Parsberg bleibt „Fairtrade-Stadt“ − so wird der faire Handel vor Ort gefördert

Von Markus Rath · 29. April 2025 um 19:00

Seit 2017 ist Parsberg Fairtrade-Stadt – und das wird auch so bleiben. Denn Parsberg hat diesen Titel erneuert. Doch was bedeutet das eigentlich? Handeln die Parsberger nachhaltiger und vor allem fairer als andere, nicht teilnehmende Kommunen – oder ist die verliehene Urkunde nur ein politisches Feigenblatt?

Die Antwort, die Uli Sellner – mit seiner Frau Lisa der Anführer der Fairtrade-Town-Steuerungsgruppe – dazu gibt, ist eindeutig: „Ja, es hat sich etwas verändert.“ Was vor allem vorangegangen sei, ist die Zusammenarbeit mit den Schulen. Das Gymnasium ist inzwischen selbst Fairtrade-Schule – mit der Real- und Mittelschule gibt es gemeinsame Aktionen, die das Bewusstsein für nachhaltige und fair gehandelte Produkte bei Schülern und Lehrern stärken.

Stadt und Kirche helfen in Parsberg mit

Dazu kommt laut Sellner, dass der Weltladen in Parsberg mit einem Jahresumsatz von rund 40 000 Euro – bezogen auf die Bevölkerungszahl – sehr erfolgreich ist und in der Gesellschaft wahrgenommen wird. Auch wenn natürlich über den Lebensmitteleinzelhandel, wie zum Beispiel bei Rewe oder Edeka in Parsberg, viel mehr fair gehandelte Lebensmittel umgesetzt würden.

Auch die Stadt Parsberg und die Kirche würden ihren Teil dazu beitragen, den Gedanken vom fairen Handel bei der Bevölkerung zu verwurzeln. So gibt es laut Simone Nutz vom Bürgerbüro in den Sitzungen von Stadtrat und Ausschüssen Fairtrade-Limo, und die Jubiläumsgeschenke, die im Laufe des Jahres verteilt werden, stammen ebenfalls ausschließlich aus fairem Handel.

Kampagne Fairtrade-Town lobt die Arbeit in Parsberg

„Auch die Tatsache, dass wir in jeder Ausgabe des Stadtblattes über verschiedene Aspekte des fairen Handels berichten dürfen, ist außergewöhnlich“, sagt Sellner. Das habe ihm die Koordinatorin der Kampagne Fairtrade-Towns, Melanie Müller, bei der Titelerneuerung bestätigt und Parsberg dafür gelobt.

Mit im Boot sind zudem laut Sellner auch die Kirchen. So unterstütze zum Beispiel die Pfarrei St. Andreas die Kampagne, indem alle Gutscheine, mit denen sie sich bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Pfarrgemeinde bedankt, im Weltladen gekauft werden.

„Trotzdem gibt es auch in Parsberg noch Luft nach oben“, sagt Sellner. Zum Beispiel habe es nicht geklappt, fair gehandelte Arbeitskleidung für den Bauhof zu beschaffen, weil es bei den Mitarbeitern Zweifel an Qualität und Haltbarkeit gab.

Ein anderes Sorgenkind sei die Gastronomie. „Wir haben zeitweise zumindest eine Sorte Wein an das aktuell wegen eines Brandes geschlossene Schwan Mediterran Diner geliefert und Tee an das Hotel Hirschen.“ Aber man müsse immer dranbleiben, um das aufrecht zu erhalten. Sellner: „Ich habe alle angeschrieben, aber die Resonanz ist gering.“

Neue Projektidee für Althandys präsentiert

Resignation entsteht aber bei Sellner und seinen Mitstreitern nicht. Nachhaltig nachbohren gehört – wie nachhaltig handeln – zu ihrer Arbeitsweise. „Wir wollen demnächst zu einem der Parsberger Unternehmertreffen gehen, um dort das Bewusstsein für den Fairtrade-Gedanken zu wecken“, sagt er. Auch eine intensivere Zusammenarbeit mit der Parsberger Unternehmergemeinschaft sei angedacht, aber noch nicht abschließend abgestimmt.

Und auch Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer präsentiert Sellner beim Pressetermin zur Titelerneuerung – bei dem Bauer dessen Engagement kräftig lobt – gleich eine neue Idee: „Wir könnten auch im Rathaus eine Sammelbox für Althandys aufstellen“, schlägt er vor. Eine solche gebe es zwar schon im Weltladen, das Rathaus habe aber mehr Publikumsverkehr. Damit würden mehr Menschen mit der Idee erreicht, die schlummernden Rohstoffe aus ihren Schubladen der Wiederverwertung zu übergeben.

Gut zu wissen

• Teamwork: Das Fairtrade-Stadt-Projekt in Parsberg wird von einer Steuerungsgruppe verantwortet. Dazu gehören Barbara Fischer (Pfarrei St. Andreas), Rebecka Großhauser (PUG), Hans-Jürgen Hopf (Dritter Bürgermeister), Simone Nutz (Stadtverwaltung), Hans Schuster, Lisa und Uli Sellner (Weltladen Parsberg) und Christina Walter (Realschule).

• Weltladen: Direkt am Stadtplatz werden fair gehandelte Waren verkauft. Kunden finden dort auch Produkte von Regens Wagner Holstein, die von Menschen mit Autismus hergestellt werden. Diese Menschen arbeiten auch im Laden mit. Eine bio-regionale Naturkostecke vervollständigt das Sortiment. Geöffnet ist der Weltladen von Dienstag bis Samstag von 9 bis 11.30 Uhr und außerdem am Donnerstag und Freitag von 14.30 bis 18 Uhr.