es am Donnerstag zu einer Kampfkandidatur kommen. Darauf angesprochen, meinte der OB beim Stadtball nur „möglicherweise“.

Wird Andreas Wopperer vorgeschlagen, will er sich dem Votum stellen

Als Gegenkandidat gilt der CSU-Fraktionschef im Stadtrat, Andreas Wopperer. Dem 51-Jährigen werden schon länger Ambitionen für eine OB-Kandidatur nachgesagt. Auf MZ-Nachfrage äußerte sich Wopperer zurückhaltend: „Sofern ich als OB-Kandidat vorgeschlagen werde, stelle ich mich dem Votum der Delegierten.“

Er hat Ambitionen auf den Chefsessel: Andreas Wopperer - Foto: Martin Kellermeier

Ein entsprechender Vorschlag sollte keine große Hürde sein – gibt es doch unter den 70 Stadtdelegierten den einen oder anderen, der eine Kandidatur von Andreas Wopperer als OB befürworten dürfte. Ob es zu einer Kampfkandidatur kommt, werde „sich in der Versammlung zeigen“, erklärt der Fraktionschef und gleichzeitige Stadtverbandsvorsitzende.

Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass Andreas Wopperer nicht antreten würde, wenn er sich nicht sicher wäre, auch nominiert zu werden. Öffentlich hält sich der 51-Jährige mit einer Einschätzung seiner Chancen zurück. „Im Vorhersagen sind Andere besser, ich bin nur Bauingenieur. Ich bin jedoch überzeugt, dass die Delegierten eine gute Entscheidung zum Wohle der Stadt treffen werden“, sagt Wopperer.

Feller will mit bisherigen Erfolgen für sich werben

Auf die Frage, ab wann für ihn festgestanden habe, dass es im Rathaus einen personellen Neuanfang brauche, antwortet Wopperer: „Das lässt sich weder an einem konkreten Datum noch an einem einzigen Vorgang festmachen, sondern ist die Summe aus Vielem. Wert lege ich jedenfalls auf die Feststellung, dass ich die derzeitige Situation weder befördert noch zu verantworten habe.“

Wie er die Stadtdelegierten im Falle einer Kandidatur von sich überzeugen will, lässt Wopperer offen. „Ich bitte um Verständnis, dass ich derlei aus Respekt vor den Delegierten nicht vorab andersweitig verkünde.“

Entschieden, wer künftig im Schwandorfer Rathaus regiert, wird am 8. März 2026. - Foto: Patrick Pleul/dpa

Feller will mit den Erfolgen seiner bisherigen elf Amtsjahre werben, wie er am Samstag andeutete. Und das seien einige, zeigte er sich überzeugt. Er hatte immer wieder darauf verwiesen, dass sich in seiner Amtszeit Firmen angesiedelt haben, Baugebiete geschaffen, die Kinderbetreuung ausgebaut und Schulen saniert wurden. Die Einwohnerzahl sei auch gewachsen – stärker als bei seinen Vorgängern.

In einer demokratischen Partei ist es ein normaler Vorgang, dass es auch mal mehrere Kandidaten gibt. Da muss nicht zu viel hinein interpretiert werden.

Andreas Feller, seit 2014 Rathauschef in Schwandorf

Ob dies ausreicht, um erneut zum OB-Kandidaten gekürt zu werden, wird sich am Donnerstag zeigen. Angesichts einer möglichen Kampfkandidatur geben sich aber die beiden potenziellen Bewerber betont entspannt. Es sei „in einer demokratischen Partei ein normaler Vorgang“, dass es auch mal mehrere Kandidaten geben würde, findet OB Feller. Auch wenn dies in der CSU nicht unbedingt alltäglich sei, müsse „nicht zu viel hinein interpretiert werden“, ist Schwandorfs Stadtoberhaupt überzeugt.

In Vorhersagen sind Andere besser, ich bin nur Bauingenieur. Ich bin jedoch überzeugt, dass die Delegierten eine gute Entscheidung zum Wohle der Stadt treffen werden.

Andreas Wopperer, Fraktionschef und Stadtverbandsvorsitzender der CSU

Ähnlich äußert sich Wopperer: „Wenngleich sogenannte Kampfkandidaturen heutzutage eher ungewöhnlich sind, sind sie natürlich ein urdemokratischer Vorgang. Es ist weder schändlich noch unrecht, sich für eine Kandidatur oder Amt zu bewerben. Und insofern ist der Vorgang für nichts und niemanden ein Schaden. Entscheidend ist, dass das Ergebnis von allen Beteiligten akzeptiert und unterstützt wird.“

Ob der jeweils Unterlegene das Votum tatsächlich akzeptiert, wird sich erst nach dem 8. Mai zeigen. Dem amtierenden OB wird durchaus nachgesagt, auch eine Einzelkandidatur nicht auszuschließen. Am Samstag blieb er bei dieser Frage vage. Es sei immer seine „persönliche Strategie gewesen, einen Schritt nach dem anderen zu tun“, erklärt Feller.