Die SPD Burglengenfeld kürt Martin Antretter einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten

Von Renate Ahrens · 29. April 2025 um 17:00

Die Bürgermeisterwahl im März 2026 verspricht in Burglengenfeld wieder besonders spannend zu werden. Denn die beiden größten Fraktionen schicken erneut jeweils einen aussichtsreichen Kandidaten ins Rennen. Die SPD hat nun am Sonntag mit Martin Antretter ihren neuen Hoffnungsträger offiziell nominiert, und zwar einstimmig.

Die Ziele des 54-jährigen Diplom-Verwaltungswirt (FH) sind hoch gesteckt: Burglengenfeld brauche eine „neue Richtung“ sowie „viele Impulse und Visionen“. Und man müsse sich „endlich vom zunehmenden Stillstand“ verabschieden, den die rund 15 000 Einwohner zählende, zweitgrößte Kommune des Landkreises immer mehr von einer liebenswerten Wohn- und Einkaufsstadt zu einer „Schlafstadt“ mache. Vor Investitionen in die Stadt dürfe man sich nicht scheuen, sagte er.

Bereits im November 2024 war Antretter, der seit 2016 Vorstandsmitglied des SPD-Ortsverbands ist, intern einstimmig als Kandidat vorgeschlagen worden. Die Nominierung sei nun ein „bedeutender Tag“, erklärten die beiden Ortsvorsitzenden, Kerstin von Brincken und Peter Wein.

Ex-MedB spricht von entscheidender Weichenstellung

MdB a. D. Marianne Schieder sprach von „entscheidenden Weichen“, die man damit stelle. Kommunalpolitik sei schließlich das „Herzstück der Politik“, da man unmittelbar mit den Menschen zu tun habe. Dem SPD-Ortsverein geht es nach Wein um noch mehr: Neben dem Ziel, die Bürgermeisterwahl zu gewinnen, wolle man zudem die SPD im Stadtrat stärken. Durch das momentane Gleichgewicht zweier Parteien (CSU und SPD stellen jeweils acht Räte) komme es oft zu wechselnden Mehrheiten. Nun wolle man an die lange Ära von SPD-Bürgermeister Heinz Karg (1990 bis 2014) anknüpfen.

Im Juni vergangenen Jahres kündigte Stadtoberhaupt Thomas Gesche (CSU) seinen Rückzug an. Daher wird es 2026 in Burglengenfeld auf jeden Fall einen neuen Rathauschef geben. Mehr dazu lesen Sie hier.

„Seitdem kam die Stadt nicht wirklich von der Stelle. Es bedarf eines Politikwechsels“, betonte Antretter im Gespräch mit der MZ. Mit langem Wirken in der Verwaltung einer Kommune kann Antretter bereits punkten, wie er auch in seiner Rede betonte: Seit 2012 ist er geschäftsleitender Beamter der Gemeinde Pettendorf, und zuvor war er unter anderem 19 Jahre lang bei der Stadt München in verschiedenen Funktionen beschäftigt.

Über drei Jahrzehnte berufliche Erfahrung

Nicht zuletzt deshalb sei Antretter der „ideale Kandidat“, ist neben Wein und von Brincken auch Sebastian Bösl, 3. Bürgermeister und SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, überzeugt. 33 Jahre im kommunalen Verwaltungsdienst seien ein „hoher Erfahrungsschatz“ – ein „paar Jahre länger als der Gegenkandidat“, fügte Antretter im Hinblick auf CSU-Fraktionschef Schaller hinzu, der als Gesches potentieller Nachfolger zwar noch nicht offiziell nominiert ist, aber längst bereit steht. „Dieses Wissen, das ich sammeln konnte, will ich jetzt für Burglengenfeld einsetzen“, versicherte Antretter. Es brauche nun einen Bürgermeister, der das „Große und Ganze“ im Auge habe.

Den Kopf schon voller Pläne und Visionen

Über seine Visionen und Pläne gab er einen Einblick: Da Burglengenfeld seit 1990 enorm gewachsen sei, brauche es bezahlbaren Wohnraum, und auch die zunehmenden Verkehrsprobleme müsse man bekämpfen. Die Digitalisierung komme nur langsam voran, und nicht vergessen dürfe man die Schaffung weiterer Kinderbetreuungsplätze. An alle Generationen müsse man denken und für ältere Menschen Barrierefreiheit schaffen sowie eine gesicherte Nahversorgung.

„Unsere Innenstadt braucht eine neue Belebung, damit Geschäftsleute und Wirte eine sichere Zukunft haben können“, sagte Antretter. Dies gelte auch für das Naabtalcenter, das man entwickeln müsse. Kulturelle Stützpunkte wie das VAZ, in dem die Nominierung stattfand, dürfe man nicht aus den Augen verlieren, sondern müsse sie stärken. „Unsere städtische Kultur muss erhalten bleiben“, sagte Antretter, der auch als Hobby-Schauspieler beim Burglengenfelder Theaterstodl und beim PettenDorftheater agiert.

Burglengenfeld soll Mitmach-Stadt werden

Weitere Themen wie Bildung, Bodenpolitik, Leerstand- und Parkraummanagement, Mobilität, Klima, Vereinswesen und Ehrenamt riss der 54-Jährige ebenfalls an. Eine „Mitmach-Stadt“ schwebe ihm vor, mit Politik auf Augenhöhe und einem modernen Rathaus sowie einer Verwaltung, die für die Menschen da sei. „Mein Stil wird Zuhören, Handeln, gemeinsam Gestalten sein. Ich werde euch nichts versprechen, was ich nicht halten kann.“

Die 38 anwesenden Wahlberechtigten (insgesamt hat der Ortsverein 140 Mitglieder) überzeugte das: Alle gaben Antretter ihre Stimme. Im nun anstehenden Wahlkampf, so betonte der frisch gekürte Kandidat, wolle er auch Kontakt zu Vereinen und Verbänden aufnehmen und bald eine „schlagkräftige“ Liste für den Stadtrat präsentieren.

Amtsinhaber Thomas Gesche (CSU) hatte vor knapp einem Jahr seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur erklärt. Als Grund nannte er gesundheitliche Probleme. Als potenzieller Nachfolger wurde der Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion, Michael Schaller, genannt. Seine offizielle Nominierung steht noch aus, soll aber noch vor den Sommerferien vollzogen werden.

Mehr zur Person Martin Antretter

Zurück zu Martin Antretter: Seine Sympathie für die SPD erklärt er damit, dass er als Arbeiterkind aufwuchs. Da seine alleinerziehende Mutter als Fabrikarbeiterin für den Lebensunterhalt sorgen musste, kümmerten sich vorwiegend seine Großeltern in der Max-Schulze-Straße um ihn. Nach dem frühen Tod der Großmutter lebte Antretter mit Mutter Anita Antretter bis 1992 als „Genossenschaftler“ in der Maxhütter Straße.

Seinen beruflichen Werdegang absolvierte Antretter auf dem zweiten Bildungsweg. Nach der Hauptschule und einer kaufmännischen Ausbildung besuchte er die Berufsaufbauschule und die Berufsoberschule und schließlich die Fachhochschule in Hof und begann seine Karriere im öffentlichen Dienst als Inspektor bei der Stadt München. 2012 führte ihn sein Weg zurück in die Oberpfalz. Seitdem arbeitet er als Geschäftsleiter und Kämmerer bei der Gemeinde Pettendorf. Antretter lebt mit seiner Frau Karin und seiner Tochter im Falkenweg in Burglengenfeld.