Bewaffnet ins Amtsgericht Neumarkt: Eine Buchhalterin brachte Munition mit

Sie wollte nur ein Formular im Gericht abholen – und landete selbst vor dem Richter. Denn die 49-jährige Frau hatte bei ihrem Besuch im Amtsgericht Neumarkt zwei scharfe Patronen in der Tasche. Eine Verhandlung sollte klären, was es mit dem ungewöhnlichen Gepäckstück auf sich hatte.
„Sie sehen gar nicht aus, wie die typische Angeklagte in einem Fall, bei dem es um Waffenschutz geht“, stellte Richter Benedikt Niedermayer fest. Vor ihm saß eine Frau Ende 40, von Beruf Buchhalterin: „Mit Waffen habe ich nichts zu tun“, sagte sie. Als Jugendliche hätte sie zwar einmal in einem Schützenverein geschossen, aber seitdem keine Schusswaffe mehr in der Hand gehabt.
Dennoch war folgendes passiert: Im Oktober vergangenen Jahres war sie ins Amtsgericht Neumarkt gekommen, weil sie einen Grundbuch-Auszug einsehen wollte. Bei der Routine-Kontrolle am Eingang wurde ihre Tasche kontrolliert: „Sie war sehr groß und es war sehr viel drin“, erinnert sich die Sicherheitsbeamtin des Gerichts im Zeugenstand. „Ich musste schon wühlen, um einen Überblick zu bekommen.“ Schließlich fand sie ganz unten zwei scharfe Patronen.
Die Angeklagte nimmt an, dass diese vor etlichen Jahren in ihrer Tasche gelandet waren: „Es war eine feucht fröhliche Party“, erinnert sie sich. Im Verlauf hätte ihr ein Mann die Munition geschenkt und sie hatte sie eingesteckt und vergessen. „Ich habe mehrere Taschen und da jahrelang nicht mehr ausgeräumt.“
Richter Neumayer wies auf die Gefahr der Situation hin: „Wenn solche Patronen heiß werden oder Druck auf sie ausgeübt wird, können sie zünden.“ Andererseits glaubte er ihr, dass sie die Munition nicht absichtlich ins Gericht geschmuggelt hatte und auch nicht vorgehabt hatte, jemand zu verletzen. So folgte er schließlich dem Vorschlag ihres Verteidigers Daniel König und verurteilte die Frau zu 2850 Euro – was in einem solchen Fall am unteren Ende des möglichen Strafmaßes steht. Für den fahrlässigen Besitz von Waffen ohne Genehmigung könnte man auch ein Jahr ins Gefängnis kommen.