Solar in der Altstadt: Warum Regensburg an einem Denkmal-Atlas arbeitet

Von Juliana Ried · 28. April 2025 um 17:00

Vor zwei Jahren installierten die ersten Regensburger Photovoltaikanlagen auf Altstadthäusern, vorher war das im Welterbe verboten. Mittlerweile sind einige Module dazugekommen, während andere Solar-Fans eine Abfuhr vom Denkmalschutz bekamen. Nun soll ein Denkmal-Solar-Atlas für die Stadt den Spagat zwischen Energiewende und Denkmalpflege erleichtern.

2023 erlaubte eine Änderung des Bayerischen Denkmalschutzes grundsätzlich die Installation von Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden. Der Regensburger Stadtrat hatte 2022 bereits im Vorgriff beschlossen, das Verbot aus der Altstadtschutzsatzung zu streichen. 2023 gab der Planungsausschuss des Stadtrats auf Anregung der Grünen ein kommunales Denkmalkonzept in Auftrag, das Solar-Fragen in allen betroffenen Gebieten klären soll. In dieses ist auch der Solar-Atlas eingebettet, den gerade ein Fachbüro erstellt. Er soll der Stadt zufolge Dachflächen identifizieren, die aus gestalterischer und denkmalpflegerischer Sicht für Solaranlagen geeignet sind.

Stadt bearbeitete 54 Anträge auf PV-Anlagen in der Altstadt

Etliche Bewohner der Altstadt haben das denkmalrechtliche Verfahren, das für eine Photovoltaikanlage nötig ist, schon hinter sich: Seit 2022 habe die Stadt 54 Anträge bearbeitet, berichtet Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. 36 davon seien bewilligt worden, darunter zum Beispiel solche für Anlagen im Westen der Altstadt. 18 Anlagen seien abgelehnt worden, unter anderem solche im Altstadtosten. Drei Anträge seien gerade in Bearbeitung. „Wesentliches Kriterium bei der Genehmigung oder Ablehnung ist die Einsehbarkeit vom öffentlichen Raum aus“, sagt von Roenne-Styra.

Wir haben 2024 ungefähr 115 Prozent Stromgewinn gehabt.

Manfred Blasch, Betreiber einer Photovoltaikanlage in der Altstadt

Welchen Aufwand das mitunter für Hauseigentümer bedeutet, weiß Manfred Blasch. Der Architekt, der in der westlichen Altstadt einen fünfstöckigen Wohnturm auf ein 55-Quadratmeter-Grundstück baute, krönte diesen 2023 mit einer Photovoltaikanlage. Dank einer Sonder-Unterkonstruktion haben die Module, die u-förmig die Dachterrasse umschließen, eine Neigung von nur einem Grad – eine Auflage der Denkmalpflege. Übliche Anlagen haben eine Neigung von 30 Grad und produzieren deshalb mehr Strom, weshalb Blasch auch auf einen überdimensionierten Speicher setzt.

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Damit funktioniere die Anlage „sehr gut“. „Wir haben 2024 ungefähr 115 Prozent Stromgewinn gehabt“, sagt Blasch in Bezug auf den Verbrauch im Haushalt. Angesichts der zunehmenden Zahl der Sonnentage in Regensburg sagt er: „Es kann sein, dass es noch mehr wird.“ Wegen der hohen Kosten von circa 40.000 Euro gelte dennoch: „Das ist eine Sache, die sich wahrscheinlich nicht amortisiert. Aber der Umweltgedanke ist im Vordergrund.“

Balkonkraftwerk im Altstadtosten wurde abgelehnt

Wer auf Standard-Lösungen angewiesen ist, hat es schwerer in der Altstadt. Das erfuhr etwa Claus Meier, der den Balkon seiner Mietwohnung in der östlichen Altstadt mit einer Mini-Solaranlage ausstatten wollte. Doch die Denkmalpflege befand, die Anlage sei „nicht erlaubnisfähig“. Die schwarzen Module würden „in der Abfolge der Fassadenansichten als Fremdkörper in Erscheinung treten“, hieß es. Die Abfuhr ärgert den 59-Jährigen immer noch. „Man redet von Energiewende. Aber man will es nicht sehen“, sagt er.

Man redet von Energiewende. Aber man will es nicht sehen.

Claus Meier, verhinderter Betreiber eines Balkonkraftwerks in der Altstadt.

Der Solar-Atlas soll es Eigentümern und Mietern jedenfalls einfacher machen, zu erkennen, wie ihre Chancen stehen. Die Stadt teilt mit, es würden Kriterien entwickelt, dass der Welterbestatus und die besonderen Stadtansichten Regensburgs von Solaranlagen nicht beeinträchtigt werden. Zusätzlich würden Leitlinien und konkrete Gestaltungsvorgaben erarbeitet. Erste Ergebnisse stellt die Stadt an diesem Dienstag ab 17.30 Uhr bei einem Bürgerdialog im Herzogssaal vor.