„Nicht gut genug für diese zweite Liga“: Achim Beierlorzer nach dem Abstieg über Fehler und die Zukunft des SSV

Seit Freitag ist es offiziell: Der SSV Jahn Regensburg muss nach einem Jahr in der 2. Bundesliga zurück in Liga drei. Im Interview mit der MZ sprach Jahn-Sportchef Achim Beierlorzer am Abend nach dem Remis gegen Köln über den Abstieg, die Kaderqualität und seine sowie die Zukunft von Coach Andreas Patz.
Herr Beierlorzer, wie ist Ihre Gemütslage, jetzt wo der Abstieg offiziell ist?
Achim Beierlorzer: Sie hat sich nicht großartig verändert. Es tut einfach sehr weh, dass wir abgestiegen sind. Wir waren ja nicht realitätsfremd und haben gewusst, es müsste ein Fußball-Wunder passieren, wenn das irgendwie noch gehen soll. Am Ende lügt die Tabelle auch nicht.
Die Konkurrenz aus Ulm und Münster hat noch spät in der Saison auf einen Trainerwechsel gesetzt. Sie haben seit Ende Oktober nicht mehr reagiert. Haben Sie am Ende alles versucht, den Abstieg zu verhindern?
Beierlorzer: Es wird sich zeigen, ob es für Ulm und Münster zum Klassenerhalt reicht. Für mich ist das aber kein Argument und keine Frage, die ich mir stelle. Wir hatten auch nicht nur schlechte Ergebnisse, sondern eine große Diskrepanz in den Leistungen. Ein Beispiel: Wir gewinnen nach Rückstand gegen Nürnberg und verlieren dann desaströs in Elversberg. In der Woche vor diesem Spiel hatte unser Trainer nicht den minimalsten Anteil daran, dass die Spieler auf einmal so fehlerhaft gespielt haben. Letztlich ist festzuhalten, und der Kritik stelle ich mich auch, dass unser Kader nicht gut genug war für diese zweite Liga. Wir haben vieles versucht, am Kader zu arbeiten und die Entwicklung der ganzen Mannschaft voranzutreiben. Aber Fakt ist, es hat nicht gereicht, sonst würden wir nicht absteigen.
Hätte schon im Sommer ein größerer Umbruch sein müssen? Die Rückrunde der Aufstiegssaison war ja schon eine Warnung.
Beierlorzer: Das ist leichter gesagt als getan, wenn man 25 laufende Verträge hat und als SSV Jahn Regensburg auch Werte wie Glaubwürdigkeit vertreten und aktiv leben möchte. Es ist nicht unsere Art, uns von Spieler nach einem Jahr 3. Liga einfach zu trennen und sie sofort wieder fallen zu lassen, nur weil wir sofort wieder aufgestiegen sind. Die größte Problematik war der Abstieg 2023, als nur eine Handvoll Spieler Verträge hatte und wir einen komplett neuen Kader für die 3. Liga zusammenstellen mussten. Kein Spieler kommt nur für ein Jahr, außer man leiht. Deswegen sind wir sehr selbstkritisch und müssen konstatieren, dass nicht alle Neuzugänge von 2023 und 2024 funktioniert haben.
Was würden Sie in der Kaderzusammenstellung rückblickend anders machen?
Beierlorzer: Es ist immer schwierig, klar zu prognostizieren, welche Spieler letztlich funktionieren und sich positiv entwickeln. Ich bin mit mir da im Reinen. Zu dem Zeitpunkt, als wir die Entscheidungen treffen mussten, waren wir überzeugt. Hinterher können wir jetzt die Namen aufzählen, mit denen wir nicht ganz zufrieden sind. Aber vorher geht das nicht.
Wie geht es weiter – hat Coach Andreas Patz eine Zukunft?
Beierlorzer: Wir haben noch zwei Spiele und konzentrieren uns jetzt erst auf die Arbeit mit der Mannschaft. Wir sind aber permanent im Austausch und haben uns auch schon intensiver unterhalten. Da gibt es auch noch keine Tendenz. Im Prinzip habe ich an Andi Patz festgehalten, weil ich überzeugt davon bin. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sagen: Es hat am Ende nicht gereicht, wir sind leider abgestiegen.
Wie sieht es mit Ihrer eigenen Zukunft aus?
Beierlorzer: Ich bin mitten in der Kaderplanung, plane und bin mit unserer Scouting-Abteilung unterwegs. Ich gehe davon aus, auch in der kommenden Saison weiterzumachen. Ich bin natürlich auch ehrlich und kritisch mit dem Vorstand und den Gremien im Austausch. Ich stelle mich der Kritik.