Altbaumieten und Hausmeisterkosten in Regensburg steigen rasant

Von Marion Koller · 29. April 2025 um 05:00

Für die begehrten Wohnungen in sanierten Altbauten in Regensburg werden 52 Prozent mehr verlangt als vor zehn Jahren. Der Druck vor allem auf Mieter mit knapper Kasse wächst.

Die Mieten in Regensburg steigen weiterhin. Zugleich ist das Angebot an erschwinglichen Wohnungen deutlich niedriger als der Bedarf. Das stellt der Immobilienverband Deutschland-Süd (IVD) in seinem Mietmarktbericht für die bayerischen Großstädte vom Montag fest. Teures Wohnen bleibt das größte soziale Problem. Allein auf der Warteliste der Stadtbau reihen sich fast 3000 Namen.

Ein 25-jähriger aus Schwandorf hat wochenlang in Regensburg gesucht, weil er hier bei der Starkstrom-Gerätebau beschäftigt ist. Mehr als 600 Euro kann er nicht für die Warmmiete ausgeben. Eine Küche ist ihm wichtig. Sein Fazit: „Es ist sehr schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu finden.“ In der Innenstadt wurde ihm ein Ein-Zimmer-Apartment mit nicht einmal 30 Quadratmetern und ohne Küchenzeile angeboten. „Das war zu klein und zu teuer“, sagt der Schwandorfer. Genau wie ein Angebot in Burgweinting. Bei jeder Besichtigung ist die Konkurrenz groß gewesen.

Weniger Neubau, steigende Finanzierungskosten

„Die Angebotslücke hat sich in den letzten Jahren nochmals ausgeweitet“, stellt Professor Stephan Kippes fest, der das Marktforschungsinstitut des IVD Süd leitet. Die Ursachen seien unter anderem die rückläufige Neubautätigkeit, steigende Bau- und Finanzierungskosten sowie langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse, die neue Projekte verzögern oder verhindern. Die Mietpreise zeigen seit Jahren eine kontinuierliche Aufwärtstendenz. „Ein Trend, der sich auch im Frühjahr 2025 fortsetzt“, sagt Kippes. Hohe Nachfrage und begrenztes Angebot führen zu einem wachsenden Druck auf Wohnungssuchende, vor allem Haushalte mit geringem Einkommen.

In Regensburg verlangen die Eigentümer zurzeit eine Kaltmiete von durchschnittlich 13,50 Euro je Quadratmeter für Altbauten mit gutem Wohnwert. Das ist um 52 Prozent teurer als vor zehn Jahren (8,90 Euro). Das hat der IVD-Marktforscher und Diplom-Kaufmann Manuel Böhme recherchiert. Neubaumieten kosten 42 Prozent mehr. Aktuell liegen sie bei durchschnittlich 15,20 Euro pro Quadratmeter, 2015 waren es 10,70 Euro. Bei Bestandswohnungen müssen Mieter mit 12,40 Euro je Quadratmeter rechnen, vor zehn Jahren waren es 32 Prozent weniger (9,40 Euro). Der IVD veröffentlicht seine Erhebungen im Herbst und Frühjahr. Auch in dieser kurzen Spanne haben die Mieten angezogen: Bei Altbauwohnungen um 2,3, bei Neubauten um 1,3 Prozent.

Der Rechtsanwalt Sebastian Stopp, stellvertretender Vorsitzender des Regensburger Mieterbundes, hört oft die Klage „Ich finde keine Wohnung“. Meistens suchen die Menschen, weil sie mehr Platz brauchen. Manche haben auch Probleme mit dem Vermieter. „Leute, die umziehen wollen, tun sich schwer, etwas in derselben Preisklasse zu finden“, beobachtet Stopp. Der Großteil der Vermieter setze mit dem Preis „an der Oberkante an, die gesetzlich möglich ist“. Ein Blick ins Portal Immoscout24 zeigt: Eine neue Dreizimmer-Wohnung in der Sternbergstraße etwa wird für eine Kaltmiete von 21 Euro je Quadratmeter angeboten, ein neues Studentenapartment in Hochschulnähe für 26 Euro je Quadratmeter.

Ein Dauerbrenner sind laut Mieteranwalt Sebastian Stopp auch die Hausmeister- und sonstigen Betriebskosten in Mehrfamilienhäusern, die deutlich zugelegt haben. Stopp rät, die Abrechnung stets von Fachleuten überprüfen zu lassen. Der Mieterbund, dem 4500 Mitglieder angehören, berät in der Woche rund 50 Menschen.

„Wahnsinnige Nachfrage“

Begehrt sind auch Häuser, am besten mit Garten. Die Mieter werden kräftig zur Kasse gebeten. Eine Zahnärztin Anfang 30 und ihre Familie haben vor kurzem eine Doppelhaushälfte in der Nähe des Universitätsklinikums gefunden. Die Warmmiete beträgt 2200 Euro. Eigentlich wollten sie nicht mehr als 2000 Euro ausgeben. „Man merkt, dass viele Leute in diesem Segment schauen“, sagt sie. „Das wird wahnsinnig nachgefragt.“ Die Familie will nicht außerhalb der Stadt wohnen. Ein Kauf sei wegen der Preise ab 800 000 Euro und der Zinsen nicht infrage gekommen.

Der 25-jährige Mitarbeiter der Starkstrom-Gerätebau hat nun für Juli die Zusage für ein Apartment mit 40 Quadratmetern erhalten. Diesmal stimmt der Mietpreis.

Mieteranwalt Sebastian Stopp beobachtet, dass sich Leute, die umziehen wollen, schwer tun, etwas in derselben Preisklasse zu finden. Foto: Stopp
Nach Einschätzung des Marktforschers Prof. Stephan Kippes hat sich die Angebotslücke in den letzten Jahren erweitert. Foto: IVD Süd