Warum die „Donausternwarte“ eines der ausdauerndsten Leader-Projekte ist

Von Martina Hutzler · 4. Mai 2025 um 15:00

Sterne zieren die Flagge der EU – vielleicht hat das ja einst in Kelheim die Idee gezündet, mithilfe der EU nach den Sterne zu greifen. Aber vor allem dank bodenständiger Vereinsarbeit ist das Projekt „Donausternwarte“ in Sausthal geglückt. Was sonst noch zum Erfolg des „Leader“-Projekts verhalf, schildert Vereinsvorsitzender Martin Polzer.

Sterne sind lichtscheue Gestalten – am besten beobachten lassen sie sich bei völliger Finsternis. Aus gutem Grund also hat sich der 1999 gegründete Verein „Sternfreunde Kelheim eV“ eine zwar gut erreichbare, aber abgeschiedene und von viel Wald umgebene Wiese bei Sausthal ausgeguckt für sein ehrgeiziges Projekt: den Bau einer öffentlich zugänglichen Sternwarte.

Der Bau startete 2003 und ging flott über die Bühne: 2005 wurde das von außen schlichte, holzverkleidete Gebäude eingeweiht. Es beherbergt unter dem seitlich verschiebbaren Dach unter anderem ein Teleskop, das mit 50 Zentimetern Durchmesser des Hauptspiegels damals als eines der größten öffentlich zugänglichen Teleskope in Ostbayern in Betrieb ging.

Ein Bild quasi vom „Urknall“ der Donausternwarte: 2005 wurde das Teleskop geliefert, das Herzstück der Anlage. Im Bild der damalige Vorsitzende Bernhard Deufel. - Foto: Archiv/MZ

Seither betreiben die „Sternfreunde“, nur von Corona unterbrochen, ganz unaufgeregt astronomische Volksbildung – wie es vom einstigen Initiator Richard Ludacka und den weiteren Vereinsgründern immer angestrebt war. Mehrmals im Monat (außer in den kurzen Sommernächten) finden in Sausthal wochenends bei klarem Himmel Sternführungen statt. Zusätzlich organisieren die Vereins-Aktiven Veranstaltungen wie unlängst einen Teleskop-Workshop und Sonderführungen bei spektakulären Himmelsphänomenen. Die nächste steht am Pfingstmontag, 6. Juni an; dann kann man mithilfe von Spezialfiltern die Sonne beobachten.

Verein und Kommune

Die Sternwarte zählt damit zu den „ausdauerndsten“ Leader-Projekten im Landkreis. Das klappe nur, wenn ein ebenso ausdauernder Verein hinter so einem Großprojekt stehe, ist Vorsitzender Martin Polzer überzeugt.

„Für das Projekt war uns schon wichtig, dass die kommunale Seite auch daran interessiert ist“, blendet er zurück: Die Sternwarte liegt auf Ihrlersteiner Gebiet; das Grundstück gehört aber der Stadt Kelheim und ist an den Verein verpachtet; die Kommunen unterstützen den Betrieb der Sternwarte bis heute. Eine Kommune als Partnerin garantiere vor allem finanzielle und rechtliche Kontinuität. „Aber sie kann für so ein Vorhaben natürlich nicht das ,Betreiber-Team‘ stellen“: So ein Team müsse sich quasi von selber finden – „die richtigen Leute“ mit Interesse an der Materie. Aktuell, so Polzer, bilden vier Vereinsexperten den „harten Kern“: Drei kümmern sich um die Sternführungen; er selbst um alles Vereins-Organisatorische.

Wie wohl bei den meisten Vereinen ist die Leidenschaft fürs Thema das verbindende Element. Martin Polzer kann sich noch gut an sein persönliches Aha-Erlebnis erinnern: „die Mondlandungen der USA“ ab 1969, die den damals Achtjährigen „fürs Leben geprägt haben“: Er hat technische Physik studiert, wurde beruflich Ingenieur und in der Freizeit begeisterter Astronom. Ein Hobby nur für Spezialisten?

Weltall fasziniert Kinder

Nicht unbedingt, findet der Teugner. Zumindest die Faszination, mit eigenen Augen einen scharfen Blick ins All zu werfen, ist für viele ansteckend. „Zum Beispiel für Kindergärten sind wir ein beliebtes Ziel, etwa für Abschlussveranstaltungen“ – in diesem Alter sorgen Dinos und Weltall gleichermaßen für Begeisterung… Und an den nächtlichen Expeditionen ins All haben allein heuer bereit mehr als 370 Interessierte teilgenommen. Mit solchen Veranstaltungen gelinge es den Sternfreunden immer wieder, Neumitglieder für den Verein zu gewinnen. Üblicherweise ab 45 Jahren aufwärts, wenn für viele die anstrengendste Familienphase geschafft ist.

Ohne Sternwarte wäre der Verein folglich kaum überlebensfähig, „und ohne EU gäbe es die Sternwarte nicht“: Das gegenüber Besucherinnen und Besuchern zu betonen, sei ihm wichtig, bekräftigt der Vereinsvorsitzende: „Viele schimpfen, dass wir angeblich nur für die EU zahlen“ - dabei fließe ja etwa mit Leader-Projekten Geld zurück an die Mitgliedsstaaten. Von denen einige sich solche Projekte ansonsten gar nicht leisten können.

Als „Gegenleistung“ für die einstige 50-prozentige Leader-Förderung für das Projekt Donausternwarte will Martin Polzer gerne „Multiplikator“ für das Projekt EU sein. Umso mehr, wenn er statt ins All auf die aktuelle irdische Lage blickt: „Unsere einzige Stärke in Europa ist doch der Zusammenhalt!“In einer lockeren Serie blenden wir zurück auf die gut 20-jährige Geschichte von „Leader“ im Landkreis Kelheim und stellen einige Projekte vor.