Es waren drei schlimme Tage im April in Neustadt a.d. Donau

Mit Gottesdienst und historischem Rückblick gedachte die Stadt Neustadt a. d. Donau dem Kriegsende vor 80 Jahren. Der ehemalige Stadtarchivar Anton Metzger brachte den Teilnehmern dabei die schrecklichen Ereignisse Ende April 1945 noch einmal sehr nahe.
Ihm Rahmen der Gedenkfeier wurde am Kriegerdenkmal ein Kranz niedergelegt. Dabei erinnerte Bürgermeister Thomas Memmel, dass gerade in diesten Tagen das Wort Krieg viel näher sei als in so manchem Jahr in der jüngeren Vergangenheit. „Passen wir auf unsere Heimat auf, passen wir auf unser Europa auf. Wir sind dort weit gekommen und das dürfen wir uns nicht wieder wegnehmen lassen“, rief er den Teilnehmern zu. Jeder müsse sich gegen Krieg und Nationalsozialismus einsetzen.
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Schon die alten Fotografien, die Metzger im Rahmen seines Vortrags zeigte, lassen eigentlich keine Fragen mehr offen. Die zeigen unter anderem, wie am 28. April amerikanische Panzertruppen in eine stark zerstörte Herzog-Ludwig-Straße einrücken. In der Rentamtstraße sind nur noch Mauerreste von Häusern zu sehen. Gewerbebauten, beispielsweise die Sattlerei von Georg Weinbauer oder die Buchdruckerei von Arthur Olbrich, sind nicht mehr als Ruinen. Zahlreiche weitere Beispiele ließen sich anführen.
Das alles waren die Ergebnisse von Artillerie- und Panzerbeschuss, aber auch von Luftangriffen, die am 25. und 26. April stattfanden. Nicht etwa die Stadt als solche war dabei das Ziel, sondern mehrere SS-Kampfeinheiten, die sich in und um Neustadt a. d. Donau eingegraben hatten, um den Donauübergang, sprich die Brücke, zu verteidigen.
Bombenhagel ging auf Neustadt a. d. Donau nieder
Metzger sprach in seinem Vortrag von einem wahren Bombenhagel, der auf die Stadt niedergegangen war. „Viele Bürgerhäuser wurden vollständig zerstört.“ Stundenlang hatte die Bevölkerung in Kellern ausharren müssen. Laut Angaben der amerikanischen Armee waren allein bei Bombenangriffen am 26. April 1945 nicht weniger 50 Gebäude in Neustadt a. d. Donau getroffen worden. Auch die Pfarrkirche war schwer beschädigt.
Die angesprochenen SS-Einheiten hatten daraufhin die Donaubrücke gesprengt. Für die Neustädter Zivilbevölkerung hatte das bedeutet, dass es am 27. April 1945 weiteren Panzer- und Artilleriebeschuss gegeben hat. Denn die US-Truppen hatten auf diese Weise ihr Übersetzen über die Donau vorbereiten und absichern wollen. „Es herrschte unbeschreiblicher Lärm. Für die zurückgebliebene Zivilbevölkerung war es die Hölle“, führte Metzger in seinem Vortrag aus.
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„Teile der Stadt hatten in Flammen gestanden. Allein ein Gewitterschauer in den Nachtstunden hatte wohl eine größere Brandkatastrophe verhindert. " Am 28. April 1945 hatten schließlich amerikanische Truppen Neustadt a. d. Donau eingenommen - nach schweren Feuergefechten mit den SS-Einheiten. Das hatte auch dem damaligen Sittlinger Mesner Peter Pfeiffer das Leben gerettet. Der hatte eine weiße Fahne gehisst und war deshalb verhaftet worden. Eigentlich sollte er an diesem Tag hingerichtet werden.
Blick auf Nachbarkommunen
Nur wenige Kilometer im benachbarten Abensberg war von diesen Vorgängen nur wenig zu spüren. Laut Metzger sollten die Amerikaner auch den dortigen Bahnhof bombardieren - die Piloten hätten sich aber verflogen und letztendlich nur Neustadt a. d. Donau angegriffen. So überwogen auch viele Jahrzehnte später in Abensberg eher positive Erinnerungen an Amerikanische Besatzungssoldaten, die etwa der mittlerweile verstorbene Hans Stark mit dem Autor dieser Zeilen im persönlichen Gespräch geteilt hatte.

Es lag wohl vor allem daran, in welchen Orten noch versprengte, fanatische Einheiten wie die SS-Truppen in Neustadt a. d. Donau zu finden gewesen waren, wie es für die Zivilisten ausgegangen ist. So wissen die Historiker unter anderem auch aus dem Süden des Landkreises, aus der Gegend zwischen Lindkirchen und Mainburg, ebenso von heftigen Kämpfen in den letzten Kriegstagen. In Neustadt a. d. Donau hätte es sogar noch viel schlimmer kommen können: „In seinem Fanatismus unübertroffen wollte Bürgermeister Wilhelm Depmeier weitere 2000 SS-Soldaten zur Verteidigung der Stadt anfordern“, führte Metzger in seinem Vortrag aus.
Eine verheerende Bilanz für Neustadt a. d. Donau
Die Tage vom 25. bis zum 28. April waren für die Stadt tragisch genug. Metzgers Bilanz, die er vortrug, ließt sich verheerend: Beim Kampf um den Donauübergang waren demnach 28 Bürgerinnen und Bürger ums Leben gekommen. Die Stadt und der Vorort Wöhr waren zu 70 Prozent zerstört. Dabei waren 76 Anwesen total zerstört und 78 schwer beschädigt worden. Die Zahl der gefallenen Soldaten bei den Kämpfen konnte bis heute nicht genau ermittelt werden.