Kreisheimatpfleger Theo Männer skizzierte die Ereignisse in Neunburg zum Kriegsende

Von Ralf Gohlke · 4. Mai 2025 um 05:00

Mit dem Andrang, der am Mittwoch im katholischen Pfarrheim herrschte, hätte beinahe auch die Schwarzachtalhalle gefüllt werden können. Anziehungspunkt war ein Vortragsabend des ehemaligen Leiters des Heimatmuseums und Kreisheimatpflegers Theo Männer zum 80. Jahrestag der sogenannten Todesmärsche aus dem Konzentrationslager Flossenbürg in Richtung Süden.

Die Zielsetzung des SS-Regimes war seinerzeit, dass keiner der Häftlinge in die Hände der Alliierten fallen sollte. Wer nicht mehr konnte, wurde getötet. Allein 290 Häftlinge wurden auf dem Neunburger Plattenberg erschossen und verscharrt, 29 weitere bei Zeitlarn. Das veranlasste die Amerikaner, die Neunburger Bevölkerung in einer Art Strafaktion, die Leichen zu exhumieren und nach einem Trauerzug durch die Stadt auf dem örtlichen Friedhof zu begraben.

Bilder und Filme sind einzigartig

Die gesamte Aktion wurde von Fotografen und Kameraleuten der Spezialeinheiten zur Kriegsberichtertstattung begleitet. Die daraus entstandenen Bilder und Filmausschnitte dokumentieren das Geschehen in Neunburg einmalig, ähnliches gibt es von keinem anderen Ort. Daher bildeten sie auch der Schwerpunkt des Abends.

Theo Männer ging zunächst noch einmal auf den geschichtlichen Hintergrund ein, vom Aufkeimen des Antisemitismus im 18. und 19. Jahrhundert, bis hin zur Einführung der Konzentrationslager durch das Hitler-Regime und dem unrühmlichen Ende des Nationalsozialismus. Anhand von Karten erklärte er die Wege der Todesmärsche. Ebenso ging daraus hervor, wo verstorbene Häftlinge noch begraben worden waren.

Als die Amerikaner am 25. April 1945 in die Pfalzgrafenstadt kamen, veranlassten sie umgehend die Exhumierung. „Wer die Särge nicht mittragen konnte, musste Zusehen“, erläuterte Männer die Bilder, die zeigten, wie die schnell gezimmerten Särge auf den Plattenberg getragen wurden, die Leichen, unter Verzicht auf jedwede Hygiene Maßnahmen, hineingelegt und im Anschluss zum Friedhof getragen werden mussten. Dort musste die gesamte Bevölkerung ebenfalls noch einmal an den offenen Särgen vorbei laufen. „Wer nicht hinsehen wollte, bekam dann schon mal einen Gewehrkolben zu spüren“, wusste Männer.

Auch jüngere Generation ist interessiert

Bei der Exhumierung der Toten in Zeitlarn solle es zu massiven Übergriffen seitens befreiter Häftlinge gekommen sein. Er schildert schließlich die weitere Entwicklung mit der Errichtung des Ehrenfriedhofes durch den Freistaat, auf dem 615 unbekannte Häftlinge bestattet wurden. Den Höhepunkt des Abends bildet die Vorführung der Filmzusammenschnitte ohne Ton, die Neunburg vom Bayerischen Rundfunk zur Verfügung gestellt worden waren und die auch Teil der eigenen Abteilung im Museum sind.

Am Ende bedankte sich Männer für die Unterstützung durch die Stadt Neunburg, das Schwarzachtaler Heimatmuseum und die Kolpingsfamilie, vertreten durch Bürgermeister Martin Birner (CSU), Johannes Steidl, Georg Schmid und Franz Beer. Bürgermeister Martin Birner stellte fest, das Thema interessiere auch die jüngere Generation in Zeiten, in denen viele Menschen immer noch den großen Worten skrupelloser Machthabern glauben schenkten und ihnen folgten, ohne aus der Geschichte gelernt zu haben.